Buch 
4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
58
JPEG-Download
 

58

Europäisches Staatenfvstem.

aller ihrer in Deutschland vorhandenen Jünger an ambülanten Sitzungs-orten, einen großen Antrieb gewonnen. Diese Versammlungen deutscherNaturforscher und Ärzte, die von Oken gestiftet worden sind, haben schondie Coryphäen der Physischen Wissenschaften aus fernem Auslande an sichgezogen, und zu ähnlichen Vereinen in Frankreich und England das Vor-bild gegeben. Für wissenschaftliche Sammlungen der manchfachsten Artist aller Orten sehr reichlich gesorgt; eine Naturaliensammlung hat wol jedebedeüteudere Stadt auszuweisen, wenn auch nicht immer zur öffentlichenBenutzung, doch im Besitz von Privatpcrsooen; die Sternwarten zu Altvna,Berlin, Breslau, Göttingen, Mannheim, München, Prag, Seeberg beiGotha, und Wien, denen noch die preußische zu Königsberg zugezähltwerden muß, sind für die Erweiterung der Himmelskunde auf die ausge-zeichnetste Weise thätig; die Liebhaberei für Astronomie ist in Deütschlandsehr groß, zahlreiche Privat-Sternwarten geben hievon Zeugniß, unter denennur die Olbers'sche zu Bremen, und die Beer'sche bei Berlin genannt zuwerden brauchen, um an die wichtigsten Arbeiten der Stern- und Himmels-kunde zu erinnern.

Auch die schönen Künste erfrcüen sich in Deütschland einer sorgsamenPflege: es giebt Akademien zu Berlin, Düsseldorf, München und Wien,die den Kunstgeschmack in Malerei, Bildhauerei,. Baukunst, Musik zulaütern streben, und Anleitung geben znr Technik der Künste. Der Kunst-sinn bat in Deütschland, und ganz besonders im nördlichen Deütschland,tiefe Wurzeln geschlagen unter allen Gebildeten, ja unter dem Volke;die Malerei ist durch 3 Schulen repräsentirt, durch die Berliner, Düssel-dorfer und Münchener, die auf etwas verschieoenen Wegen alle drei nachEinem Ziele, dem der Schönheit, streben, und den Beweis geliefert haben,daß auch in unsern Tagen der deütsche Genius eben sowol die erhabenstenals die anmuthigsten Kunstgebilde hervorzurufen vermag. Neben denAkademien sind auch die öffentlichen Kunst-Museen als Pfleger des Kunst-geschmacks zu betrachten, die zahlreichen Gemäldesammlungen und Antiken-Kabiuette, deren die deütschen Staaten vornehmlich in Berlin, Dresden,Kassel, München und Wien besitzen. Die Bildhauerei hat in Deütschlanddie größten Meister auszuweisen; und die Baukunst hat durch einigeeminente Genies, unter der freisinnigsten Unterstützung einzelner Regierungen,einen Schwung erhalten, von dem man keine Ahnung hatte, und, waswol zu bemerken ist, die Baukunst hat sich nicht auf öffentliche Denkmälerdes Prachtbaus beschränkt, sie hat ihren gelaüterten Geschmack auch indas bürgerliche Leben, in Stadt und Land, verbreitet, sie ist unablässigdarauf bedacht, ihre Herrschaft dort immer mehr zu erweitern, zum Nutze»und Vergnügen des Volks; die Wohnungen werden allgemach bequemer,gesünder.

Dieses rege Treiben der Deütschen auf dem weiten Felde der Wissen-schaften und Künste hat in den gegenseitigen Verkehr und in den Austauschder Ideen eine Lebendigkeit gebracht, von der in keinem andern LandeEurvpa's ein Beispiel auszuweisen ist. Der deütsche Buchhandel, in derStellung, welche er seit der Reformation allmälig eingenommen hat, mußals ein Haupthebel für die geistige Kultur des deütschen Volks angesehenwerden. Aber auch in materieller Beziehung ist der deütsche Buchhandel