No. (45 c .) LIII b . Uebersicht der neuern Er-forschungen in Mittel-Africa, entw. vonH. Berghaus.
Wir lassen den Herrn Verf. selbst darüber sprechen:
Dieses Blatt will es versuchen, den Zustand der geogra-phischen Kenntnisse zu zeigen, welche wir von den räumli-chen Verhältnissen der Aequinoctial-Länder von Africa vor-zugsweise seit dem Jahre 1794 bis auf die gegenwärtige Zeiterlangt haben. Um die Linien übersichtlicher zu machen, aufdenen die kühnen (ihren wissenschaftlichen Eifer und ihrenMuth in so vielen Fällen mit dem Tode opfernden) Männerzogen, deren Ausdauer diese Kenntnifs zu verdanken ist, hatmau die wichtigsten Reiserouten selbst angegeben und durcheinen Farbenton hervorgehoben. Zur nähern Erläuterung derReisenden und der Wege, welche sie einschlugen, ist ein kro-nologiscli und geographisch geordnetes Yerzeichnirs noch be-sonders beigefügt. Seitdem der Lauf und die Mündung desQuorra - Niger gefunden, und die Hypothese unsers Reicharddadurch auf’s Glänzendste bestätigt worden, ist Africa nichtmehr der „verschlossene Erdtheil; ” er wird völlig geöffnetwerden, wenn erst der — tiank sei es Gott, — schmale Saumdes Littorals gereinigt worden von den Kaufherren und Mak-lern, die ihre eigene Species als Waare verhandeln; auch R.Lander fiel als ihr Opfer. Ist erst diese moralische Barrierebeseitigt, dann wird auch die physische Schranke minder un-übersteiglich seyn; der christliche Kaufmann und der wissen-schaftliche Reisende werden auf dem großen Strome und sei-nen Zweigen eben so in’s Innere von Africa schiffen, wie seitJahrhunderten auf dem Amazonen- und Plata-Strom in’s Bin-nenland von Süd-America,
Diese Zeit liegt vielleicht nicht mehr fern von der unsri-gen; dann wird die gegenwärtige Darstellung der räumlichenVerhältnisse Inner-Africa’s eine gröfsere Ausführlichkeit ge-winnen ; die vielen Lücken, die sich noch zeigen, werden aus-gefüllt werden; obwohl der Gewinn, der seit den letzten zehnJahren gemacht worden, ein nicht unbedeutender ist; dennwir sehen auf der grofsen Fläche zwischen dem obern Djoliba(Mungo Park ) und Darfur (Browne) , auf der im Jahre 1824nur vage Positionen erscheinen konnten, jetzt bestimmte Tliat-sachen angegeben.
Auch Douville's Reiselinien hat man geglaubt in der vor-liegenden Karte aufnehmen zu müssen, obwohl sich gegen dieAuthenticität dieser Reise Bedenken- erhoben haben (siehe u. a.:meine Annalen, the Foreign Quarterly Review, le Temps), dieHr. Douville seiner Seits zu entkräften bemüht gewesen ist(vergl. u. a.: meine Annalen, November-Heft 1834).
Es darf nicht unbemerkt bleiben, dafs die vorliegendeKarte nicht allein in der Zeichnung ganz, sondern auch imStich gröfstentheils vollendet war, lange zuvor, ehe mir derBericht über der Brüder Lander Beise nach Ja-uri und aufdem Quorra bekannt wurde. Die schöne Karte, welche Lieut.Beicher dazu geliefert hat, weicht, auf dem Wege von Ba-dagry nach ßussa, hin und wieder etwas ab von der Karte zuKapt. Clapperton’s zweiter Reise, ohne dafs diese Abweichun-gen durchweg gerechtfertigt zu seyn scheinen. Bis eine kriti-sche Untersuchung vorgenommen werden kann, bin ich beiClappertori’s Karte stehen geblieben.
