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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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950
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Eüropäisches Staatenspstem.

werden. Die Winterzeit, die fast ausschließlich von Gewittern begleitetist, fällt in die Regenmvnate November, December und Januar. Starkfallender Schnee ist selten. In Sicilien sind die Wintermonate nochmilder, nur im März wehen mitunter kalte Winde, die von starkemRegen und Hagelschauer begleitet sind. Die größte Hitze herrscht imJuli und August, besonders wann der Scirocco auf den Wüsten Afri-ka's herüberweht, oder der volle Südwind oder Südwestwind geht. Diemittlere Temperatur des Jahres zu Neapel beträgt -j- 16,«° R., zu Pa-lermo st- I7° R.

Physische Kultur.

Von den Zweigen der physischen Kultur ist kein einziger in blühen-dem Zustande, ungeachtet das Land durch Boden, Klima u. dgl. m.außerordentlich begünstigt ist. Viel treffliches Land liegt noch unknltivirtda, und viele Sümpfe würden, wenn man sie austrocknete, ebenfallsrecht gut .angebaut werden können. Im Flußgebiete des Voltnrno be-finden sich gegen 450,oov Moggia Landes, welche wegen der verpestetenLuft blos nicht bebaut werden können, und doch des ergiebigsten An-baues fähig werden. Davon kommen etwa 2»v,vüv auf das obere

Flußgebiet bis zu dem Engpaß beim Monte Tifata, und die andern250,ago Moggia liegen von der Umgegend bei Cumä bis zur Rocca diMondragvne. Von Getreide baut man hauptsächlich Weizen, Mais,Gerste, Hafer und Reis an, doch ist der Anbau des letzter» auf diewasserreichen Gegenden der Provinzen Calabrien, der Abruzzen und Prin-cipato citeriore beschränkt. Hülsenfrüchte gewinnt man hauptsächlich inApulien. In Sicilien baut man trefflichen Weizen und verhältnißmäßigviel Gerste und Hülsenfrüchte. In den fruchtbarsten Bezirken der Terradi Lavoro, Ealabriens und der Terra di Bari ist die Ernte in den ge-wöhnlichen Getreidearten zehn- bis zwanzigfältig und in den Hülsen-

früchten vierzig- bis sechszigfältig.

Der Anbau von Gemüsen ist nicht minder als der Anbau von Ge-treide vernachlässigt und reicht für die Bedürfnisse nicht hin; namentlich,ist der Kartoffelbau noch sehr wenig betrieben. Flachs und Hanf wurdenfrüher reichlicher gebaut als jetzt und in bedeütender Quantität ausge-führt. Die Baumwollenstaude gedeiht hauptsächlich in der Ebene vonCatania, und die jährliche Produktion derselben betrug in den letztenJahren auf der Insel gegen 68VV0 Cantari, die in der Hauptmassenach Neapel und England abgeht. Die Baumwolle von Altavista undBiancavista wird ebenso wie die kurze Baumwolle von Lousiana geschätzt'Auch in Neapel wird der Anbau der Baumwollenstaude betrieben, undsie liefert den neapolitanischen Manufakturen jährlich im Durchschluggegen 20,oov Ballen, nebst einer geringen Ausfuhr nach andern StaatenItaliens und England. Die auf Sicilien und in mehrern GegendenNeapels wildwachsende vegetabilische Seide hat in neüerer Zeit die all-gemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und verspricht ein Gegenstandder Ausfuhr zu werden. Bon Färbestoffen gewann man früher vierSafran, besonders in Calabrien und den Abruzzen, doch hat die Aus-fuhr desselben abgenommen; auf Sicilien dagegen beschäftigt man UMjetzt sehr eifrig gewerbsartig mit diesem Produkt. Krapp gewinnt main größerer Masse in der Terra di Lavoro, und im Jahre 1833 wuraus dem Hafen von Neapel für 50,0vü Ducati nach Frankreich ausg -