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Prodromus der europäischen Orthopteren / von C. Brunner von Wattenwyl
Entstehung
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Vorwort.

Europa ist kein naturgeschichtlicher Begriff. Eine Fauna der Alpen,(des Mittelländischen Meeres, der nordeuropäischen Ebene wird einen ge-imeinschaftlichen Character tragen, aber Europa umfasst zu viele verschie-(denartige Lebensbedingungen, um eine Fauna zu characterisiren. Anderer-sseits ist das geographische Gebiet, welches mit Europa abgegrenzt wird, viel;zu klein, um ein nur annäherndes Bild sämmtlicher Formen einer natur-jgeschichtlichen Abtheilung zu bieten, indem die ganze tropische Formen-centwickelung fehlt.

Die Orthopteren, wie sie in dem vorliegenden Werke umschriebenwerden, stellen keine natürliche Insectenordnung dar. Die Ohrwürmermnd Blattiden stehen in ihrer anatomischen Gestaltung den Laubheuschreckenweniger nahe, als die ausgeschlossenen Libellen und Phryganiden.

Warum steht die Combination beider unwissenschaftlicher Ausdrückecauf dem Titel dieses Werkes? Die Antwort besteht darin, dass eineAnzahl Insectenliebhaber, w'elche sich mit den hier behandelten Familienbefassen, so weit sie in verschiedenen Gegenden Europas Vorkommen, dasBedürfniss haben, ihre Objecte zu bestimmen und zu classificiren.

Diese Motivirung bedingt auch die Anlage des Werkes. Dasselbe ent-hält nicht die Naturgeschichte der Insecten. Wäre dieses die Aufgabe, somüssten statt der Anzahl der Dörnchen an den Yorderfüssen, oder statt dersubtilen Beschreibung der Form der Subgenitalplatte ganz andere Dingebehandelt werden. Die Aufgabe besteht vielmehr ausschliesslich in derGharacteristik der Species. Der ganze Scharfsinn wird darauf verwendet,prägnante Unterschiede zu finden und dieselben so zu combiniren, dassein möglichst richtiges Bild von der Form des Objectes entsteht. Undselbst hierin ist der Autor durch einen misslichen Umstand beengt. Könnteer die lebenden Thiere beschreiben, in ihren specifischen Gewohnheiten,in ihren zarten Farben und frischen Formen, so fielen die Diagnosen andersaus, als wenn er die Charactere so wählen muss, dass sie an getrocknetenoder in conservirenden Flüssigkeiten aufbewahrten Individuen erkanntwerden.

Alle diese massgebenden Factoren bestimmen mich, dieses Werk alseinen Prodromus, eine Vorarbeit für jede weitere wissenschaftliche Be-handlung des Gegenstandes zu bezeichnen.

Dass diese neue Bearbeitung ein Bedürfniss ist, geht schon aus dem