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Atlas der Tierverbreitung : 9 kolorierte Karten in Kupferstich mit 45 Darstellungen / bearbeitet von William Marshall, a.o. Professor an der Universität in Leipzig
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sie vermifst, während sie in der australischen Region östlich bis Neu­ seeland und Neubritannien Vertreter haben, auf den oceanischenInseln sonst fehlen und erst auf den Sandwichinseln wieder auftreten.Die Ohrschnecken (Auriculidae, gegen 220 Arten) sind hauptsächlichtropisch, fehlen aber auf Madagaskar , wenige Arten werden auch inden neoarktischen, und einige mehr in der paläarktischen Regiongefunden. Die Aciculen (Aciculidae, ca 80 Arten) sind merkwürdigversprengt verbreitet, was auf einen Rückschritt der Familie deutenwürde, wenn nicht etwa die meist sehr kleinen Arten vielfach über-sehen worden sind. Sie finden sich in der neotropischen Region be-sonders häufig auf den Antillen, in der neoarktischen und paläarktischenin den südlichen Teilen, in Europa bis England und wahrscheinlichvon den Gestaden des Atlantischen bis zu denen des Stillen Oceans,wenn sie auch östlich von der Krim erst wieder im Amurlande auf-gefunden wurden. Die äthiopische Region berühren sie blofs auf denMaskarenen . Die Diplommatinidae (ca 25 Arten) bewohnen die orien-talische und australische Region, haben aber eine versprengte Artauf der Insel Trinidad . Die Rundmäuler (Cyclostomidae, gegen.1100Arten) finden sich auf einem grofsen Teil der Erde, aber im wesentlichenist es eine tropische Familie, welche in der orientalischen Region ammächtigsten entfaltet ist, dann auf den Antillen einen zweiten Haupt-herd der Entwickelung, dagegen in den kontinentalen Teilen der neo-tropischen und den südlichen der neoarktischen nur wenig Vertreterhat. Die paläarktische bewohnt sie im westlichen Teil bis Englandund Südschweden, im östlichen nach Norden bis über den Amurhinaus: in der afrikanischen findet sie sich im Süden und Südostensowie auf Madagaskar mit den Seychellen, Comoren und Maskarenen.In der australischen Region wird diese Familie bis nach Neuseeland ,denFitzroyinseln und demLouisiaden-Archipel angetroffen. Die Melanien(Melaniadae, gegen 600, aber oft recht zweifelhafte Arten) sind sehrverbreitet. In der ganzen südlichen paläarktischen Region . finden siesich von Portugal bis Japan , in ganz Afrika , soweit es nicht Wüsteist, von Fernando Po bis zu den östlichen Inseln, über die ganzeorientalische Region bis zu den Fidschi - und Sandwichinselm Währendsie in den südlichen Vereinigten Staaten sehr reich entwickelt sind(nach Lovell Reeve 210 Arten), betreten sie die neotropische Regionblofs in den Westindischen Inseln (Cuba 10 Arten) und in Nordbrasilien(10 Arten.) Die Sumpfschnecken (Paludinidae, ca 230 Arten) findensich in allen süfsen Wassern der Erde, sind aber besonders häufig anden untern Läufen der grofsen tropischen Ströme; sie sind auch dieeinzigen Süfswasserschnecken, welche in Südamerika bis Feuerlandgefunden werden. Die Neritinen (Neritinidae) bewohnen nur zum Teildas süfse oder brakische Wasser, aber ziemlich der ganzen Erde.Auch von der Familie der Oerithiadae ist nur ein Geschlecht (Pota-mides mit 44 Arten) auf das süfse Wasser angewiesen und findet sichausschliefslich in den tropischen Teilen Afrikas (bis zum Kap), Indiens und in der australischen Region bis Neuguinea und Nordaustralien ;eine versprengte Kolonie taucht im westlichen Nordamerika wieder auf.

