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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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949
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Das. Königreich Neapel und Sicilien.

V4S

Auf der Insel Sicilien erhebt sich, wie der Vesuv, abgesondert vonden übrigen Bergkämmen, der Vulkan Ätna oder Monte Gidello. Erist ein abgeschnittener Kegel, und besteht aus angehäufter Lava, ausSchlacken und Asche. Merkwürdig auf diesem Berge ist der unter demNamen Castagno di centv cavalli bekannte groß« Kastanienbaum, derals Gruppe fünf großer Baüme erscheint, von denen jedoch nur einernoch gesund und ganz mit Rinde überzogen ist. Südlich vom Ätna dehntsich die fruchtbare Ebene von Catania aus. Die höchsten Spitzen desnördlichen Bergkamms haben wir bereits weiter oben genannt. Dersüdliche Bergkamm spaltet sich beim Monte Laura und laüft theils süd-lich mit dem Vorgebirge Passaro in's Meer aus, theils in westlicherRichtung nach Caltanisetta und Girgenti hin.

Der Boden verräth fast überall vulkanische Natur, wie die feüer-speienden Berge, ausgebrannten Vulkane, rauchende Berge, die heißenSchwefelgegenden, heißen Quellen, häufigen Erdbeben u. dgl. m. beweisen.

Die Flüsse sind nur unbedeütende Küstenflüsse, die einen sehr star-ken Fall haben und zum Theil in heißen Sommern versiegen. Bemer-kenswertb sind:

1) Der Liris oder Garigliano, der in den Abruzzen am Fußedes Camicciola entspringt, einige Meilen schiffbar ist und in den Busenvon Gaeta sich ergießt.

2) Der Volturno. Sein späterer Lauf besteht aus dem eigentli-chen Volturno und Calvre. Ersterer entspringt auf dem Apennin derTerra di Lavoro, laüft von N. gegen S. und hat viele Zuflüsse. DerCalore entspringt in der Provinz Principato ulteriore, fließt von S.nach N. und wendet sich gegen W. Beide Flüsse fließen unter demNamen Volturno, in der Richtung von S.W. an Capua vorbcischleichend,30 Meilen nach ihrem Zusammenfluß in das Meer. Sein Gebiet istdas ausgedehnteste unter allen, sehr fruchtbar und bevölkert.

3) Der Sele erhält sein Wasser von einer ausgedehnten, zumgrößer» Theil in der Provinz Principato citeriore und zum kleinernTheil in Vasilicata gelegenen Gebirgskette und mündet in den Busenvon Salerno.

Die Flüsse in Sicllien sind viel kürzer als die des Festlandes undnicht schiffbar. Kanäle bestehen blos zur Abführung des Wassers,und bemerkenswerth sind die Negj Laguni, die in der Nähe von Nolabeginnen, in einer Länge von 3« Miglien den angenehmsten und frucht-barsten Theil der Campagna felice durchschneiden und sich bis in's Meererstrecken, wo sie sich beinahe in der Mitte zwischen dem Lago di PatriaUnd der Mündung des Volturno entleeren. Sie haben die Bestimmung,Mehr als 60,»00 Moggia Felder in ihrer Fruchtbarkeit zu erhalten.

An Landseen ist kein Mangel, doch ihr Umfang bis auf den Celano»der Lago Fucino, auch Lago di Avezzano oder Capistrano genannt,unbedeütend. Dieser See, der, ohne irgend eine Ausmündung zu haben,me Regen- und Schneewasser einer Gebirgsgegend von mehr als 40»D-Migiien sammelt, ist längeren Perioden des Steigens und FallenSunterworfen und hat einen Umfang von 12 geograph. Q.M.

Klima.

Dieses ist warm, und Agrumen, so wie selbst Gewächse des heißen^dHurtels kommen im Freien fort. Der Wärmemesser fällt selten untertau, so daß Schnee und Eis nur auf den höchsten Bergspitzen gefunden