Deutsches Volk.
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6. Kultur des deutschen Volks
Die verschiedene» Zweige der physi schon Kultur haben in Deutsch-land mehr oder minder große Fortschritte gemacht. Von den Produktionendes Pflanzen-, Thier- und Mineralreichs ist bereits früher die Rede ge-wesen. Wo die Boden-Beschaffenheit es nur immer zulaßt, da steht derAckerbau in hoher Blüthe, reichliche Ärntcn lohnen den Fleiß des deütschenLandmanns, der in manchen Gegenden durch Umsicht in dem Betrieb derAckerwirthschaft den berühmtesten Landwirthen Eürvpas, den Engländern,nicht im Mindesten nachsteht. Auch als treffliche Viehzüchter haben sichdie Deütschen stets ausgezeichnet, namentlich in der Schaafzucht haben siewährend der neüern Zeiten Riesenschritte gethan. Die Forstzucht, in allenLändern Eürvpas aus die gränzenloseste Weise vernachlässigt, hat in Deütsch-land ihre ersten wissenschaftlichen und praktischen Bearbeiter erhalten;Deütsche sind die ersten gewesen, welche, von umfassenden Ansichten ge-leitet, diesem wichtigen Zweig der physischen Kultur eine besondere Auf-merksamkeit gewidmet haben; doch gehört dies Aufblühen einer rationellenForstwirthschaft auch nur der neüern Zeit an. Dagegen stammt derBergbau aus hohem Alterthum; seit uralten Zeiten sind die Deütschendie Lehrmeister aller Nationen in der Gewinnung der Mineral-Schätzegewesen.
Was die technische Kultur des deütschen Volks anbelangt, sohaben manche Zweige derselben einen hohen Grad der Ausbildung seitlange behauptet. Deütsche Leinwand ist in der ganzen Welt bekannt undgeschaht; im höchsten Flor steht die Leinwandweberci in Westfalen, inSchlesien und der Lausitz; Bielefclder und schlesisches Linnen findet seinenguten Absah in ganz Eürvpa, in der Neüen Welt rc., und die schonaucr(lausitzer) Damastwcberei hat sich stets durch Solidität des Fabrikats ebensowol als durch geschmackvolle Muster ausgezeichnet. Mit dem Auf-schwünge, den die Schaafzucht seit dem letzten halben Jahrhundert erfah-ren, hat die Wollen-Manufaktur gleichen Schritt gehalten. Sonst liefertenenglische und niederländische Manufakturen Las beste Tuch, jetzt steht ihmdas deütsche Tuch nicht allein gleich, sondern übertrifft es in mancherBeziehung; Feinheit der Wolle, Festigkeit des Gewebes, Dauerhaftigkeitder Farbe, aüßcre Eleganz durch vervollkommnete Appretur rc., das sinddie Eigenschaften, welche die Fabrikate der Tuchwebereien in Brandenburg,Sachsen, Böhmen, Mähren, am prcüßischen Niederes,ein rc. zu einemgesuchten Artikel des auswärtigen, — des Welt-Handels erheben. Alleübrigen Wollen-Fabrikate, Casimire, Halb-Tuche, sogenannte Kaisertnche,Merinos u. s. w. halten damit Schritt. Die Banmwollcn-Manufakturerfrcüt sich einer sorgsamen Pflege, vornehmlich in Sachsen, Österreich undam Rhein; die Seidenweberei in Wien, Roveredv, Gvrz, in Berlin, El-berfeld, Crcfeld rc. rc.; in letzterem Orte beschäftigt man sich besondersmit der Sammt-Fabrikation. Metallwaaren, namentlich Eisen- und Stahl-Waaren, werden in großer Vollkommenheit und großer Menge in derSteiermark, in Österreich, in den preüßischen Ländern am Rhein und inWestfalen, am Harz rc. rc. verfertigt; Messingwaaren am preüßischenRhein, in Baiern und Brandenburg; in der Fabrikation von Gold- und