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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Deütsches Volk.

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Das Volk.

1. Stamm-Verschiedenheit.

Deütschland wird von Völkern bewohnt, die zweierlei Abstammungsind, von Deütschen und Slaven. Jene bilden den Hauptbevölkerungsstand,und die ausschließliche Bevölkerung im ganzen Norden, Westen und Sü-den; diese sind von Osten herein gezogen, indem sie sich in Mähren undBöhmen niederließen, auch in den Alpenthälern der Steiermark und Jl-lyriens Kolonien gründeten, auf den nördlichen Abhängen der Oberschle-sischen Hochebene, auf denen der Lauscher Terrasse, so wie in der baltischenKüstenlandschaft Pommerns. Hier heißen sie Kassuben, in der LauschWenden, in Böhmen Czcchen, in Mähren Slowaken, Hannaken, Chrv-waten u. s. w. Die slavische Volksmenge verhält sich zur deütschen un-gefähr wie 1 zu O'/z. Außer diesen Hauptstämmen finden sich in Deütsch-land auch Volksgruppen anderer Abstammung; Jtaliäner in den Thälernauf der Südseite des Alpenkamms, im Tirol, Friaul und Jstrien; Fran-zosen in einem kleinen Bezirk der niederrheinischen Vorterrasse, weströmischerSeits, dann auch in verschiedenen Gegenden des norddeütschen Flachlandesin kleinen Kolonien, wo sie aber ganz deütsche Sitte, deütsche Spracheund Denkweise angenommen haben; Griechen am südlichen oder adriatischenKüstensaum und in Österreich; und von orientalischen Völkern Armenier,ebenfalls in Österreich; Juden über ganz Deütschland als Versprengte;Jigeüner, als Nomaden und Vagabunden umherziehend.

Die Volksmenge läßt sich gegenwärtig in runder Zahl zu 38 Mil-lionen annehmen.

2. Volkskarakter.

Die römischen Geschichtschreiber schildern uns die alten Deütschenoder Germanen, wie sie sie nannten, als große, kräftige Gestalten; ihreblauen Augen und ihr blondes Haar fielen besonders den südlichen Völkernauf. Ein Theil dieser Züge hat sich noch bis jetzt erhalten, vornehmlichbei den Bewohnern der Hochterrasse von Deütschland, der nördlichen Ab-hänge des hercynischen Bergsystems und der Angränzungen des Flachlandes.Im Allgemeinen sind die Norddeütschen größer und schlanker als dieSüddeütschcn, und an die Stelle des blonden Haars und der blauen,oder meist hellgrauen Augen jener treten bei diesen dunkelgraue oderbraune Augeü, und braunes Haar. Die Bewohner der Alpen zeichnensich durch starken Knochenbau, selbst beim weiblichen Geschlecht, und durchgroße körperliche Gewandtheit aus; beim Bewohner des Flachlandes sinddie Formen nicht so eckig, nichts desto weniger steht er an Körperkraftseinem süddeütschen Bruder nicht nach, sondern übertrifft ihn vielleichtnoch in derselben.

Der Deütsche ist ernst, ruhig, zur Sorglosigkeit geneigt; er überlegtgern, er ist arbeitsam, ausdauernd in Allem, was er unternimmt; er ist