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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Frankreich.

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schlummern heftige Leidenschaften, deren ungezügelter Ausbruch das groß-artig Gute der Konstitution von 1781 auf lange Zeit hinaus paralysirt.Die Tortur wurde abgeschafft, die Mönchsorden, die Verhastsbefehlc(lettros äs eaekvt), die Binnenzölle, die Zehnten, die Feüdal- undandere, dem natürlichen Rechte widerstreitende historische Rechte wurdenabgeschafft; die Verfassung reformirte die Kriminal-Justiz, anerkannte dieReligions-Freiheit und heiligte die persönliche Freiheit, wie die verhält-nißmäßige Gleichheit im Tragen der öffentlichen Lasten; sie theilte dasGrundgebiet Frankreichs gleichförmiger ab, in Departements, ordnete dieErrichtung der Nativnalgarde an, und brachte ein gleichförmiges und ein-faches Finanzsystem in's Werk. Die National-Versammlung erklärte Kor-sika für einen intcgrirenden Theil des französischen Reichs, 1789 den30. November; eben so drei Jahre später, 1791 den 14. September, dieGrafschaften Avignou und Penaissin, deren legitimer Gebieter der Papst war.

Die gesetzgebende Versammlung trat an die Stelle der konstituiren-den, den 1. Oktober des zuletzt genannten Jahres. Während ihrerSitzungen kam eine Coalition Österreichs, Preüßens und Sardiniensgegen Frankreich zu Staude, zur Bekämpfung der neüen Ideen, welchedie französische Verfassung geltend machte. Dieser Fürstenbund eröffnetedie Feindseligkeiten im August 1792 durch den Einmarsch seiner Soldatenin Frankreich; mit diesem Ereignis; beginnt die lange Reihe der Nevolu-tionskriege, welche während drei und zwanzig Jahren den Erdthcil,die ganze Welt erschüttert haben. Die Zeiten der gesetzgebenden Ver-sammlung sahen den Aufstand der Anhänger des alten Regimes in derVendve zum Ausbruch kommen, sie sahen die Kolonien verwüsten undden König Ludwig XVI. gefangen setzen. Den Geist der neüen Verfas-sung durchaus verkennend, ordnete die gesetzgebende Versammlung dieHaussuchungen an, sie hinterließ die Finanzen, nachdem für zwei Mil-liarden und zweihundert Millionen Papiergeld geschaffen worden war, indem allerkläglichsten Zustande, sie entwickelte nichts als Anarchie, dieHerrschaft des Pöbels brach herein und begann ihr schauerliches Werk,das so viele Jahre auf Frankreich gelastet hat, mit dem Abschlachten Tau-sender von Menschen, den 25. Sept. 1792.

Der Nationalkonvent fing seine Sitzungen nicht unter günstigern Aus-sichten an. Schon in der ersten derselben, den 21. Sept. 1792, faßteer einen einstimmigen Beschluß, wonach das Königthum für immer abge-schafft und Frankreich zur Republik erklärt ward; den 21. Januar desfolgenden Jahrs drückte er das Siegel auf alle seine Schandthaten, durchdie Ermordung Ludwigs XVI. auf dem Schaffot. So ward dieser König,der nur das Gute seines Volkes wollte, der Märtyrer politischen Unver-standes und politischer Raserei, so mußte Ludwig XVI. für die Sündenbüßen, die seine Vorgänger auf dem Throne Frankreichs begangen odergeduldet hatten. Während dieser Vorgänge im Innern wurden die preü-ßischen Truppen vom französischen Gebiet vertrieben; der Sieg, den dieFranzosen bei Jemappes über die Coalition erfochten, bereitete die Er-oberung von Belgien vor, und die Erfolge, mit denen ihre Waffen inSavoien und der Grafschaft Nizza gekrönt wurden, führten die Vereini-gung dieser Länder mit Frankreich herbei, 27. Nov. 1792 und 31. Jan.