Deütsches Volk.
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schon der sechste Theil, und nun gar in der Mitte von Süddeütschland,in Baiern, befinden sich unter je 5 Neügebornen vier eheliche und einuneheliches Kind.
Wenden wir uns ab von diesen Zuständen, die in der Brust desVaterlandsfreündes eiu sehr schmerzliches Gefühl erregen! Wenden wiruns lieber zu erfreülicheren Ansichten der Gegenwart und Aussichten indie Zukunft, welche die geistige Kultur des deütschen Volkes darbietet.Zur Verbreitung derselben dienen in den Städten zahlreiche Schulen fürden Bürger- und Handwerksstand als Elementar-Unterrichts-Anstalten;für die höheren bürgerlichen Gewerbe und Beschäftigungen Real-, Gewerbe-und Handelsschulen rc.; für die Bildung von Volksschullehrern sehr vieleSeminarien; für die eigentliche gelehrte Bildung eine große Menge vonGymnasien, Lyceen, als Vorbereitungsanstalten für das höhere Studium,das auf 24 Universitäten betrieben wird. Diese sind inDen Österreichisch-deütschen Ländern:
Wien, gestiftet 1365; Prag, 1348; Innsbruck, 1673, crneüert 1826;Olmüh, 1581, erneüert 1827; Grätz, 1586, erneüert 1826.
Den Preüßisch-deütschen Ländern:
Greifswald, gestiftet 1456; Halle, 16S4, vereinigt mit Wittenbergseit 1814; Breslau, 1702, erneüert 1810; Berlin, 1810; Bonn, 1818;und die Akademie zu Münster für katholische Theologen, gestiftet als Uni-versität 1631, erneüert und für den gegenwärtigen Zweck eingerichtet 1818.
Im Königreich Sachsen: Leipzig, 1409. — In Baiern: Würz-bärg, 1403; Erlangen, 1743; München, 1826. - - In Hannover: Gvt-tingen, 1737. — In Würtemberg: Tübingen, 1477.
In Baden: Heidelberg, 1386; und Freiburg, 1457. — In Kur-hessen: Marburg, 1527. — Im Großherzogthum Hessen: Gießen, 1607.— In Mecklenburg: Rostock, 1419. — In den Großherzvglich und Her-zoglich Sächsischen Ländern: Jena, 1557. — In Holstein: Kiel, 1655.
Auf allen diesen Universitäten werden jährlich zwischen 18 und20,000 junge Leute für den gelehrten Stand erzogen.
Die geistige Kultur, und besonders das Fortschreiten des gelehrtenStandes, findet eine große Stütze in den zahlreichen öffentlichen Biblio-theken, die theils in den Hauptstädten, theils in den Universitätsstädtenund auch an andern Orten aufgestellt sind, und die sich bald durch Bände-zahl, bald durch verständige Auswahl der gesammelten Schätze, bald durchgroße literarische Seltenheiten, zuweilen aber auch durch alle drei Eigen-schaften zusammen genommen auszeichnen. Die berühmtesten öffentlichenBibliotheken sind in Wien, Berlin, Göttingen, München, Dresden, Ham-burg, Wolfenbüttel, Stuttgart, Frankfurt a. M., Weimar u. s. w. Beider in Deütschland so allgemein verbreiteten wissenschaftlichen Bildung ge-hören Privat-Bibliotheken nichts weniger als zu den Seltenheiten; undunter ihnen zählt man viele, die einen außerordentlichen Reichthum anliterarischen Schätzen aller Art besitzen. Die Gelehrsamkeit wird gepflegtdurch zahlreiche Gesellschaften und Vereine, unter denen die Akademiender Wissenschaften zu Berlin und München, und die Societät der Wissen-schaften zu Göttingcn, als Staatsanstalten, die namhaftesten sind. DieNaturwissenschaften im Besondern haben durch die jährliche Vereinigung