Von den Muscheltieren sind nur zwei Familien Bewohnerinnendes süfsen Wassers, nämlich die Maler- und Teichmuscheln (Unionidae,weit über 600, zum Teil zweifelhafte Arten) und die Kreismuscheln (Cycla-didae, ca 200 Arten?}. Die erstem finden sich, abgesehen von kleinernInseln und der Südspitze Südamerikas , auf. der ganzen Erde. NachNorden dringen sie in Amerika ungefähr bis zum 60°, in der AltenWelt bis über den 70° hinaus. Die günstigsten Lebensbedingungenfindet diese F amili e in dem so überaus reich entwickelten Flufs- undSeensystem der neoarktischen Region, welche, nach Isaac LeasSchätzung 520 Arten beherbergt. Die Kreismuscheln sind ungemeinweit verbreitet, ihre wenig differenzierten und schwierig zu bestimmendenArten finden sich von Grönland bis Patagonien und in der östlichenErdhälfte vom 73° bis Neuseeland , man trifft sie auf den Salomoninselnund den Neu-Hebriden so gut wie auf Teneriffa . Von der grofsenFamilie der Miesmuscheln (Mytilidae, 200 Arten) wird nur eine einzigeauch im süfsen Wasser gefunden, nämlich Dreyssena polymorpha. Imvorigen Jahrhundert nur aus der Wolga bekannt, ist sie durch Schiffe,an welche sich die seefeste Muschel anheftet, zunächst in alle gröfsereStröme Europas verschleppt und wandert von diesen auch in die nichtschiffbaren Nebenflüsse und in die Seen nach und nach ein. Im Main Donau-Kanal treffen sich daher zwei verschiedene eingewanderteKolonien, eine, die durch den Rhein , die andre, welche durch dieDonau in das westliche Europa eingedrungen ist.

Das Kärtchen, welches die Verbreitung technisch-ökonomischmehliger wirbelloser Tiere zur Anschauung bringen soll, kann nichtdarauf Anspruch machen, mehr als ein schüchterner Versuch genanntzu werden! Die Flufsperlmuschel (Margaritana margaritifera) isteine zirkumpolar verbreitete Unionide, welche in Deutschland sich imErz- und Fichtelgebirge , dem Böhmer- und Westerwald findet, weiterin Schottland , Skandinavien , Nordrufsland und Nordsibirien, sowie inGrönland und im borealen Nordamerika auftritt. Die echten Perl-muscheln (das Geschlecht Meleagrina mit mehreren unsichern Arten)ist auf die Nachbarschaft der Küsten tropischer Meere zwischen demPersischen Golf bis zur amerikanischen Küste des Stillen Oceans und,sonderbar senue auf den die Landenge von Panama bespülenden Teildes Karaibfschen Meeres beschränkt. Von den zahlreichen Mollusken,welche dem Menschen zur Nahrung dienen, wurde auf der Karte nurder Ausfern eedacht welche in zahlreichen Varietäten resp. Artenbeide Küsten Nordamerikas und die Küsten Europas und Ostasiens bewohnen. Unter den Tropen werden «re durch die sogen. Baum-nusterm (mehrere Arten, welche sich gern am Gestade m die in dasWasser Säugenden Luftwurzeln der Btoophoren ansiedeM) ersetzEin andres Nahrungsmittel für den

thSien^verstanden' Äen? SlfÄ um den Mohkkenguinea befindlichen Gewässern gefangen werden ,ÄSemrkMtoeflchinesischen Handelsartikel ausmachen. Von v Rpirhes

Bedeutung als dieser Leckerbissen der Sohne des ld^ s<die ^ e n 0h i^

ist der Badeschwamm. Dieser findet sich in ^ rvoste

Mittelmeer vom Golf von Triest an entlang der.europa bis zur Strafse von Konstantinopel , dringt jedoch nicht m das SchwiarzeMeer ein, findet sich aber entlang der ganzen k J°^kschen irnclnordafrikanischen Küste bis nach Ceuta . An der 0

sischen und italienischen Küste, auch um die ln ^

Mittelmeers trifft man keine Badeschwamme a , w P ,tküsfp

Roten Meer an den Küsten der S-P al b m sel m der Wes^te.Eine andre, weit geringwertigere Art ist der BahamarPferdM^Mamm,welcher in dem Meere um die Bahamamseln her. & hsch*

Ein andres Meeresnrodukt, die echte oder Edelkoialle (Oorainumrubrum) gehört der westlichen Hälfte des Mittelmeeres an und findet

sich südlich von Neapel , in der Strafse T°& M® 8 *V,^g^afseküste Afrikas besonders bei Bona und la Calle und durch die btralse

von Gibraltar hindurch südlich zu den Kanaren.