Dem aufmerksamen Betrachter der Karte wird es nichtentgehen, dafs Lage und Form der Küstenlinie hier in vielerBeziehung anders erscheinen, als auf früheren Darstellungen.Die trefflichen Vermessungen, welche seit den letzten zehnbis fünfzehn Jahren , durch britische Seefahrer (man darf nuran den Namen Owen erinnern), auch durch französische, ausge-führt worden sind, waren Führer bei diesen Veränderungen. Esmöge erlaubt seyn, als Beispiel die Lage der Insel Fernäo doPo anzuführen, die hier in der absoluten sowohl als relativenLage gegen die benachbarte Küste des Kontinents eine nichtunbedeutende Verschiedenheit (u. a. gegen meine Karte von1824) darbietet; man vergleiche ferner die Küste von Sierra- Leone und die Windward-Küste (wie die britischen Seefahrerdie Pfeffer [Körner] u, s.w. Küste nennen), obwohl beider letz-
tem die neuerdings von der britischen Admiralität abgefertigleExpedition noch manche Correctionen zu machen haben dürfte.
Was die Cartons anbelangt, so ist der erste, vom Lande Walo,aus Jomard’s schöner Karte entlehnt, der zweite aus einem Plaue,den Warden im Bull, de laSoc.de Gfogr. bekannt gemacht bat. Die-ser Cartou von der freien Negerkolonie Liberia wird eine nichtunwillkommene Zugabe seyn, denn diese americanische Stationverspricht, — mehr als Sierra-Leone , die britische Station,es im Stande gewesen ist, — eine sehr ergiebige Pflanzschulezu werden, von der aus allgemeine Gesittung, an der Handder göttlichen Lehren unseres Heilands, unter die Heidenvöl-ker Africa’s getragen werden kann. (Diese beiden Cartons sind,der Kürze wegen, vom Herausgeber des Hand-Atlas reduzirtworden.)
1. Reisen von Senegambieu und Sierra-Leone aus.
1794. Watt und Winterbotton; vom Rio Nunez nach Labbeund Timbo, in Futa Diallon, zurück nachder Mündung des Kissey.
179B, 97. M. Park’s Erste Reise von Kayaye am Gambia überKemmu und Benown nach Scgo , am Djoli-ba aufwärts über Bamaku, Kumikumi undFankia zurück nach dem Gambia .
1805. M. Park's Zweite Reise von Kayaye auf der vorigenRoute bis Fankia; dann über FadjemiaundBangazi nachBammaku, wo er sich auf demDjoliba eiuschilft und bei Boussa verun-glückt.
1817. Campbell , Dochard , Kummer , S tokoe reisen von Kakon-
dy nach Labbe und Timbo. Oampbcll undKummer sterben nach der Rückkehr, dieauf demselben Wege erfolgt.
1818 — 1821. Gray , Dochard u. a. reisen von Kayaye am Gam bia nach Bulibany in Bondu, Bakel am Se negal und Kiridju in Kaarta.
1818. Dochard ’s alleinige Reise von Bondu über Bangazi nach
Sego, am Djoliba, und zurück nach Kiri-dju in Kaarta,
1818. Mollien; von St. Louis nach Labbe in Futa Diallon, undzurück nach Geba.
1821. 0'Reime; von Porto Logo nach Timbo; (von dieser Rei-
se ist wenig bekannt geworden).
1822. haing’s Reise von Sierra Leone nach Sulimana, undJacfc
le Bore’s Reise, eben dahin und nach Timbo.1821, 25. Beaufort; von St. Louis nach Medina, Rakel undElimane in Kaarta.
1825. Duranton; von St. Louis über Kalor und Makana eben-falls nach Elimane.
1827, 28. CaiUie’s Reise von Kacondy nach Time, dann nach
dem Djoliba, wo er sich nach Timbuctneinscbiirt (dessen Lage nach seinem Itinerareingetragen ist), und durch die Sahara nach’Fez mfl Tanger -geht. ,w '*'
IT. Reisen von Norden her.
1792 — 1798, Browne erreicht von Aegypten aus Cobbe in Dar fur und lebt mehrere Jahre daselbst.
1822 —1824. Oudney , Denham und Clapperton’s Expeditionin’s Herz von Africa ; Entdeckung des Tschad -See’s. Oudney stirbt in Bornu; Denhamdringt bis Mandara, Loggun und zum Ost ende desTschad-See’s vor; Clapperton bisSackatu.
1828. Laing erreicht Timbuctu von Tripolis aus, und wird auf
seiner Weiterreise nach Sego u. s. w. er-schlagen.