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Erster Band, enthaltend in vier Abtheilungen die Erscheinungen der anorganischen Natur: 1. Meteorologie und Klimatographie. 2. Hydrologie und Hydrographie. 3. Geologie. 4. Tellurischer Magnetismus
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Geologie.

und die Küsten am Baltischen Meere überhaupt;die italiänische Westküste, wo im Besondern dieBeste des Serapis-Tempels bei Pozzuoli (auf No. 8,Karte von Neapels Vulkan-Bezirk) die selbststän-digen Veränderungen des Festlandes auf eben soüberzeügende Weise beweisen, als es an den Kü-sten der skandinavischen Halbinsel und Finnlandsder Fall ist; und endlich eine dritte Stelle: die in-dische Landschaft Cutsch oder Ketsch nebst demKun, zwischen der Indus-Mündung und Gudsche-rat, deren Hebung vorzugsweise in Folge heftigerBebungen und Erschütterungen der Erdkruste er-folgt.

Ein viertes Hebungsgebiet ist im Jahre 1840bekannt geworden durch die nautischen Vermes-sungs-Untersuchungen der englischen KönigsbrigChilders an der Küste von Arracan. Die Offizieredieses Schiffs, Commander Halsted und Lieute-nant Mc Volloth, haben nachgewiesen, dass diegedachte Küste, sammt allen vor ihr liegendenInseln und Klippen, im Bereiche eines Prozes-ses plötzlicher und allmäliger Emporhebung liegt,und zwar ganz bestimmt auf der Strecke von derKlippen - Gruppe, welche Terribles genannt wird,bis zum Foul-Eiland; sehr wahrscheinlich aber auchauf der ganzen Linie zwischen Akyab und demKap Negrais, wo die Küste, ähnlich der skandina-vischen Fjorden-Bildung, von tiefen und schmalenMeerarmen, in ungezählter Menge, zerschnitten ist.

Diese Küste liegt innerhalb der Verlängerungder von Java durch Sumatra und die kleinen Ei-lande Barren Island (d. h. die öde Insel) und Nar-condam sich fortsetzenden grossen Vulkanreihe derSunda-Inseln, und selbst die Inseln vor der Arra-can-Küste tragen unmittelbare Kennzeichen desunterirdischen Feüers, Schlamm-Vulkane nämlich,von denen auf der Insel Tscheduba allein vier grös-sere gezählt werden, die sich von 100 bis zu 1000Fuss über die Meeresfläche erheben; ja Bamri hatFeüer-Kratere, und Spuren der vulkanischen Thätig-keit zeigen sich noch weiter gegen Norden, bei Is-lamabad, wo, im Hintergründe des Meerbusens vonBengal, die aüssersten nördlichen Merkmale der Sun-daischen Vulkanreihe wahrgenommen worden.

Die Hebungs-Linie, welche Halsted und McVolloth untersucht haben, ist ungefähr 25 deütscheMeilen, in der Kichtung von NWgN. nach SOgS.lang, und wechselt in der Breite zwischen 5D. Meilen und einem ganz schmalen Streifen, dervon kleinen Inselchen und Klippen bezeichnet wird.Am grössten ist die Hebung auf der Achse derLinie gewesen: bei den Terribles 13 engl. Fuss;an verschiedenen Stellen des nordwestlichen Biffsvon Tscheduba 22 Fuss; an der nördlichen Land-spitze dieser Insel 16 Fuss; an der Westküste die-ser Insel, ihrer Mitte gegenüber, 13 Fuss; an ihremsüdlichen Ende 12 Fuss; und an den Inseln, wel-che von Tscheduba südwärts liegen, bis nach FoulIsland hin, 12 Fuss und abwärts bis auf 9 Fuss.

