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30 Bericht über die Blätter des Hand-Atlas.
Kupferstechers gewesen sind, keine Gelegenheit vorübergehen las-sen, Alles aufzuspüren und zu benutzen, was die neuern und neue-sten Reisen gebracht haben. Die letzte Durchsicht von Probeab-driicken der Platten hat im Dec. 1853 Statt gefunden, so dass dievorliegenden Karten unsere geographischen Kenntnisse von den Ei-landfluren des Stillen Oceans nach ihrem Zustande am Schlüssedes Jahres 1853 darstellen.
Für die Geschichte der Positionenkunde würde es ohne Zwei-fel eben so wichtig als lehrreich seyn, die Abweichungen in derLage der Inselgruppen und einzelnen Inseln nachzuweisen, welchedie vorliegenden Karten gegen frühere darbieten, und: diese Ab-weichungen gehöriger Maassen zu begründen; allein dazu ist dieAbfassung einer ausführlichen Denkschrift erforderlich, welche, weilsie zu umfangreich ausfallen würde, nach dem Plane des Begrün-ders dieses Atlas, unseres verstorbenen Freundes Adolf Stieler, nichtin den Kreis dieser kurzen Vorbemerkungen gehört.
Kenner der Geographie werden heim ersten Blick auf die Kar-ten wahrnehmen, dass es ein Hauptaugenmerk gewesen ist, die in-heimischen Benennungen der Inseln an die 8telle der sonst üblichen,von den europäischen .Seefahrern ihnen bcigclcgten Namen zu setzen.Die Keuntniss dieser Benennungen verdankt man vorzugsweise denHeilaudboten, welche seit den letzten dreissig Jahren die malayisch-polynesischen Völker der christlichen Gesittung entgegengeführthaben, ohwol auch Laien dafür sehr thätig gewesen sind; so, schonzu Oooh's Zeiten, der ältere Förster, und in neuerer Zeit Chamisso,Düthe, Fitz Boy, Wilhes und viele andere, besonders britische See-fahrer, die indess meistens von den Missionären belehrt wurden,welche die malayisch-polynesischen Dialekte zum Gegenstände ihrereifrigsten Studien gemacht haben. 1
Eine vergleichende Übersicht der inheimischen und der vonden Seefahrern den Inseln beigelegten Namen ist unstreitig ein Be-dürfniss, sey es, dass ihm auf den Karten selbst, oder in Form einerTabelle abgeholfen werde. Den ersten Weg hierbei einzuschlagen,war nicht möglich, weil dies, .des Raumes wegen, einen Maasstabvoraussetzen würde, der mindestens zehn Mal grösser seyn müsste;der zweite Weg ist liier gleichfalls unzulässig, in Betracht, dasseine und dieselbe Insel oft die manchfaltigsten Namen führt, unddie Zusammenstellung aller die Tabelle zu umfangreich macht, umin diese kurzen Vorbemerkungen Aufnahme zu finden. Der Ver-fasser muss sich Vorbehalten, auf diese vergleichende Übersicht, sowie auf eine Kritik der Positionenkunde bei eiijer andern Gelegen-heit zurückzukomnien.
Die Karten sind nach dem Meridian von Greenwich graduirt,weil in allen Reiseberichten, mit Ausnahme der französischen, dieLängen nach diesem Meridiane gerechnet werden. Ferro und Parissind aber auch am Rande angegeben, was die Vergleichung derMeridiane erleichtert. Der Meridian von 160° W. Grw. thcilt Po-lynesien in zwei Hälften, West- und Ost-Polynesien.
Zu West-Polynesien gehören: die Marianen oder Ladronen
(Diebs-Inseln); der Archipclagus der Carolinen; die Inselrcihen Ka-lick und Radack, welche zusammen den Marshalls - Archipelagusbilden; die Gruppe Tarawa, auch Gilbert oder Kingsmill genannt;die Gruppen Phönix, EUice und Union, welche letztere einen Theildes Archipelagus von Samoa, oder der Schiffer- (Navigators-) Inselnausmachen; der Archipelagus Witi oder Fidschi; und Tonga oderdie freundschaftlichen Inseln (friendly Islands von Cook).
Zu Ost-Polynesien gehören: Hawaii oder Cook’s Sandwich-In-seln; Nuka Hiwa oder Mendana’s Archipelagus (von Krusensternso genannt), bestehend aus den Marquesas de Mendoza und denWashington - Inseln; Paumotu, oder der Gefährliche Archipelagusoder die Niedrigen Inseln (Archipel dangercux von Bougainville,Low Islands von Cook etc.); Tahiti, oder die Gesellschafts-Inseln(Society Islands) und Cook’s Gruppe (von Krusenstern genannt)oder Harvey’s Gruppe (der Missionäre).
Die sechs Nebenkarten, welche einzelne wichtige Örtlichkeitenenthalten, werden vielleicht als eine angenehme Zugabe angesehenwerden.
