IV. Die Niederlande. Holland. K3L
240^ hohen Thurm mit einem Glockenspiel*), treffliche Glas-malereien und enthält viele Denkmäler holländischer Seehelden;und die neue Kirche, auf dem Damme neben dem Palais; hierbefindet sich unter andern ein schönes marmornes Denkmal desAdmirals de Ruytcr (reuter), welcher 1676 in einer siegreichenSeeschlacht gegen die Franzosen, in der Bay von Syrakus,blieb, und das des Dichters Vondel. Die Juden, welche hierzahlreich sind, haben 4 Synagogen, worunter die der sogenann-ten portugiesischen Juden, welche die reichsten sind, sich aus-zeichnet. Spinoza war hier geboren. — Amsterdam hat sehrviel milde Stiftungen für Waisen, Kranke u. a.; das bedeu-tendste Institut dieser Art ist das sogenannte Almosenier-Wai-senhaus, worin über dreitausend Kinder ohne Unterschied derHerkunft oder Religion verpflegt werden; außerdem die Lee-maiis - Kn'vvksvüool oder das Erziehungshaus für Kinder vonSeeleuten; in der Nähe liegt das Local der Gesellschaft Noo,-maiisliop) welche an 300 Mitglieder, meist Seecapitaine, zählt.
An Kunst- und gelehrten Anstalten besitzt Amsterdam einean Werken holländischer und flamändischer Maler sehr reicheGemäldegallerie (das Museum), eine Akademie der Wissen-schaften, viele gelehrte Privatgesellschaften, worunter die k'olixMeritis und die zur Beförderung der allgemeinen Wohlfahrtdie berühmtesten sind; mehrere ansehnliche Privatsammluiigenvon Gemälden, Kupferstichen, Büchern, Natur- und Kunst-sachen, einen botanischen und einen zoologischen Garten, be-rühmte lateinische Schulen, darunter das Athenäum u. s. w. —Amsterdam war ehemals der Sitz, zahlreicher und sehr blühen-der Fabriken, und auch jetzt noch verdienen einige derselbenAufmerksamkeit. Außer den'Woll- und Baumwollfabriken wieder Auckcrrafsinerien erwähnen wir nur folgende: Kampher-Und Boraxrafsinerien; der Kamp her, der verdickte Safteines in Ost-Asien vorzüglich wachsenden Baumes aus der Gat-tung Lorbeer, und der Borax (S. 2L4) werden hier geläu-tert; ersterer wird in der Medicin häufig gebraucht, letzterervorzüglich zum Löthen. Smaltefabriken; unter Smalte ver-steht man ein durch Kobaltoeydul (( 2 .153, 248) gefärbtes blauesGlas, welches auf den sogenannten Blausarbenwerken,besonders in Norwegen, Preußen und Sachsen, bereitet wird;die Amsterdamer aber verstehen es vorzüglich, eine große Menge
*) Die Glockenspiele, wahrscheinlich eine niederländische Erfindung,sind in allen Städten der Niederlande , sehr gewöhnlich. Es giebtihrer 2 Arten. Einige haben wie die bekannten Drehorgeln eineWalze und spielen dann immer nur dieselben Stucke; andre werde»vermittelst einer Claviatur gespielt, und es hat m den Niederlan-den Virtuosen auf diesem riesenmäßigcn Instrumente gegeben.