Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
328
JPEG-Download
 

328

Vegetations-Charakter

acaulis, Aretia helvetica und dergl. Hier treten d' ßPhancrogameu unmittelbar an die Schneegrenze, undnicht wie in den Kordilleren nur Kryptogamen.

Merkwürdig ist die zuerst hier gemachte Ilcobach'tung, dafs man in günstigen Lagen dieselben Pflanze®zum Theil auch noch hoch über der Schneegrenze h®'det. So fand Saussure am Montblanc Silene acau-lis in 10680 F. Höhe (also 2000 F. über der Schnee-grenze) auf vereinzelten Felsen mitten im Schnee. Meiervon Aarau hat sie in ähnlicher Höhe am Finster-Aar'horn gefunden. Wahlenberg sammelte auf dem Rofs-bodenstock 500 F. über der Schneegrenze noch 2$Pflanzen, ja einige, meinte er, wären recht eigentlich nurüber dem ewigen Schnee zu Hause, wie Aretia alpineAira subspicafa , Cerastium latifolium (de vegetat.Jlelv. sept. Introd. p. XXXIII). Aehnlich wachsen amMonte Rosa Ilanunculus glacialis und Aretia Acf-vetica in 10500 F. Höhe. Dasselbe sah Ramond i®den Pyrenäen noch an Saxifragen, Ranunculus glaciß'lis, Gentiana acaulis, undParrot fand am Kaukasussein Cerastium Kasbek noch in 10980 F. oder reich-lich 1000 F. über der Schneegrenze. Ein incrkw'ünligerBeweis, wie geringe Temperaturen und wie unbedeuten-der Luftdruck bereits hinreichen, um vegetabilisches Le-ben und die Entwickelung selbst schon sehr vollkomme-ner Pflanzenformen möglich zu machen.

Nach den Vergleichungen von Schonw zeigt sichauf dem Süd-Ab hange der Alpen in der Vertheilungder Vegetations-Grenzen im Wesentlichen ganz derselbeCharakter, wie ihn Wahlcnberg an der Nordseite ge-funden, nur ist die Erhebung sämmtlicher Vegetations-Stufen über dem Meere meist um 1000 —1200 F. höher-In den unteren Theilen der Baum-Region stellt sich hiercharakteristisch mit den Wallnüssen zuerst im Grofsendie Kastanie ein, wenngleich sie auf der Nordseite aueinigen günstigen Stellen, wie z. B. am Zuger-See, ai®