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Atlas der Tierverbreitung : 9 kolorierte Karten in Kupferstich mit 45 Darstellungen / bearbeitet von William Marshall, a.o. Professor an der Universität in Leipzig
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Australien und neuerdings auch nach Kalifornien eingeführt. In Italien konnte es nicht eingebürgert werden, wohl aber in den SteppenAustraliens ; wie es sich mit denen Kaliforniens zur Zeit verhält, konnteich nicht in Erfahrung bringen.

Zwei andre Kulturtiere aus der Familie der Kamele, Llama undAlpaka, wurden in den Kordilleren von Südamerika , ungefähr vom 3°N. Br. bis zum 41° S. Br., schon vor Ankunft der Europäer ge-züchtet. Hohlhörnige Wiederkäuer sind vielfach domestiziert worden,scheinen aber als Haustiere alle ihren Ursprung in Asien zu haben.Das gewöhnliche Bind, das Schaf und die Ziege sind zentralasiatischund gegenwärtig fast ganz kosmopolitisch; unmöglich ist es indessennicht, dafs die ersten Viehzucht treibenden Einwandrer in Europa einhier vorhandenes wildes Bind zähmten, und dafs wir es bei manchenKassen mit wenigstens verbastardierten Nachkömmlingen desselben zuthun haben. Rinder sind nur in Amerika verwildert, und zwar inden Prärien, den Grasgefilden von Colombia und Venezuela , in denLa Plata -Ländern und auf den Falklandsinseln, auch auf den Ladronensollen Rinder verwildert Vorkommen, doch weifs ich nicht welcher Art.Ziegen sind auf den stark gebirgigen, wenig besuchten Inseln desAtlantischen Meeres bis nach den Falklandsinseln hinunter seit langerZeit verwildert. Das Zeburind ist äthiopisch-orientalisch, der Kerbaugehört der orientalischen Inselwelt an, und zwischen beider Verbreitungs-kreis schiebt sich nördlich der Büffel ein, von Italien und Ungarn bisÄgypten und Vorderindien reichend. Das Bentier ist, wie der thibe-tanische Yak, mehr ein gezähmtes Tier als ein eigentliches Haustier,und findet sich als solches in den arktischen Strichen der Alten undder Neuen Welt zerstreut.

Das Kaninchen stammt aus Südwesteuropa , wo es sich nochwirklich wild findet, sonst ist es in der westlich - gemäfsigten palä-arktischen Region vielfach verwildert, ebenso auf einigen westindischenund den Falklandsinseln.

Dem Meerschweinchen, vielfach zerstreut als Haustier gehalten,ist als zu imwichtig auf der Karte keine Rechnung getragen.

Es entstammen den verschiedenen geographischen Regionen folgendeHaussäugetiere: der australischen und neoarktischen keins (letzterervielleicht ein ursprünglicher Hund?), der neotropischen Alpaka, Llamaund Meerschweinchen (Hund?), der äthiopischen die Katze, der westlich-paläarktischen das Kaninchen, der arktisch-zirkumpolaren das Rentier,und aus Asien (östlich-paläarktisch und orientalisch) stammten: Hund,Pferd, Esel, Schwein, Kamel, Ziege, Schaf und die Rinder.

H. Binnenwürmer der Menschen. Auch dieses Kärtchen ist nichtsmehr als eine vorläufige Skizze. Unsere Kenntnis von der Verbreitungist seit dem Entwurf des Kärtchens schon eine vielfach andre geworden;z. B. wissen wir gegenwärtig, dafs der breite Bandwurm im ganzen euro­ päischen Rufsland und in Japan vorkommt, dafs Dochmius duodenalis bissn den untern Lauf des Rheines vorgedrungen ist &c. Auch neue Para-aiten wurden aufgefunden: in OstasienDistomum spathulatum und pul-monale, in Brasilien und Westindien Filaria loa. Auf der Karte fälltsofort auf, dafs Länder alter (Indien , China , Japan , Ägypten ) und neuerKultur am stärksten mit Binnenwürmern belastet sind. Dies hat ver-schiedene Ursachen: einmal finden sich hier die meisten Haustiere, und

sind ihre Beziehungen als Nahrungsmittel zum Menschen die ältesten;hier ist weiter die Bevölkerung am dichtesten, Verunreinigung vonTrinkwasser &c. am häufigsten, und endlich sind diese Gegenden aufdie Schmarotzer des Menschen hin am genauesten durchforscht.