Von den bei Bearbeitung dieser Karten benutzten Werken nen-nen wir nur folgende :
1) Johann Jleinhold Försters Bemerkungen auf seiner Reise umdie Welt. Übersetzt von seinem Sohne und ReisegefährtenG-eorg Förster. Wien 1787. .1 Bd. in 8., mit Karten.
2) Adalbert ton Chamisso's Bemerkungen und Ansichten auf einerEntdeckungsreise in den Jahren 1815^1818 alrf dem SchiffRurik unter dem Befehle Otto’s v. Kotzebuo. Weimar 1821.
1 Bd. in 4., mit Karten.
3) William Ellis’ Polynesien Researches, during a Residence ofnearly six years in the South Sea Islands. London, 1830.
2 vols in 8.
4) Frederic Luthe, Voyage antour du Monde sur la corvette le .Senjavine, Paris, 1836. 3 Bde in 8., mit Atlas.
5) Narrative of the Surveying Voyages of II. M. S. Adventure
and Beagle, between the years 1826 and 1836, describing theirexamination of the Southern sliores of South America and theBeaglc’s circumnavigation of the globo. (Von King, Fitzroyund Darwin). London, 1830. 4 vols in gr. 8., mit Karten.
6) Charles Wilhes' United States Exploring Expedition. London,
1845. 5 vols in gr. 8., mit Atlas.
7) Krusenstern, Rccueil de memoires hydrographiques pour servil-d’analyse et d’explication ä l’Atlas” de l’pcean pacifique. St.Petersbourg, 1824—1835. 3 Bde in 4., mit Atlas.
8) The Nautical Magazine and Naval Chronicle. London, 1832bis 1848; ein Werk, das sein* reich ist an Berichten über Krcuz-und Querfahrten, welche von Offizieren der englischen Kriegs-und der Handelsflotte in der .Südsee unternommen worden sind.Die Namhaftmachung aller dieser Berichte, von denen eingrosser Th^il anonym erschienen ist, würde, bei der grossenMenge derselben, liier zu weit führen.
Im Format von Stieler s Hand-Atlas sind ferner bei Justus Perthes in Gotha erschienen:
Dr. 4 togöitus’ Ätfas
unter der fordernden
Anregung Alexander von Humboldt’s verfasst.Zweite Auflage. 1852.
Die zweite nach allen neuen Forschungen und wissenschaftlichen Ergebnissen berichtigte und verbesserteAuflage dieses bedeutenden Werkes (93 Karten und 70 Folio - Bogen Text) ist zu beziehen:sowohl: vollständig in zwei Foliohänden, gebunden zu 34.', Thlr., als auch in folgenden einzelnen Abtheilungen:
1. Meteorologie und Klilnatographie ... 5 Thlr.
2. Hydrologie und Hydrographie .... 5 Thlr.
3. Geologie. -.6 Thlr.
4. Tellur. Magnetismus j . 5 Thlr.
Sämintlich eben so elegant als dauerhaft gebunden.
5. Pflanzengeographie
6 . Zoologische Geographie.5 Thlr.
7. Anthropologie )
8 . Ethnographie
Dr. K. v. Spruner’s historisch-geographischer Hand-Atlas.
(In drei Abtheilungen. P
'reis: 34 ; '( Tldr.)
I. Abteilung. Atlas antiqUUS. 27 in Kupfer gestochene color. Karten mit 64 Nebenkarten. 1850. Preis 6 :-’ Thlr.
II. Abtheilung. Atlas zur Geschichte der Staaten Europa’s vom Anfänge des Mittelalters bis auf die neueste Zeit.
73 color. Karten in Kupferstich mit mehr als 100 Nebenkärteheu, Plänen etc. Preis 22 Thlr.
Inhalt: Die Welt der Alten. 1 Blatt. Elf Uehcrsichtskartcn von Europa. Zwölf Karten zur Geschichte Deutschlands, dev Schweiz, derNiederlande und der Ostseeländer. Fünf Karton zur Geschichte Italiens. Sechs Karten zur Geschichte Frankreichs \ier Kartenzur Geschichte der Britischen Inseln. Sechs Karten zur Geschichte Spaniens und Portugals. Acht Kartei: zur Geschichte dernordischen Reiche (Scamlinariens, Polens. Musslmids). Acht Karten zur Geschichte Sild-Ost-Europa's, Klein-Anens etc. (4es Byzantin.Deichs, Griechenlands, des Khaltfenreichs , der Kreuzzüge , des Türk. Deichs). Vier Karten zur Geschichte Ungarns. Acht Kartenzur Darstellung der hirchl: Verhältnisse.
III. Abtheilung. • Atlas zur Geschichte Asien’s, Africa’S, America’S und Australiens. In 18 color. Karten mit 9 Ne-
benkarten. 1853. Preis 6 Thlr.
Inhalt: 10 Karten von Asien, 3 Karten von Africa, 4 Karten von America, 1 Karte von Australien.
Druck der Eugellmrd Rcj-herNclH*» Hoflmchdruckerel h> Gothu.