Deutsches Volk.
63
von Passau 1552 ein Ziel setzte, vermöge dessen die Protestanten Sicher-heit und Ruhe gewannen. Ferdinand II. brach das leidliche Verhältniß,welches sich zwischen den beiden Religionsparicien allmälig gebildet hatte;die absolute Gewalt mißbrauchend, und voll des wüthcndsten Kctzerhasscs,angesucht und genährt durch jesuitische Erziehung, wollte er die Prote-stanten zwingen, all' die geistlichen Güter wieder herauszugeben, welchesie Lurch den Passauer Vertrag erworben hatten. Seine Herrschaft und dieFerdinands III-, seines Sohnes, haben eine traurige Berühmtheit erlangt,durch jenen schanervollcn Krieg, welcher dreißig Jahre lang so viele derschönsten Provinzen verwüstete, die Schweden ins Herz von Deütschlandzog, und endlich den Westfälischen Frieden (24. Oktober 1648) hervor-brachte, der Deütschland eine ganz andere Gestalt gab. Zwei fremdeVolker nisteten sich in Deütschland ein: Schweden und Franzosen. Schwe-,den bekam ganz Vorpommern sammt der Insel Rügen, und einige Distriktevon Hinterpommern, überdem die Stadt Wismar nebst Zubehör, endlichnoch das Erzbisthnm Bremen und das Bisthum Verben, die beide inweltliche Länder, als Herzogthümer verwandelt wurden. Frankreich erhielt,außer der förmlichen Abtretung von Metz, Tont und Vcrdun, in derenBesitz es sich schon 1552, im fünften Kriege mit Karl V., gesetzt hatte,die Landgrafschaft Ober- und Unter-Elsaß, und den Snndgau, so weitdas Haus Österreich sie bisher besessen hatte. Zwar kam ein Theil dieserLänder an Deutschland zurück, Bremen und Verden an Hannover, 1710,ein großer Theil von Vorpommern an Preüßcn, 1720, aber die westlichdes Rheins gelegenen Provinzen sind für das Reich verloren geblieben.
Das Band, welches Kaiser und Reich umschlang, war schon lange,besonders seit der Reformation, aüßerst locker geworden, seiner gänzlichenAuflösung ging es seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts mit star-ken Schritten entgegen: Preüßcns Erhebung unter Friedrich II. verursachteeine bedeütende Veränderung in dem politischem Systeme Deütschlands.Unter allen deütschen Staaten hatte Österreich allein den Rang einesStaates erster Größe eingenommen, und einen überwiegenden Einfluß be-hauptet; Preüßen, durch die Eroberung Schlesiens, und in Folge des sie-benjährigen Krieges (1756 — 1763), stellte sich mit ihm aus gleichenFuß, und Österreichs Macht über das deütsche Reich warb fast ganz ver-nichtet. Zwei große Geister führten diesen Kampf um politische Gewaltihrer Familien, ein weiblicher und ein männlicher: Maria Therisia, dieHabsburgerin, Friedrich, der Hohenzvllern!
Da brach die französische Staatsumwälzung, 1780, herein, nächst derEntdeckung des Neüen Kontinents, und nächst der Reformation das größte,folgenreichste Ereigniß in der Geschichte der christlichen Welt. Beim Aus-bruch der Revolution war Joseph II., Maria Theresiens Sohn, dcütscherKaiser, und das Reich bestand aus mehr als 300 größeren und kleinerenStaaten, von denen die hauptsächlichsten folgendermaßen unter die zehnKreise Maximilians I. vertheilt waren: —
I. Der Österreichische Kreis, dem Hause Österreich ganz angehö-rend; darin —
1) das Herzogthum Nieder-Österreich.
2) JnnerÖsterreich, bestehend aus den Herzogthümern Steiermark,