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Die Wandgemälde von S. Angelo in Formis / Franz Xaver Kraus
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VON FRANZ XAVER KRAUS

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14. Malachias, dessen noch von Schulz gelesene Bezeichnung MALACHIASPROPHETA jetzt sehr verblasst ist; er trägt das Spruchband mit

ECCE VENIT DICIT Dominus exercituum (Malach. 3, 1).

15. Zacharias (bez. ZACHARIAS PROFETA, sehr verblasst) mit dem Vers:

ECCE REX TVVS VENIET || SEDENS SVPER ASINAM:Zach. 9, 9; die Vulgata hat »ascendens super asinam«, vergl. Js. 62, 11, Matth . 21, 5).

16. Moses, mit der Beischrift MOSES PROFETA, welche, seit Schulz sie ge-lesen, nun auch sehr verblasst ist; sein Spruchband scheint mir den Vers Deuteron .28, 15 in freier Wiedergabe zu tragen:

PROPHETAM TIBI SUSCITABIT DNS.

17. Eine letzte Prophetengestalt, deren Beischrift und Spruchband nicht zuentziffern war (Abdias, Habakuk oder Nahum ?)

Es sind also im Ganzen siebzehn Prophetengestalten, indem den vier grofsenund acht aus den zwölf kleinen Propheten des Alten Bundes noch die SibyllaPersica, König David, Salomon, Balaarn, Moses zugesellt sind. Die Angabe Schulz,die Propheten trügen hier meistens keine Heiligenscheine, ist nicht zutreffend; derNimbus fehlt, wie schon bemerkt, keinem, auch nicht der Sibylle.

Es kann hier nicht meine Absicht sein, mich über die Verwendung der Sibyllenin der christlichen Kunst eingehender zu verbreiten und ich muss mich darauf be-schränken, in dieser Hinsicht auf die einschlägige Litteratur zu verweisen, welcheman am vollständigsten bei Piper 1 ) und Barbier de Montault 2 ) verzeichnet findet.Doch dürften zwei Punkte hervorgehoben werden. Piper (S. 484) bezweifelt mitRecht die Darstellung der Sibyllen in der altchristlich-römischen und byzantinischenKunst. Er hebt auch hervor, dass die älteren Mosaiken keine solche enthalten, »ob-wohl Propheten seit Alters her dort vorgestellt sind, z. B. Jesaias und Jeremias inden Mosaiken von S. Vitale in Ravenna , aus dem VI Jahrhundert, sowie in denMosaiken der Kathedrale zu Capua aus dem Ende des IX oder dem Anfang desX Jahrhunderts«. Die Aneignung der Sibylle seitens der abendländischen Kunst setzter ins XII und XIII Jahrhundert, »als durch dogmatischen und hymnologischen Ge-brauch das Interesse dafür angeregt, auch die Sage von der tiburtinischen Sibylle inUmlauf gesetzt wurde«. Der Fund in S. Angelo belehrt uns, dass diese Behauptungnicht ganz zutreffend ist: wir haben hier, zu Ende des XI Jahrhunderts, die ältestebisher nach gewiesene Darstellung einer Sibylle vor uns; und zwar nur einer einzigen,wie auch das Malerbuch vom Berge Athos im Gefolge der von Christus weissagendenWeltweisen nur eine erwähnt 3 ) und ebenso der kirchliche Rhythmus, welcher in derMissa pro defunctis gesungen wird, nur einer Sibylle gedenkt:

»Dies irae, dies illasolvet saeclum in favilla,teste David cum Sibylla.«

) Piper, Mythol. und Symbolik d. christl. Kunst. Weimar 1847, L 47 2 ff-

2 ) Barbier de Montault , Iconographie des Sibylles (Extr. de la Revue de lArt. ehret.)Arras 1874 und neuestens in seinem Traite dIconographie ehret. Par. 1890, II, 83!.

8 ) Deutsche Ausg. von God. Schäfer, Trier 1865, S. 165. Ed. Didron, S. 150.