Buch 
5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
426
JPEG-Download
 

426

Eüropäisches Staatensystem.

II. Die Kritischen Besitzungen in Asien, oder dasIndo-Britische Reich.

«) Die Länder der Ostindischen Kompagnie.

Ein so großes Ländergebiet, wie dasjenige ist, welches das Zndo-Britische Reich umfaßt, gleich ausführlich zu schildern, als es bei deneuropäischen Ländern geschehen ist, würde allerdings lehrreich, und sogarnothwendig sein, — in Betracht, daß wir hier einen der ältesten Sitzeder Kultur und den Wohnplatz von Völkern betreten, die in Absicht aufSprache mit den germanischen Völkern verwandt sind, in Betracht aberauch, daß von Indien aus, seit einem Jahrhundert etwa, langsam zwar,aber um so sicherer die Regeneration eines ganzen Erdtheils, die Auf-nahme seiner Millionen von Bewohnern in den Kreis christlicher Gesittungbegonnen hat, — allein jene wünschenswerthe Ausführlichkeit gestattetder Raum nicht, wir müssen uns auf eine ganz allgemeine Übersichtbeschränken.

I. Lage «nd Gränze».

Vorderindien ist der Mittelpunkt des Jndo-Britischcn Reichs, aberdieses streckt seine Arme aus einer Seits über das westliche Gestade derhinterindischen Halbinsel und deren Sudspitze, anderer Seits ist seineMacht in unseren Tagen herrschend geworden auf dem Plateau von Iran,und einen festen Punkt hat es gewonnen auf der Südwcstspitzc Arabiens.Nahe vom Äquator erstreckt sich sein Ländergebiet durch die nördlicheHälfte der heißen Zone über ihre Gränze hinaus bis zum 36° nördl.Breite, und vom 43° vstl. Länge von Paris (Aden) bis zum Meridianvon 101° ^, O.

Auf der Südseite ist das Indo-Britische Reich vom Indischen Meerebegränzt, nach allen übrigen Wcltgegcndcn stößt es an die Staaten Asiens,und diese sind, wenn man mit ihrer Aufzählung an der Südspitze vonHinterindien beginnt, und nach Norden und Westen fortschreitet: Zuersteinige kleine Staaten malaischer Häuptlinge auf der Halbinsel Malacca,sodann die Reiche Siam und Birma, und die Wohnsitze meist unab-hängiger Völkerschaften im nördlichen Theil von Hinterindien, womit dieOstgränze des Britischen Reiches schließt; darauf folgt seine Nvrdgrän^gegen Westen hin, gebildet von dem, unter chinesischem Einfluß stehendesLande Bhotan, von Nipal und dem Chinesischen Reiche selbst, das Br>-tannien's unmittelbarer Nachbar ist, dort wo der heilige Strom Gangesentspringt, weiterhin folgt das Reich der Seikhs von Lahore, und n»überschreitet di? Gränze, seit 1839, den Indus, um auf das Plattsvon Iran z» steigen, wo durch britische Waffen das Afghanen-Ne>restaurirt worden, das nominell zwar unabhängig ist, reell aber nie»'weiter als eine britische Provinz bildet, die gegen Osten an das Sei ^Reich, gegen Norden an das Khanat Kundus, gegen Westen und Suan das Persische Reich und die Länder der Biludschen gränzt.

Der mächtigste unter diesen Nachbarn ist ohne Zweifel dasfische Reich, doch ist seine Gränzlinie gegen die britischen Besitzungen