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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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942
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N42

Eüropä'sches Stäatensystem.

lesen noch schreiben. In wissenschaftlicher Hinsicht stehen demnach dieBewohner Italiens gegen mehrere andere Völker sehr zurück, wenngleich einzelne Männer in manchen Zweigen der Wissenschaften Ansge-zeichnetes geleistet haben. Das höhere Studium wird auf den Univer-sitäten betrieben. Diese sind im Königreich Neapel und Sicilien: Nea-pel, Salerno, Altamura und Palermo; im Königreich Sardinien: Turinund Genua; im Kirchenstaat: Rom, Bologna, Ferrara, Camerino, Ma-cerata, Fermv und Perugia; im Grvßherzogthum Toscana: Siena undPisa; im Herzogthum Modena: Modena; und im Herzogthum Lucca:Lucca.

Das Fortschreiten deS gelehrten Standes findet eine Stütze in denöffentlichen Bibliotheken, von denen die bedeütendsten in Nvm, Neapel,Turin, Genua, Florenz, Siena, Pisa, Parma, Piacenza, Modena undReggio sind. Außerdem wird die Gelehrsamkeit durch Gesellschaften undVereine gepflegt.

Die schönen Künste, besonders die Malerei, Bildhauerei und Bau-kunst erfreuen sich einer großen Pflege. Pfleger des Kunstgeschmackssind die öffentlichen Museen, die zahlreichen Gemälde-Sammlungen undAntiken-Kabinette, und die Malerei, Bildhauerei und Baukunst hat diegrößten Meister auszuweisen.

Der italienische Buchhandel ist nur mit Ausnahme weniger Städtevon Belang; doch hat sich die Buchdruckerkunst bedeütend verbessert. Dieperiodische Presse dagegen ist ziemlich beschränkt.

In der Ausbildung ihrer Sprache sind die Italiener nicht zurück-geblieben und die Literatur ist sehr fleißig angebaut worden. In derPoesie sind die Namen eines Dante, Petrarca, Tasso, Ariosto, Akga-rotti, Pukciano, Berni, Pignvtti, Guarini, Manzoni u. a. unsterblichgeworden. Im Fache der Novelle nennen wir: Boccacio, der in neüererZeit viele Federn in Bewegung gesetzt hat; im Fache des Romans: Ber-tolvtti, Verri, Manzoni, Bazzvni, Azeglio, Cantü; im Fache der Ge-schichte: Macchiavelli, Guittiardini, Muratori, Denina, Davila, Sarpi,Botta; im Fache der Philosophie: Bruno, Beccaria, Muratori, Tira-boschi, Melchiorre Gioja, Galuppi und viele andere. Als Dramatikerverdient: Metaftasio, als Lustspieldichter: Macchiavelli, Goldoni, Fede-rici, Nota, als Trauerspieldichter: Maffei, Alfieri, Gozzi, Manzoni undPeUico genannt zu werden.

7. Blicke auf die politische Geschichte Italiens.

RvmuluS hieß der Erbauer der weltbeherrschenden Stadt RoiN'Augustus gründete darin die Universalmonarchie, und Romulus AugU-stulus hieß ihr letzter ohnmächtiger Kaiser, dem seine deutsche Leibwachedas fernere Herrschen untersagte; Odoaker, ihr Hauptmann, der sich a»seine Stelle setzte, nannte sich König von Italien. Dietrich, König derOstgothen, warf 4SS das Reich Odoaker's um und gewann ganz Italiensich zum Königreiche. Des Belisar Kriegskunst aber brachte Italienwieder unter die Herrschaft des oström. Kaiserreichs nach dem Jahre SS»«Es wurde von einem Statthalter (Exarch) regiert. Der erste Exarch,der Feldherr Narses, ein Eunuch, ward durch die Ränke des byzantini-schen Hofes verdrängt und sein Nachfolger versaümte den Schutz derAlpenpäffe. Da fielen die Longvbarden in'S Land und eroberten unterKönig Alboin die nach ihnen genannte Lombardei. Die geringe Abhän-gigkeit von dem Hofe zu Byzanz verschwand fast ganz. Die PLbste, »»