Die Königreiche Schweden und Norwegen.
657
Schulden bewilligte. Wie ein Wahnsinniger wollte Karl mit einer klei-nen Schaar Widerstand versuchen; tapfer vertheidigte er sein Haus,welches in Flammen stand; endlich ward er gefangen und am 12. Febr.nach Demvtika bei Adrianopel gebracht. Als der Sultan von seinerTapferkeit gehört, wurde er ihm wieder gewogen, ließ ihm Geld undLebensmittel zukomme», und Karl blieb noch anderthalb Jahre in derTürkei» worauf er dann im Oktober 1714 seine Rückreise antrat. Vonseinen Lieblingen, Döring und Rosen, begleitet, von welchen letztererjedoch bald zurückbleiben mußte, ging es nun im schärfsten Ritte durchUngarn und Deutschland und am 12. Nov. kamen beide an den ThorenStralsunds an. Die Zahl seiner Feinde hatte sich bereits wieder ver-wehrt. Friedrich Wilhelm I. von Preußen hatte einen großen Theil vonSchwedisch-Pommern besetzt und wollte nicht Stettin räumen. Die Dä-nen hatten Bremen und Verben genommen und Georg I. von Englandwollte Theil an dem Kriege gegen Schweden nehmen. Karl war ge-nöthigt, sich nach Schweden zurückzuziehen uns von Gustav AdolphsEroberungen in Deütschland war für Schweden nichts mehr übrig.Kurz die Lage Karls war schrecklich, aber gleichwohl dachte er an Krieg,Zumal er in dem Freiherr» von Görz einen Mann fand, der dem gesun-kenen Staate Credit verschaffte. Trotz dem, daß er Stralsund verloren,ließ er sich nicht abschrecken und siel in Norwegen ein. Eine Abtheilungdes Heeres unter General Armfeldt ging fast ganz durch die strengeKälte zu Grunde, mit dem Reste begann er, Fredrikshall zu belagern.Als er jedoch am ll. Decbr. 1718 in Begleitung zweier Franzosen dieLaufgräben besichtigte, ward er durch eine Kngel getroffen. Karl warUn Mann von einer außerordentlichen Festigkeit des Charakters, voneiner eisernen Willenskraft, unendlichem Muthe, der bisweilen in Toll-kühnheit überging, und List und Trug waren ihm fremd. Sein Lieblings-studium war Mathematik. Nach seinem Tode ward die Krone seinerSchwester Ulrike Eleonore und deren Gemahle, dem Erbprinzen Friedrichvon Hessen übertragen; Görz aber schleppte man auf das Blutgerüst.Die Friedensunterhandlungen mit Rußland wurden abgebrochen, derKrieg fortgesetzt, die Russen drangen in Schweden ein und die Regierungkah sich genöthigt, den 1V. Sept. 1721 zu Nyftadt Frieden zu schließen.Peter blieb dadurch im Besitz von Livland, Esthland, Jngermanlaud,Kexholm und Wiborgs Län; Preüßen erhielt Stettin, Vorpommern bisan die Pene und die Inseln Usedom und Wollin. Friedrich war nurRepräsentant der königl. Würde und war nicht im Stande, den Adelw Schranken zu halten. Auf dem Reichstage 1723 entstand ein großerStreit zwischen dem Adel- und Bürgerstande, in Folge dessen die G Lederdes Adels, deren Haupt GrafGyllenborg war, sich Hüte, und die Bür-ger, an deren Spitze Graf Horn stand, sich Mützen nannten. Ersterevartei siegte über letztere. Die Hüte waren für den Krieg, die Mützenlur den Frieden. Das Resultat dieser Spaltung war, daß i. I. 1741kni Krieg mit Rußland veranlaßt wurde, der jedoch für Schweden so'"glücklich ausfiel, daß die Dalekarlier einen Aufstand erregten und^"genöthigt war, 1743 einen Frieden mit Rußland zu schließen. DieNnkLtt "" Löwenhaupt und Buddenbrok, denen man die verschiedenend-ä »wurden znm Tode verurtheilt. Gleich beim AusbruchNic.. /ges war die Königin Ulrike Eleonore gestorben, und da der^rne Nachkommen hatte, so ward, weil der Herzog Peter vonttorp zum Kronerben Rußlands eingesetzt war, der Herzog von Hol?Berghm,», Bd. V. ' 42