III. Die Profilkärtchen sollen ein ungefähres Bild der Verbreitungcharakteristischer Tierformen nach dem Breitengrade, zugleich aberund namentlich nach der Höhe in den einzelnen Erdteilen geben, auchenthalten sie Profile des Bodens benachbarter Meere mit der ein-getragenen Angabe des Vorkommens wichtiger Bewohner.

Auf dem ersten yröfsern Kärtchen werden die Länder von einervielfach geknickten Linie in folgender Reihenfolge durchschnitten: Neu­ seeland , Australien , Java, Sumatra , Ceylon , Vorderindien und derHimalaya in seiner ganzen Breite. Das Profil des Meeresbodens istin folgender Richtung gedacht: von den Macquarrie-Inseln rein nördlichdurch die Thomsontiefe bis Neuseeland , dann gerade nordwestlichdurch die Meerestiefe bis ungefähr zu den Palauinseln, dann reinnördlich bis an das Südgestade der japanischen Insel Sikok , und endlichnordöstlich durch die Tuscaroratiefe. Das Beikärtchen rechts zeigtden Kasbek und Elbrus im Kaukasus mit dem Vorkommen wichtiger,gemeinsamer, auf den südlichen oder nördlichen Abhang des Gebirgesbeschränkter Tierformen und andrer (nach Radde).

Die zweite gröfsere Karte liefert ein Profil von ganz Afrika vomKap bis zum Mittelmeer in der östlichen Hälfte, aber vom 22° N. Br.an ist der westlich gelegene Atlas mit eingezeichnet, und Mada­ gaskar nebst den Seychellen ist vorgelagert. Das Meeresprofil fängt anbei der Heardinsel, geht über Kerguelenland, weiter an Madagaskar vorbei, entlang der Ostküste Afrikas , wendet sich dann nordwestlichdurch das seichte Rote Meer und erreicht den bedeutend tiefem Süd-teil des Mittelmeeres. Das Beikärtchen gibt ein Bild der Verbreitungs-verhältnisse charakteristischer Tierformen in den wichtigem, euro-päischen Gebirgen: den Schweizer Alpen (nach v. Tschudi), Karpaten ,dem Riesengebirge und den norwegischen Alpen.

Die letzte grofse Karte enthält ein ideelles Profil von ganz Amerika ,vom Eliasberg zum Mount Hooker, entlang der Cascade-Range ,Sierra Nevada bis zum Popokatepeti, und die Kordillerenkette entlangbis zur Magellans - Strafse. Dabei ist das östlich vorliegende Landals Abhang des Gebirges gedacht. Das Meeresprofil verläuft in geraderRichtung nord-nord-östiich bis zur Insel Trinidad , dann rein nördlichbis zu St. Paul, darauf nord-nord-westlich nach den Bermudas undvon diesen endlich wieder nord-nord-östlich entlang der grönländischenKüste bis über die Dänemarkstrafse hinaus. Die im Meeresprofil ein-getragenen Wärmegrade und die Angaben des Vorkommens interessanterTierformen sind nach den Resultaten des Challenger.

Interessant ist ein Vergleich der Verhältnisse der Tierverbreitungam Himalaya mit denen in den amerikanischen Gebirgen. Erstererist (wie zum Teil auch der Kaukasus ) eine ungefähr mit den Breiten-graden laufende quere Mauer, welche zwei Faunengebiete trennt.Die amerikanischen Gebirge sind Brücken, welche die vor der wärmernTemperatur des Tieflandes höher und höher flüchtenden Faunen desgemäfsigten Südens und Nordens weit nach dem Äquator hin, selbstüber ihn hinaus geleiten.

Leipzig , im August 1887.

W. Marshall,