Diese Emporhebung des Bodens ereignete sichvor neünzig oder hundert Jahren, also um dasJahr 1750 oder 1760, bei Gelegenheit eines sehrheftigen Erdbebens, wodurch die See zu verschie-denen Malen und mit aüsserster Gewalt weit aufsLand getrieben, und das selbst in der Stadt Avaverspürt wurde. Spalten bekam der Boden nicht,auch warfen die Vulkane auf Tscheduba kein Feüer

PHYSIK. ATLAS ABTH. III.

aus. Die Offiziere trafen auf der gedachten Inseleinen Greis von 106 Jahren, der jenes Erdbeben inAva erlebt hatte, und sich noch deütlich der Zeiterinnerte, wo er mit seinem Fischerboot auf denjeni-gen Stellen schwamm, die jetzt trocknes Land sind.

Dies ist nicht die einzige Erderschütterung, welchesich im Gedächtniss der Bewohner von Arracan er-halten hat; ein anderes Erdbeben fand hundert Jahrefrüher Statt, und die mit diesen gewaltsamen Ereig-nissen verbundenen Emporhebungen des Bodens be-trachten die Eingebornen als periodische Phänomene,welche sich, nach ihrer Ansicht, alle hundert Jahrewiederholen. Von einem dritten Strande werden ander Küste von Tscheduba Spuren wahrgenommen;ganz deütlich aber zeigen sich drei Gestade an der,südlich von Tscheduba gelegenen Insel, welche beiden britischen Seefahrern dieflache (Flat Island)heisst, von den Eingebornen aber Keguain genanntwird.

Lieut. Mc Volloth hat von dieser Insel einen Planaufgenommen, von dem unsere Nebenkarte eine ver-kleinerte Kopie enthält. Folgendes dient zur Erklä-rung des Plans.

Die innerste, stetig ausgezogene Linie bezeichnetden ursprünglichen Umriss der Insel.

V ist ein kleiner Vulkan, der nahe in der Mittedes Eilands belegen ist, und sich ungefähr 90 engl.Fuss über die Meeresfläche erhebt.

Die punktirte Umfangslinie bezeichnet das Ge-stade, welches in Folge einer Emporhebung entstand;diese Hebung beginnt an der Nordseite bei den Punk-ten a und b, und auf der Südseite bei dem Punkte odes ersten oder ursprünglichen Gestades. Die neüeGestaltung der Insel geht noch schärfer aus der fel-derartigen Schraffirung hervor. Der mit o bezeichnnete Punkt ist ein vulkanischer Hügel, dessen Kratereine Menge Asphalt auswirft.

Die Emporhebung des dritten oder jetzigen Ge-stades fand vor neünzig Jahren (1760), nach Mc.Volloths Angabe; oder vor hundert Jahren (1750),nach Halsteds Bericht Statt. Vor dieser Emporhe-bung war c ein kleines Inselchen, und die punktirteLinie, von der es umgeben ist, so wie eine zweite,die weiter südlich bis über den Landungs-Platz Lhinausreicht, begränzt Flächen Landes, welche dazu-mal, allem Anschein nach, Sandbänke waren.

Die kleinen Vierecke deüten Süsswasser-Quel-len an.

Bei d sind Salzgründe.

Bei e floss früher ein Bach.

Die kleinen Kreüzchen + + bezeichnen Massen vonkorallinischem und anderm Gestein. Sie bedeckenüberall den aüssern oder zuletzt gehobenen Boden;die zweite Formation hat nur hin und wieder derenaufzuweisen, und die erste Formation, d. i. die ur-sprüngliche Insel ist ganz frei davon, mit Ausnahmeeiniger wenigen, die sich an dem vormaligen Bache ebefinden.

Das zuletzt gehobene Land liegt, für jetzt noch,öd und wüst; der übrige Theil der Insel dagegenbildet Ein grosses Keisfeld.

Unter den vielen Felsenklippen auf dem zuletztgehobenen Lande befindet sich eine, bei f, an wel-cher eine Wassermarke von derselben Höhe wie dieder zweiten Formation wahrnehmbar ist.

Die ganze Insel besteht aus drei vollkommen wage-rechten Flächen, die sich treppenartig nur 6 bis 9 Fuss

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