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die Apside der Cassineser Kirche mit Mosaiken auszuschmücken und das Pavimentderselben zu fertigen (III, c. 27). Leo berichtet weiter, dass die Ausschmückung desTrabes und der an ihm angebrachten Rundbilder (teretes icones) zum Teil in Kon-stantinopel besorgt, zum Teil offenbar in Monte-Cassino selbst, auf griechischeArt bewerkstelligt wurde (caetera coloribus ac figuris depingi Graeca peritia fecit,eb. III, c. 32)‘). Dass byzantinische Künstler herbeigeholt wurden, um Wandmalereienauszuführen, wird von ihm nicht berichtet * 2 ). Ich vermute indessen, dass Desiderius inS. Angelo die Herstellung der als die vornehmste Aufgabe angesehenen Bilder in derHauptapsis und an dem entgegengesetzten Westende der Basilika Künstlern über-tragen hat, welche die byzantinische Schulein Konstantinopel oder anderwärts durch-gemacht und demnach als besonders für diese Themata befähigt erachtet wurden;während die »Historien« des Mittelschiffes und der Abseiten Malern anvertrautblieben, die in der einheimischen Tradition aufgewachsen, weit mehr im Zusammen-hang mit dem geblieben waren, was der Geschichtsschreiber von Monte-Cassino selbst sehr bezeichnend die magistra Latinitas genannt hat (III, 27, vergl. oben).Demnach hätten wir als weiteres Ergebnis unserer Untersuchung die Thatsache ^ukonstatieren, dass sich hier, in der dekorativen Ausstattung der Basilika von S. Angeloin Fonnis , die beiden in Unteritalien im XI Jahrhundert nebeneinander lebendenRichtungen, die lateinisch-indigene und die byzantinische, kreuzen. Auf derReichenau herrscht die erstere unbestritten, hier begegnen sich beide Richtungen imRaume desselben Gotteshauses, und es findet eine gewisse Durchdringung beiderRichtungen statt. Denn auch für die Mittelschiffsbilder muss zugegeben werden, dassin einigen Punkten, z. B. hinsichtlich der Behandlung der Kostüme, byzantinische Ein-flüsse wahrnehmbar sind; wie das bei dem regen Verkehr nicht anders sein konnte,welchen die Abtei Monte-Cassino sowohl mit den Resten der byzantinischen Herrschaftin Italien als auch, nach deren Zusammenbruch, mit dem Hofe zu Konstantinopel unterhielt; Beziehungen, welche selbst dann nicht abgebrochen wurden, als MichaelCerularius das Schisma zu einer vollendeten Thatsache gemacht hatte (1053).
Zu meinem Bedauern entnehme ich der soeben veröffentlichten neuesten StudieEd. Dobberts »Ueber das Abendmahl in der bildenden Kunst« 3 ), dass ich mich inBezug auf S. Angelo in einem gewissen Widerspruche mit diesem ausgezeichneten,auf dem Gebiete der byzantinischen Kunst so hochverdienten Forscher befinde. »Inden Wandmalereien der Kirche S. Angelo in Formis sehe ich, sagt er, das Erzeugniseiner süditalisch-griechischen Künstlerschule aus dem XI Jahrhundert. Vor Allemdurch die in der Reihe der neutestamentlichen Wandbilder dieser Kirche befindlicheAbendmahlsdarstellung werde ich in meiner Meinung bestärkt.« »Salazaro’s Versuch,die süditalienische Kunst des frühen Mittelalters als eine an Ort und Stelle selb-ständig erwachsene hinzustellen, ist vollständig misslungen. Die süditalienischenDenkmäler weisen auf das unzweideutigste einen überaus starken Einfluss der byzan-tinischen Kunst auf.« Letzteres ist gewiss wahr und, wie Herr Professor Dobbert
') Leo Ostiens. Chron. Mont. - Cass. Libr. III, c. 27—32 [Ed. Wattenbach SS. VII, 718bis 723).
2 ) Und doch ist kein Zweifel, dass Desiderius in Monte-Cassino umfangreiche Wand-malereien ausführen liefs. Leo Ostiensis a. a. O. III c. 28 und 33 spricht von HistoriaeVeteris et Novi Testamenti, welche in den tres atrii partes und anderen, welche sowohl inder Hauptkirche als in S. Martin und S. Andreas gemalt waren (SS. VII, 727).
3 ) Ed. Dobbert, im Repertorium f. Kunstwissenschaft, XV, 380 (1892).