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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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975
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Das Königreich Sardinien.

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Die Bevölkerung des Königreichs Sardinien betrug im Jahre1823 4,138.804 Seelen, davon kommen auf das Festland 3,676,828 undauf I Q M. 3V3K Individuen. Im Jahre 1842 berechnete man dieVolksmenge auf 4,658,368 Seelen. Die Koncentrativnspunkte der Be-völkerung sind Turin, Genua, Alessandria, Nizza, Asti, Cvni und Sa-vigliano.

Dem Stamme nach sind die Inwohner Sardiniens ein Gemisch vonGalliern, Römern, Gothen, Longobarden und Franzosen, werden aberItaliener genannt. Am eigenthümlichsten hat sich der Bewohner derAlpen, der Savoyarde, in dem Charakter der alten Gallier erhalten,indem er an dieselben durch Sitten, Charakter und Sprache erinnert.Der Piemontese mahnt an die Longobarden, doch ist in ihm das fran-zösische Element vorherrschend. Die Waldenser sind bis aus sehr wenigeganz desselben Ursprungs. Die Küstenbewohner von Nizza bis Genuahaben gleichen Ursprung mit den Piemontesen, aber sowohl in ihrenSitten als in ihrer Sprache einen eigenthümlichen Charakter angenom-men. Die Garden, welche die Insel Sardinien bewohnen, sind aus derVermischung verschiedener Völker, wie der Griechen, Araber und Spa-tster hervorgegangen, was sich unverkennbar aus ihrer Sprache ergibt.

Die Juden werden auf der Meeresküste des Festlandes und inPiemont geduldet, dürfen sich in Savoyen und auf Sardinien nicht festansiedeln, sind am zahlreichsten zu Turin. Casale, Alessandria, Aqui,Vercelli lind Genua und zählten im Jahre 1834 6774 Individuen.

Die Stände-Verschiedenheit anlangend, so gibt es Adelige,Geistliche, Bürgerliche und Bauern. Erstere sind sehr zahlreich und inGenua und auf der Insel Sardinien noch bedeutend begütert. Die Geist-lichen besitzen besondere politische Rechte hinsichtlich ihrer Verhältnissezur Landesverfassung, sind aber im übrigen in liegenden Gründen nichtreichlich dvtirt. Der Bürger ist in den Provinzen des Festlandes vondem Bauer nicht verschieden; auf der Insel Sardinien dagegen ist derBauer sehr schlecht gestellt und besitzt nirgends Eigenthum.

Die herrschende Religion ist die römisch-katholische; doch gibtes auch einige Waldenser (in den piemontesischen Thälern Luserna,Pervsa oder Perugia und S. Martin», in der Nähe von Pignerolo,und sie beliefen sich im Jahre I83S auf 28,523 Seelen) und, wie wirbereits gesehen, auf einige Tausend Juden. Die römisch-katholischeKirche hat auf dem Festlande 4 Erzbisthümer (zu Chambery, Vercelli,Turin und Genua) und auf der Insel Sardinien 3 (zu Cagliari, Sas-sari und Oristano), 24 bischöfliche Diöcesen auf dem Festlands, 8 aufder Insel, und außerdem 74 Kollegiatkirchen auf dem Festlande. Aufder Insel Sardinien hat jeder bischöfliche Diöcesansprengel nur eine Ka-thedralkirche. Geistliche Seminare gibt es 63, davon 54 auf dem Fest-lande, 9 auf der Insel Sardinien, und eine geistliche Akademie bei derStiftskirche zu Snperga in der Nähe von Turin. Regulirte AbteienZählt man 13, Mönchsklöster 334 und Nonnenklöster 95; von beiden letz-tern befinden sich 243 Mönchs- und Nonnenklöster auf dem FestlandeUnd 93 Mönchs- und Nonnenklöster auf der Insel Sardinien.

. Die Waldenser sind im Ganzen sehr beengt worden und ihr Zustandm sehr drückend. Von andern christlichen Religivns-Parteien leben einigeBekeirner der griechisch-katholischen Kirche zu Genua.

Die Juden stehen unter 7 Ober-Rabbinern und besitzen Synagogen»u Turin, Vercelli, Savigliano, Alessandria, Casale, Aqui, Genua,