Österreichische Monarchie.
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übrige» öffentlichen Gebaiidcn die prachtvolle Börse, das ncüc Schanspiel-haus, das Zollhaus, das Postgebaüde, der Selstffbauwerft, das Rathhausund viele andere, auch Privatgebaüdc. Trieft ist der Sitz des Gubcrniumsvom Küstenlande, eines Stadt- und Landrechtes, eines Handels- undWechselgerichts, mehrerer Marine-Behörden, eines Bischofs und Domka-pitels. An Unterrichts-Anstalten sind vorhanden: eine Navigations-Schule, Real-Akademie, Normalhauptschule, Mädchenhauptschule, israeli-tische Hauptschule, 6 Elementarschulen, Schulen der orientalischen und derillyrischen Griechen, eine Hebammenschule; sodann besitzt die Stadt eineöffentliche Bibliothek und einen gelehrten Verein, das Cabinetto di Mi-nerva genannt, welches seine eigene Bibliothek und viele Kunst- und Na-turalien-Sammlnngen besitzt. Nach Wien und Prag ist Trieft die bedeü-tendste und volkreichste Stadt in den deütschen Erbländern der Österreichi-schen Monarchie, die, während sie vor 80 Jahren kaum 6000 I., undim Jahre 1810 erst 20,000 Jnw. zählte, gegenwärtig, im Jahr 1839,mit Einschluß ihres Weichbildes, von 75,551 Menschen bewohnt ist,größtenthcils Jtaliänern, sodann Jllyriern und Deütschen; die italiänischeSprache ist die herrschende in Trieft. In Bezug auf industrielle Thätig-keit bestehen hier vier Rosvgliofabriken, eine Weinstein-Raffinerie, Wachs-lichter-, Leder- und Ölseifenfabr., Türkischgarnfärbereien, Seilfabrikcn,u. a. m., sodann werden hier vorzügliche Feintischlerarbeiten und guteFortepianos verfertigt. Doch allein der Handel ist es, welcher Trieft zueiner so blühenden Stadt erhoben hat, und in dieser Beziehung, nämlichin Bezug auf Großhandel, ist Trieft ohne Zweifel die erste Stadt derganzen Kaisermonarchie, sie ist die Eingangspforte für alle Kolonial-waaren, für alle Produkte anderer Klimate, die in den ÖsterreichischenStaaten verzehrt oder verbraucht werden, und vornehmlich über Trieftgehen die Produkte Österreichs in's Ausland. Über den Schiffsverkehrim hiesigen Hafen haben wir bereits in der allgemeinen Beschreibung ge-sprochen; es giebt hier über 1000 Handelshaüserl und 1700 Makler,vier Schiffswerfte und bei dem Hafen, der durch prachtvolle Molen ge-bildet wird, auf deren Köpfen Forts zur Vertheidigung des Hafens stehen,zwei Lazarcthe zur Quarantaine. Tricst und Jstrien haben durchaus ita-liänische Natur und Art; so sind die schönen Umgebungen der Stadt mitPinien-, Ziprcssen-, Granaten- und Fcigenhainen geschmückt, und längsder Abhänge des Berg-Amphitheaters, womit die Küste des TriesterGolfs umgürtet ist, schlänget» sich Rebengänge, und es steigen teraffen-förmig die reizendsten Gärten empor, in denen geschmackvolle Villen derreichen Kaufherren den malerischsten Anblick erhöhen. In diesen schönenUmgebungen von Triest, die etwa den ganzen Kreis umspannen, — dernur d. Q.Meilen groß ist — zeichnen sich aus: die Gloriette, dasWäldchen (Boschetto), das Jägerhaus, das Thal von S. Giovanni mitseinen zahlreichen Landhaüsern. Prosecco liefert vortrefflichen Wein; zuLeipizza ist ein Gestüt, aus dem sehr gute Reitpferde hervorgehen, undbei den Dörfern Zanle und S. Servola wird Seefalz bereitet. In demzuletzt genannten Dorfe hat der Bischof von Triest seinen Sommeraufent-haltsort.
21. Der Görzer Kreis, darin: —
Görz, St. am Jsonzo, mit