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Eürvpäisches Staatensystem.
Holzmangcl auch wohl der Grund zu suchen ist, daß die groben Glas-Hütten-Fabrikate einen steigenden Absah eben nach jenen holzärmercn Län-dern gewonnen haben. In Bezug auf Viehzucht lassen sich Fortschrittenicht verkennen. Ist zwar die Einfuhr von Pferden noch überwiegend,so stellt sich doch hinsichts des Schlachtviehs eine so ansehnliche, stetssortichrcitcude Verminderung der Einfuhr aus dem Auslande heraus, daßman unbedenklich schließen muß, die Rindviehzucht habe sowohl an Um-faiig, als an Veredlung der Race wesentlich zugenommen. Und ebendasselbe gilt von der Schaafzucht: der Aufschwung, welcher, als direkteFolge des Vereins, der Tuchfabrikativn zu Theil geworden ist, hat sehrwesentlich beigetragen, den Stand der veredelten Schaafzucht zu fordern,und die Einträglichkeit der Wollprvduktion zu steigern. Mit der Ver-besserung der Rindviehzucht hängt der Gewinn von Talg zusammen; einefast beständige Abnahme der Einfuhr dieses Artikels ist aus den Zolllistcnersichtlich; eben so in dem Artikel Butter. Preüßen ist von allen Vcr-einsstaaten der einzige, welcher noch Butter vvm Auslande kauft, undzwar ist es hier wieder nur eine Provinz, ein Regierungsbezirk, überdessen Gränze sie in's Inland gelangt, über die Gränze des BezirksPotsdam, aus Mecklenburg und Holstein, um fast ausschließlich in Ber-lm verzebrt zu werden. Im Durchschnitt von 1834—36 wurden jährlich33,441 Ctr. bei den Zvllstätten des Potsdamer Bezirks verstcüert, 1837dagegen nur 22,160 Ctr. bei allen Gränzhebestellen des Staats. Einenschlagenden Beweis von der Thätigkeit, den die inheimischen Viehzüchterdiesem Zweige der laudwirthschaftlichen Gewerbe zugewendet haben, kannes kaum irgendwo anders geben.
Was die Einwirkungen des Zollvereins auf die Erzeugnisse des tech-nischen Gewerbfleißes betrifft, so sind diese, in Absicht zunächst der Fabri-kation des Bieres, nicht wohl zu erkennen. Baiern ist das einzige unterden Vereinsländcrn, wo dieses Gewerbe einen außerordentlich großen Um-fang hat, wo vielleicht das meiste Bier in ganz Eürvpa genossen wird.In Preüßen, wo sonst viel Bier gebraut wurde, ist die Fabrikation seitlängerer Zeit immer mehr gewichen; wenn im Jahre 1826 noch ungefähr25 Quart Bier auf jeden Kopf der Bevölkerung kamen, betrug sie imJahre 1831 nur 15 Quart, während sie in Baiern auf 60 und darübersteigt. Und hierbei ist blos auf die Quantität gesehen, nicht auf Qua-lität. Das baierische Bier ist gewiß vier Mal besser, stärker, als daspreußische; man kann daher sagen, daß der Baicr 240 Quart Bier trinkt,wenn der Bewohner des Preüßischen Staats nur 15 verzehrt.
Man kann die Veretnslande in Bezug auf herrschendes Getränk iudrei Klassen zerlegen, in Weinland, Bierland und — Schnapsland. ZumWeinlande gehören: Würtcmberg, Baden, die baierische Pfalz, ein Theilvom Grvßherzogthum Hessen, Frankfurt a. M., Nassau, die preußischeRheinprovinz; — zum Bierlande gehören: Baiern, mit Ausschluß derPfalz, Sachsen und Thüringen; — zum Schnapslande gehören alle übri-gen, hier nicht genannten Vereinslande. Die Branntwein-Fabrikationhat im Preüßischen Staate einen außerordentlichen Umfang genommen,und dies ist namentlich in der Provinz Brandenburg der Fall, derenBrennereien eine gewisse Berühmtheit erlangt haben, indem man sie