Deütsches Land.
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Heilquellen.
Deütschland ist gesegnet mit Mineralquellen aller Art: Eisen- oderStahl-, Schwefel-, alkalische, Bitter-, Glauber- und Kochsalz- und Sancr-wasser-Qnellen aller Orten, doch herrscht in der Vcrtheilung dieser Quellenüber den deutschen Boden eine gewisse Ordnung, die durch die geologischeBeschaffenheit bedingt ist. Der südliche Theil von Deütschland hat einenaußerordentlichen Reichthum an Saüerlingen und Thermen oder warmenQuellen, während diese im nördlichen Deütschland fast gar nicht vorkom-men. Wol an tausend Mineralquellen besitzt Deütschland, und wol Hun-derttausend« strömen jährlich dahin, zu den berühmtesten oft aus fernenLanden, um Heil zu suchen für Leib und Seele; nicht selten aber auchschwer und bis auf den Tod erkrankt an Seelcn-Lciden und Wunden, diedas Spiel, diese, von den Brunnen- und Badeorten, wie es scheint, un-zertrennliche moralische Pest ihnen schlug. Wir haben bereits oben einigeder warmen Quellen namhaft gemacht und auch schon früher die Auf-merksamkeit auf die namhaftesten der übrigen Mineralwasser gelenkt(ll. Band, S. 38 ff.); hier wollen wir uns daher nicht dabei aufhalten,sondern weiter unten in der Beschreibung der einzelnen Staaten Dcütsch-lands darauf zurück kommen.
4. Klima.
Wenn gleich in der meteorologischen Abtheilung unserer Umrisse derphysikalischen Erdbeschreibung schon ziemlich ausführlich vom Klima dereinzelnen Länder Eüropa's die Rede gewesen ist, so scheint es doch noth-wendig zu sein, in dieser Staaten-Beschreibung noch ein Mal darauf zu-rückzukommen, um an das Bekannte zu erinnern und eine Uebersicht derklimatischen Beschaffenheit eines jeden Landes zu gewinnen.
Deütschland hat, in Rücksicht auf die Wärme-Verbreitung, ein sehrgleichförmiges Klima. Im Kühlen Erdgürtcl gelegen, im Allgemeinenzwischen den Jsothermkurvcn von 8° und 13°, sollte man meinen, daßder größte Unterschied der jährlichen Mittelwärme innerhalb der deütschenGauen 5° betrüge, allein diese Ansicht verschwindet, wenn man sich erin-nert, daß die Jsothermkurven Linien gleicher Temperatur an der Meeres-fläche ausdrücken. Diese Gleichförmigkeit, bei der die, auf kleinen Raumbeschränkte Ausnahme, welche sich an der Küste des Adriatischen Meereszeigt, kaum in Betracht kommt, wird von der geologischen Gestaltung desdeütschen Bodens hervorgebracht; denn die größere Wärme, welche Süd-deütschland, seiner geringern Entfernung vom Wärme-Äquator, im Ver-hältniß zu Norddeütschland haben sollte, wird ausgeglichen durch die Ab-nahme der Temperatur in den höhern Luftschichten auf den Plateau- undGebirgslandschaften. Die folgende Tabelle gewährt eine gute Übersichtvon dieser Wärme-Gleichförmigkeit.