Von den Insekten, welche dem Menschen von hohem Nutezn sind,ist zunächst der Honigbiene oder der Honigbienen (mehrere Artenund Rassen) zu gedenken, welche wahrscheinlich einzeln in vielzahlreichem aufsereuropäischen Lokalitäten eingeführt ist, als auf derKarte angegeben werden konnte. In der paläarktischen Region geht sierecht weit nach Norden und kommt in Rufsland und Sibirien verwildert,vielleicht wirklich wild vor. Man hat sie sowohl nach Nord- als Süd­ amerika eingeführt; in ersterer Lokalität bereits 1675, und sie ist hierschon lange verwildert und in stetigem Vordringen nach dem Innernbegriffen.. Sonderbar genug ist sie in Brasilien degeneriert, indem sie,wahrscheinlich durch klimatische Verhältnisse veranlafst, aufhört, ein-zutragen; in dem gebirgigen Peru und Chili hingegen hat man guteErfahrungen, mit ihr gemacht. Eine besondere Rasse, die italienischeBiene, scheint .sich ursprünglich in Oberitalien entwickelt zu haben,wird gegenwärtig aber in Mitteleuropa sehr vielfach gehalten. Eineandre Rasse ist die ägyptische Biene, welche in Ägypten und Abyssi-nien und nach Osten durch Persien , die indischen Bergländer entlangbis Südchina als Haustier gehalten wird. Auch in ganz Afrika , beifast allen Volksstämmen werden Bienen als Haustiere gefunden, abersie scheinen zum Teil andre Arten als unsre Honigbiene zu sein.

Seidenzucht wird zwar in den altweltlichen Kulturländern vielfachbetrieben, aber nur in gewissen hat sie ehie wirklich ökonomischeBedeutung gewonnen. So vor allen in Hinterindien , Siam und Süd-chin.a, wo schon seit 5000 Jahren der Seidenschmetterling (Bombyx mori , wohl nur domestizierte Varietät von B. Huttoni) gehalten wird.Von hier aus verbreitete sich die Serikultur nach Persien , im sechstenJahrhundert unsrer Zeitrechnung wurde sie in das Abendland, undzwar, zunächst in das byzantinische Kaiserreich eingeführt, 711 inSpanien , etwa im zehnten Jahrhundert in Italien , 1470 in Frankreich und im vorigen Jahrhundert in verschiedene Gegenden Deutschlands ,auch des nördlichen, aber nur in den südlichen Strichen, namentlichin Österreich und. Tirol ist sie von Bedeutung geworden.

Ein andres wichtiges Kulturinsekt ist weiter die Cochenille (Coccuscacti). Ursprünglich in den Gebirgen Mexikos einheimisch, wurde sie mitverschiedenem Erfolg in eine Reihe andrer Lokalitäten eingeführt. So1833 nach Chile , auf die Antillen schon 1809, nach Madeira 1826 undauf die Kanaren 1827. Auf Java importierte man sie 1828, wahr-scheinlich nicht lange zuvor nach der Kapstadt , und die Franzosenbrachten sie 1836 nach Algier . Von geringerer Wichtigkeit ist die inmehreren Gegenden Indiens vorkommende Gummilaus und die klein-asiatische Kermeslaus.

Haustiere, Parasiten, senkrechte Verbreitungwichtiger Tiere.

(Blatt IX.)

I. Haussäugetiere. Auch dies Kärtchen ist nur ein Versuch,denn die Quellen für dasselbe fiiefsen kärglich und unbestimmt.Es ist zu bedauern, dafs die meisten Reisenden so wenig Sinn fürdas Studium der bei den von ihnen besuchten Völkern domestiziertenGeschöpfe haben. Monographien wie die Hartmanns über die Haus-tiere des nordöstlichen Afrika stehen fast ganz vereinzelt.

