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Lehrbuch der Oryktognosie / von Dr. J. Reinhard Blum
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Mineralien angesehen werden. Hieraus geht der Nutzen meiner ge-nauen Angabe der verschiedenen zahlreichen Krystallformcn hervor, welchein der anorganischen Natur gesunden werden. Die Wissenschaft kannsich jedoch nicht allein auf die Betrachtung der Gestalt der Indivi-duen beschränken, sondern muß auch so viel wie möglich die unre-gelmäßig vorkommenden Mineralien in ihre Untersuchung ziehen,zumal da die Erfahrung lehrt, daß die Formen derselben eine ge-wisse Cvnstanz zeigen, und diese daher ebenfalls als Kennzeichen be-nuzt werden können und müssen.

§. 15.

Die Lehre, welche sich mit den räumlichen Verhältnissen derIndividuen besaßt, wird Krystallographie genannt. Um je-doch die Krystallkunde zur Unterscheidung und Bestimmung der Mi-neralien anwenden zu können, ist es zuvor nothwendig, die Termi-nologie anzugeben, wodurch die einzelnen Formen beschrieben wer-den, und diese dann systematisch zu ordnen.

§. 16.

Als Theile der Krystalle kommen bei deren Beschreibung inBetracht:

I) Die Flächen, diejenigen Ebenen, welche einen Krystall um-schließen. Form, Zahl, Größe und Lage sind bei denselben zu be-rücksichtigen. Hinsichtlich der Form unterscheidet man

a. dreiseitige Flachen, Dreiecke, und zwar gleichsei-tige, gleichschenkelige und ungleichseitige.

b. Vierseitige Flächen, Vierecke, welche entweder Pa-rallelogramme oder Klinogramme sind;

«. Parallelogramme, bei denen stets zwei gegenüberliegende

Seiten gleiche Länge besitzen und parallel laufen, dabei zeigen

sie sich theils rechtwinkelig, theils schiefwinkelig. Es gibt vier

Arten:

a. Quadrate oder Tetragvne mit gleichen Seiten undrechten Winkeln.

b. Rechtecke oder Rektangeln, mit gegenüber liegendengleichen Seiten und rechten Winkeln.

c. Rauten oder Rom den, mit gleichen Seiten und vierschiefen Winkeln, von welchen stets die zwei diagonal einan-der gegenüber liegende gleich sind.