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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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144
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EüropäischeS Staatensystem.

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Nun schien die Ruhe wiedergekehrt, und Fürsten und Völker mitder Revolution ausgesöhnt zu sein. Doch es war auch nur Schein! DerEhrgeiz des ersten Konsuls hatte seit dem Frieden nicht geruht; er hattesich zum Präsidenten der Cisalpinischen Republik erwählen lassen, die nunden Namen Italiänische Republik annahm; neüe Gesetze schrieb er derLigurischen Republik vor und schickte, um seine Vermittlung bei denSchweizern zu unterstützen, 3V,V0V seiner Soldaten in ihr Land; und errüstete in seinen Hafen, angeblich zu einer Expedition nach St. Domingv,das 1801 aufgestanden war, wirklich aber gegen England. Diese Machtließ sich nicht irre machen und kündigte im Mai 1803 den Frieden auf.Der Verlust von St. Domingo war der erste harte Schlag, der die Re-publik betraf, in Folge des Bruchs mit England, das keinen Anstandnahm, die rebellischen Schwarzen zu unterstützen. Nun aber hörte Frank-reich auch auf, eine Republik zu sein. Es ward 1804 ein Kaiserreich,indem der erste Konsul, Bonaparte, unter dem Namen Napoleon I. zumKaiser der Franzosen sich ausrufen ließ. Das Jahr darauf ließ er sichzum König von Italien krönen und sehte seinen Stiefsohn Eugen Beau-harnais als Nicekönig an die Spitze dieses Staats, dann vereinigte erdie Ligurische Republik mit dem Kaiserreich und hatte nun den Kampfmit der dritten gegen Frankreichs Revolution gebildeten Coalition, 1805,zu bestehen, aus dem er als Sieger glänzend hervorging. Der Friedenvon Preßburg, 26. December 1805, verschaffte dem Kaiserreich keinenLänderzuwachs, dagegen niußte Österreich die alten Venetianischen Staa-ten, mit Einschluß von Dalmatien und Albanien, an das KönigreichItalien abtreten. Fast gleichzeitig kam ein Vertrag zwischen dem Fran-zvsen-Kaiser und Preüßen zu Stande, vermöge dessen die zuletzt gen.annteMacht ihre fränkischen Herzogthümer Ansbach und Baireüth, dann dasHerzvgthum Eleve, diesseits des Rheins, und Neüchatel an Frankreichabtrat, wofür sie durch die deütschen Lande des Königs von Großbritan-nien entschädigt wurde, die Napoleon, obwohl er nicht mit dem Kur-fürsten von Braunschweig-Lüneburg in Fehde begriffen war, in Besitzgenommen hatte, und, das Recht des Stärker» übend, frei darüber ver-fügte. Gleichzeitig wurde das Königreich beider Sicilien überrumpelt,und Joseph Bonaparte als König dahin gesetzt. Die batavische Republikwurde in ein Königreich Hotland zu Gunsten Ludwigs Bonaparte pro-klamirt, ein Großherzogthum Berg für Joachim Murat, den Schwester-mann Napoleons I. errichtet, und die Herzogthümer Lukka und Piom-bino an Elisa Bonaparte gegeben. Bald nachher errichtete der Kaiserden Rheinbund, 12. Juli 1806, dessen Protektorat er übernahm. Preü-ßen versuchte es, im nördlichen Deütschland einen Gegenbund zu stiften/allein dieser Versuch lief so unglücklich ab, daß zwei Monate genügte«/um die Preüßische Monarchie an den Rand des Untergangs zu bringen.Der Frieden von Tilsit im Juli 1807 entriß dem Könige von Preüßenseine sämmtlichen Provinzen zwischen Rhein und Elbe, und fast das ganzepreüßische Polen, das dem Kurfürsten von Sachsen, der nun die Königs-würde angenommen hatte, als Herzvgthum Warschau gegeben wurde;die Ionischen Inseln kamen durch denselben Friedensschluß definitif a>'das Kaiserreich. Den 18. August 1807 unterzeichnete der Kaiser die