Manche Haussäugetiere scheinen an verschiedenen Stellen derErde aus vorhandenem verschiedenen wilden Material vom Menschengezüchtet worden zu sein, z. B. das Schwein, namentlich aber derHund. Er ist unzweifelhaft das älteste Haussäugetier und vollständigkosmopolitisch verbreitet. Thatsache ist es, dafs ihn bereits die altenIncas und die Neuseeländer (vielleicht den Dingo!) besafsen, bevor siemit Europäern in Berührung kamen. Von den vielen Rassen habenblofs zwei ganz besonders charakteristische eine bestimmte Verbreitung:der Eskimohund gehört den zirkumpolaren arktischen Gegenden an,und der halbwilde Pariahund bewohnt die Wiegenländer des Islamvon Konstantinopel und den Nilländern östlich und südlich bis Persien und Hinterindien . Verwildert findet sich der Hund auf einigen Antillen,den Falklandsinseln und, als Dingo, in Australien .

Die Katze entstand als Haustier in Nordost-Afrika, auch sie istzur Zeit ziemlich universell verbreitet, gedeiht aber im Norden kaumbis über den Polarkreis hinaus und ebensowenig in den höchsten vonMenschen bewohnten Gebirgen, wo der Hund noch sehr gut fortkommt.Als verhältnismäfsig neues Haustier neigt sie zum Verwildern, namentlichhin und wieder im ganzen wärmern und gemäfsigten Europa , inHinterindien , Neuseeland und denLaPlata-Ländern. Das Schwein dürftein verschiedenen Ländern aus daselbst wild vorhandenen Lokalvarietätengezüchtet sein, z. B. in Chma, Indien , Ägypten , vielleicht auch inEuropa . Es verwildert gern in allen geeigneten Tropengegenden,findet sich namentlich auf allen einigermafsen bedeutendem Inseln desStillen Oceans vollkommen als wild eingebürgert, weiter in Westafrika ,den La Plata -Ländern, auf einigen Westindischen Inseln und endlich aufden Falklandsinseln, die ein merkwürdig günstiges Terrain für Ver-wilderung von Haussäugetieren zu sein scheinen. Nachträglich stiefsich (inthe Challenger the Atlantic V. II, p. 175) auf die Notiz,dafs auch auf Inaccessible Island verwilderte Schweine vorhanden sind.Wesentlich vom gemeinen Hausschwein unterschieden ist das indischeSchwein, welches in Süd- und Ostafrika , auf Madagaskar und in derganzen orientalischen Region bis Japan hinauf gezüchtet wird.

Das Pferd, als Haustier wohl mittelasiatischen Ursprungs, istgegenwärtig universell verbreitet und entwickelt sich auf Inseln undin hohen Gebirgen gern klein als Pony. Verwildert findet es sich aufden grofsen Flächen der asiatischen Steppen als Tarpang, dann inAmerika in den Prärien als Mustang, und als Cimmarones in denPampas und, sonderbar genug, auf den Falklandsinseln. Halbverwildertist es in. Europa an der Rhonemündung. In Lichtenbergs Magazin(Bd. III) finde ich die Notiz, dafs verwilderte Pferde auf einigen kleinenInseln bei Ceylon vorkämen. Ich habe sonst nirgends eine ähnlicheMitteilung angetroffen, vielleicht sind die Tiere seit dem vorigen Jahr-hundert ausgerottet.

Der Esel, zentral-asiatischer Herkunft, geht weniger weit nachNorden wie das Pferd. Auf den Galapagosinseln soll er halb ver-wildert sein.

Das Dromedar und das Trampeltier, zwei Kulturrassen des wildenKamels, bewohnen die paläarktisch -äthiopischen Steppen- und Wüsten-länder, schliefsen sich aber in ihrem Vorkommen ziemlich dergestaltaus, dafs das Dromedar in der westlichen, äthiopisch-arabischen Hälftedes Verbreitungsgebiets, das Trampeltier aber in der östlichen asia-tischen vorkommt. Das domestizierte Kamel wurde nach Oberitalien