Buch 
5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
1032
JPEG-Download
 

1032 Eüropäischrs Staatensystem.

ftädten, und Türken ebenfalls nur wenige, obwohl sie ungehindert imLande bleiben können.

Die Sprache der jetzigen Griechen hat sich nur wenig von derSprache der klassischen Zeit entfernt, und der Unterschied ist nicht sogroß, als zwischen der lateinischen und griechischen Sprache. Sie um-schreibt den Dativ mit ki§, hat keinen Dualis,- setzt nach den Präposi-tionen meistens den Accusativ, hat nicht so viel Berbalformen wie daöAltgriechische, ist wohllautend, deutlich, reich an Worten, eignet sich zuZusammensetzungen, ist aber mitunter viel mit türkischen, dann mit ein-zelnen slawischen und albanesischen Wörtern vermischt. Den 8piritu8ÄSpkr spricht der Neügrieche nicht aus, lautet wie w und das deütscheb wird durch gir ausgedrückt; vr lautet wie d, r? wie dsch, wie zoder tz, «i wie ä, o«, r-., vc und i- wie i, v vor allen Vokalen wie w,S wie dh, 7 wie gh, L wie ein weiches, a wie ein scharfes s. DieSprache hat einen bedeutenden Grad von Ausbildung erhalten.

Außer der neügriechischen Sprache wird auch albanesisch, lakonischoder tzakvnisch, viel italienisch und französisch gesprochen.

Die Griechen sind schön von Gestalt und Körperbau, von der Na-tur reich begabt, gewandt, rief empfindend, witzig, munter, ruhmbe-gierig, religiös, abergläubisch, gastfrei, thätig, geschickt zu Handwerken,tapfer, geschickte Seeleute und lieben als ein kindliches Volk Vergnü-gungen, Feste, Musik und Tanz mir Leidenschaftlichkeit., Allein man be-schuldigt sie der Leichtfertigkeit, Verschmitztheit und Heüchelei. Aller-dings haben sie manchen Fehler, allein man muß auch bedenken, wielange dieses Volk unter dem Joche der Knechtschaft seüszte und einenUnterschied zwischen den in patriarchalischer Entfernung von der Weltlebenden Griechen und denen machen, die eüropäische Bildung genossen.Art und Grad der Bildung in Griechenland sind ungemein verschiedenund es brause» die heterogensten Elemente durcheinander.

Stände und allgemeine Rechtsverhältnisse.

In Griechenland gibt es keinen solchen Adel wie in Deütschland,der eine geschlossene Kaste bildet und es existirt eigentlich nur ein Bür-ger- und ein Bauerstand. Alle Griechen haben gleiche Rechte und gleichePflichten.

Religions-Derschiedenheit und allgemeine kirchliche Verhältnisse.

Die herrschende Religion ist die griechisch-orthodoxe, doch werdenauch andere Konfessionen geduldet. Die griechisch-orthodoxe Kirche stehtunter zehn Bischöfen, welche letztere von den Klostergeistlichen erwähltwerden. Die Weltgeistlichen sind Vorleser, Sänger, Hypvdiakonen, Dia-konen, Priester oder Popen, Protopopen oder Erzpriester. An der Spitzeder Mönchsklöster stehen Archimandriten, Abt oder Hegumen genannt;die Mönche heißen Kaloger. An der Spitze der Frauenklöster stehenAebtissinnen. Mönchsklöster gibt es jetzt 82, Nonnenklöster 3. JedesFrauenklöster, an dessen Spitze ein Klosterkonomos steht, soll aus we-nigstens 3V Nonnen bestehen, sind deren weniger, so wird das Klosteraufgehoben. Die Mönche gehören dem Orden des Äasilius, Elias oderMarcell an, folgen derselben Ordensregel und tragen dasselbe Ordens-kleid. Übrigens befinden sich die Geistlichen noch im Besitz eines bedeu-tenden Grundvermögens. Die römisch-katholische Kirche zählt drei Bis-thümer in Griechenland, zu Syra, Santorin und Tinos, nebst dem Erz»