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Europäisches Staatensystem.
Silberwaaren haben mehrere deutsche Städte, namentlich Augsburg, schonseit dem Mittelalter einen hohen Ruf behauptet, durch Kunstfertigkeit ihrerProduktionen; Wien und Berlin excelliren in diesem Zweige der technischenKultur durch geschmackvolle, der Antike entlehnte Formen, doch aus Kostender Solidität, nur aufs Auge berechnet, hierin dem Zeitgeschmack folgend,der nur aufs Äußere sieht. Die Thon- und Glaswaaren-Fabrikation hatin Deütschland eine hohe Stufe der Ausbildung erreicht; Wiener, Berliner,Meißner Porzellan wird svwol wegen der Schönheit seiner Masse alsauch wegen der Schönheit seiner Formen und Verzierungen allgemein ge-sucht, und böhmisches Glas trifft man in aller Welt. Die Leder-Manu-faktur wird besonders in den preüßischcn Rheinlanden betrieben; Seife-,Talg- und Wachs-Fabriken giebt es an mehreren Orten. Die Papier-fabrikation hat in der neuesten Zeit große Fortschritte gemacht, doch ohnebis jetzt im Stande gewesen zu sein, in Beziehung auf die feineren Papier-Sorten, Deütschland vom Auslande unabhängig zu machen. GrößereGewerbe im Sieden, Brauen und Brennen werden an vielen Orten betrieben;großartige Zucker-Raffinerien giebt es in Hamburg, Berlin, Potsdam u. s. w.,und die Fabrikation des Runkelrüben-Zuckers gewinnt, von der physischenKultur unterstützt, immer mehr Umfang; Baiern ist wegen seiner Bier-brauereien berühmt. Dieses Gewerbe pflanzt sich jetzt auch nach Nord-deütschland fort, um, wir wollen es hoffen, die Branntwein-Bereitung zuverdrängen, die dort eine schreckenerregende Ausdehnung erlangt hat. DerSchiffbau ist in Deütschland von keiner Bedeütung, daher auch nicht dasdavon abhängende Gewerbe der Tauschlägerei und der Segeltuchbereitung.Dagegen verdienen hier noch die Werkstätten angeführt zu werden, in denender deütsche Knnstfleiß mathematische und physikalische Werkzeüge allerArt, chirurgische und musikalische Instrumente hervorbringt. München,Wien, Berlin und Kassel stehen in Beziehung auf die zuerst genanntenoben an, Wien und Berlin ganz besonders in Hinsicht auf Tonwerkzeüge.
Die großen Fortschritte, welche der Deütsche seit der Zeit, daß erwieder einem gemeinsamen Vaterland angehört, also seit dem Jahr 1815,auf der Bahn der technischen Kultur gemacht hat, ist die Frucht außer-ordentlicher Anstrengungen Seitens der Regierungen der deütschen Staaten.Sie haben es eingesehen, daß, um der Industrie aufzuhelfen und ihr Auf-schwung zu geben, es nothwendig sei, die Gewerbtreibenden zu — erziehen,und die großen Entdeckungen, welche auf dem weiten Felde der Natur-Wissenschaften gemacht worden sind, in das bürgerliche Leben einzuführen,zur Nutzanwendung und zum praktischen Verbrauch in den Gewerben allerArt. So sind in allen Gauen deutscher Zunge Unterrichts-Anstaltcn fürdie Bildung der Gewerbtreibenden und Handwerker entstanden, und woderen schon vorhanden waren, diese erweitert und dem zeitigen Standeder Naturwissenschaften und der Industrie angemessen, neü eingerichtetworden. Alle größere deütsche Staaten haben in ihren Hauptstädten gleich-sam hohe Schulen für den Gewerbfleiß errichtet, unter dem Namen von Ge-werbe- und polytechnischen Instituten, technischen Bildungs-Anstaltcn n.s. w.,deren es in Wien, Berlin, Dresden, München, Stuttgart, Kassel, Karls-ruhe, Braunschweig :c. giebt, wo junge Leüte in allen theoretischen undpraktischen Kenntnissen des Gesammt-Umfanges aller technischen Gewerbe,