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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Europäisches Staatens»stem.

Holländern, so wie in der neücrn den Deutschen den Vorrang lassen. Aberals Muster jeder Zeit, und als Vorbild der europäischen Historiker sind dieenglischen Geschichtschreiber Meister der historischen Wahrheit und Kunst.Um die allgemeine Erdbeschreibung, wie um die Länder- und Völkerkunde,haben sich die Engländer Verdienste erworben, mit denen kein anderesVolk europäischer Gesittung zu wetteifern vermag. Mit diesen Verdien-sten gehen diejenigen Hand in Hand, vermöge deren England die phy-sische Welt erleuchtet hat. Durch Newton's umwälzende Entdeckungenim Gebiete der Naturkunde wurde die Nation selbst mit einer Vorliebefür die physischen Wissenschaften erfüllt, welche nicht erloschen ist. Znkeinem Lande Eüropa's wird der Himmel eifriger durchforscht, als inBritannien; außer der großen National-Sternwarte zu Greenwich, außerden Observatorien bei den Universitäten, giebt es eine große MengePrivat-Sternwartcn, deren reiche Besitzer entweder selbst oder durch be-soldete Astronomen den Lauf der Gestirne verfolgen. Das Studium derPhilosophie neigte sich von jeher auf die praktische Seite, Lebensweisheitist ihre Höhe und Tiefe; eindringende Untersuchungen i» die ersten Gründeoder das Aufsuchen von Principien ist dem Briten ein scholastischer Graüel.Zn der Arzncikunde und Chirurgie gebührt ihnen ein ausgezeichneterRang. An Schriften über Ökonomie und Landwirthschaft ist die englischeLiteratur sehr reich; aber um so karger ist die britische Rechtswissenschaftmit Gaben für diese Wissenschaft; dagegen hat kein Volk der Erde sogesunde Ansichten auf dem Gebiete der National-Ökonvmie entwickelt, alsdas britische. So strenge auch die theologische Bildung ist, so freimüthigist der theologische Schriftsteller: im Studium des Bibelteptes hat diebritische Literatur ausgezeichnete Arbeiten.

Der Buchhandel steht in hoher Blüthe. London und Edinburghsind die vornehmsten Tummelplätze seiner Thätigkeit. Erreicht der bri-tische Buchhandel hinsichts der jährlich erscheinenden Schriften den deüt-schen auch nicht der Quantität nach, so ist dies doch in Rücksicht derQualität der Fall, und übertrifft ihn in der Zahl der kostbaren undPrachtwerke, deren Absatz durch die zahlreichen öffentlichen und Privat-bibliotheken gesichert ist. London allein hat gegen 850 Buchhandlungen-Außerordentlich zahlreich sind die Leihbiblivthckcn, und außer diesen sorgengleich zahlreiche Bücher - Gesellschaften oder Bücher - Klubs, welche dieneüen Erscheinungen der Literatur unter ihren Mitgliedern in Umlaufsetzen, für die Verbreitung der geistigen Kultur.

Ein mächtiger Hebel für die geistige sowol als sittliche Kultur sinddie Zeitungen, die im britischen Reiche eine große Macht üben, nichtallein in politischer, sondern in jeder anderen Beziehung des öffentlichen'sogar des Privat-Lebcns. Und diese Macht ist nicht eine aufregende, zer-störende, sondern eine erhaltende, vorsorgliche, die zwar oft sehr schneiund sogar derb werden kann, nie aber in Zügellosigkeit ausartet.

In London erscheinen, entweder täglich oder nur einige Mal in dcWoche, 87 Zeitungen und Journale, von denen 62 sich mit Politik, unv25 mit den Wissenschaften und der Literatur beschäftigen. Der englischeProvinzial-Zeitungen, welche sämmtlich politisch sind, und die im Lausder Woche erscheinen, sind 226, von denen 11 allein i» Liverpv