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Eürvpäischcs Staatensystem.
aufrichtig und freimüthig in seinen Äußerungen, und einfach in seinenSitten. „Üb' immer Treü und Redlichkeit" ist sein Wahlspruch, und ersteht keinem Volke nach, wenn es darauf ankommt, Tapferkeit zu üben.Mit einem tief dringenden Beobachtnngsgeiste begabt, und von Natur er-finderisch, find die exacten Wissenschaften stets ein Licblingsfeld seiner gei-stigen Thätigkeit gewesen, wobei indeß die schönen Künste nicht unangcbautgeblieben find. Der Deütsche ist durch mehrere Erfindungen der Wohl-thäter des Menschengeschlechts geworden; es bedarf nur der Erinnerungan die Erfindung der Bnchdruckerknnst, um diese Behauptung zu bethäti-gen, und selbst die Erfindung des Schießpnlvers hat hierauf Anspruch,denn seit seiner Anwendung sind die Kriege menschlicher, minder blutiggeworden.
Der Deutsche liebt zwar sein Vaterland, aber seit lange ist es mehreine Heimathliche als wahre Vaterlandsliebe, die in dem Karakter desdeütschen Volks hervortritt. Die Zersplitterung des deutschen Landes inso viele Staaten, die aus ihrer Selbstständigkeit nothwendig sich entwik-kelnde Verschiedenheit der Interessen, befördert durch Verschiedenheit derpolitischen und merkantilischen Institutionen, haben wesentlich dazu beige-tragen , die Liebe für das ganze Vaterland zu schwachen; aber in derGegenwart sind zwischen den meisten Staaten Vereinbarungen getroffen,welche diese Mißverhältnisse ausgleichen, und in den künftigen Geschlechternechte Vaterlandsliebe wecken werden.
3. Sprache.
Die deütsche Sprache und slavische Dialekte sind in Deutsch-land die herrschenden Sprachen; außerdem sprechen diejenigen BewohnerDeutschlands, welche nicht dcütscher oder slavischer Abstammung sind, dieihnen eigenthümlichen Sprachen: so finden wir das Italiänische im süd-lichen Tirol und am adriatischen Meere, das Französische in dem obenerwähnten kleinen Bezirk der niederrhcinischen Vorterrasse, in Malmedyund dessen Umgebungen, und außerdem die hebräische Sprache unter denJuden.
Die deütsche Sprache zerfällt in die hochdeütsche und platt-deütsche, von denen jene die Schrift-und Bücher-und die Rede-Spracheder Mehrheit der Gebildeten, diese die Rede-Sprache des Volkes ist. DasPlattdeütsche zerfällt in viele Mundarten, die man, nach der Lage derLandschaften, wo sie gesprochen werden, in obcrdcütsche und niederdeütscheeintheilen kann.
Die oberdeütschen Mundarten sind im Munde des Volksin den Alpen, auf dem Plateau von Deütschland und im hercynischcnBergspstem. Der Größe des Landes angemessen, haben sie einen größernUmfang, d. h. sie werden von einer größern Anzahl Deütschen gesprochenals die niederdeütschen Mundarten. Unter den oberdeütschen Mundartenbemerkt man —
Die alemannische Mundart, die Sprache der deütschen Schwei-zer, die sich innerhalb der politischen Gränzen Deütschlands bis in dennordwestlichen Theil der Alpen und auf dem Schwarzwalde und im Rheinthal