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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Eürvxüisches Staatensystem.

dem zwischen der päpstlichen und kaiserlichen Macht bestehenden Kampfetheilten sich jetzt fast alle Städte Italiens in die Partei der Gneisen(Anhänger des Pabstes) und der Gibellinen (Anhänger des Kaisers).Jnnocenz IV. setzte auf dem Concilium zu Lyon (1245) Friedrich ab.Dies schwächte gänzlich die Gibellinenpartei, welche durch die Ränkeder Bettelorden schon sehr untergraben war. Seit Karl I. von Anjou,durch des Pabstes Gunst König von Neapel, Senator von Nom, päpst-licher Vicarius in Toscana, auf Italiens Königskrone seinen Ehrgeizrichtete, bekamen die Namen der Gneisen und Gibellinen eine neue Be-deutung. Jener bezeichnete die Freunde, dieser die Feinde der Franzo-sen. Zu diesen Parteien kamen in den Republiken noch die des Adelsund des Volks, von denen fast überall die des letzten: siegte. Hein-rich VlI., der erste Kaiser, der nach 6V Jahren wieder (1310) in Ita-lien erschien, führte die vertriebenen Fürsten in ihre Städte zurückund fand bei seinen Forderungen: Friede unter den Parteien undHuldigung dem Reiche, überall Gehorsam. Ludwig der Baier, der nachItalien kam (1327), die Anjou und die Guelfen zu unterdrücken, harreselbst zu thun mit den Gibellinen. In dem von Aristokraten zerrissenenRom suchte Cola Rienzi (1347) Ordnung und Ruhe einzuführen. UMdiese Zeit litt Italien durch eine entsetzliche Hungersnoth und eine nochgräßlichere Pest, welche zwei Drittheile der Bevölkerung hinraffte. Nichtweniger furchtbar war die Geißel der Söldnerbanden, die nach jedemFrieden den Krieg auf eigene Hand fortsetzten und überall plündertenund brandschatzten (Graf Werner; Ritter Montreal). Johann Visconti»Erzbischof und Herr zu Mailand, und seine Nachfolger wurden in ihrengefährlichen Anschlägen zur Ausbreitung ihrer Herrschaft nicht durchKarls IV. Durchzüge durch Italien, nicht durch die Bemühungen unzäh-liger päpstlicher Legaten so wirksam gestört als durch der Republiken,bssonders der Florentiner, Weisheit und Unerschrockenheit. Dem FranzSsorza gelang es, nach dem Aussterben der Visconti (1447), sich zuMHerrn des mailändischen Staats zu machen. In Florenz erhob sich »Mdiese Zeit durch Reichthum und Klugheit das Haus Medici. 1494eroberte Karl VlII. von Frankreich Neapel, mußte aber dieses und ganzItalien bald wieder raümen; auch sein Nachfolger, Ludwig XII., wurdevon Ferdinand dem Katholischen aus dem mit ihm eroberten Neapelverdrängt (1504). Der kriegerische Pabst Julius II. vollendete die vollihm begonnene Unterwerfung des Kirchenstaats für den heiligen Stuhl-Er schloß mit Maximilian I., Ferdinand dem Katholischen und Lud-wig XII. die Ligue von Cambray 1508 gegen die Vergrößerungsabsicht^der Venetianer. Sodann verbanden sie sich nach Trennung diesesdes mit eben diesen Venetianern, Spaniern und den Schweizern zu Be-treibung der Franzosen aus Italien; diese heilige Ligue (1509) erreia"aber damals ihren Zweck noch nicht, so wenig auch Julinö durchfranzöstsch-deütsche Concilium zu Pisa, das ihn absetzen wollte, sichcken ließ. Kaiser Karl V. schlug 1525 bei Pavia Franz 1-, der Anspruwauf Mailand machte. Mit dieser Schlacht beügte sich ganz Italien M -ter Karl V. Die Seele der italienischen Politik war damals F^e>Genua, seit 14SS den Franzosen unterworfen, fand in Andreas Dor(1528) seinen Befreier. Er begründete die Aristokratie, und derschwörung Fiesco'ö (1547) gelang es nicht, ihn zu stürzen. Karlüberließ schon 1553, außer Mailand, auch Neapel seinem Sohne V».kipp II- Im Frieden zu Chateau-Cambresis (1559) entsagten Philipp''