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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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österreichische Monarchie.

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zu einem Bestandtheile seiner deütschen Bundesländer erklärt hat. Den-noch stehen sie in politischer Beziehung im innigsten Verbände mit Gali-zieu, an dessen landständischer Verfassung ste eben so Theil nehmen, alsalle anderen galizischen Provinzen.

Au schwitz, im Polnischen Oszwieczinn, kl. St. an der Mün-dung der Sola in die Weichsel, mit einem Schloß. Zator, kl. St.an der Skawa, mit Schloß, woselbst zur polnische» Zeit der Landtag bei-der Hcrzogthümer gehalten wurde. Wadowice, kl. St. an derSkawa, 3V86 I. Sitz des Kreisamtes und der Krcishauptschule; großeKaserne. Kenty, St. an der Sola, 3995 I., die sehr gewerbfleißigsind, Tuch-, Leinwand- und Leder-Manusakturen unterhalten, und mitihren Produkten einen bedeutenden Handel treiben. Biola, schönge-baute Fabrikstadt am Fl. gleiches Namens, der schlestschen Stadt geradegegenüber; kathvl. Kirche und luthcr. Bethaus. 4275 I. Über 4VVWcberstühle sind mit der Tuchfabrikation beschäftigt, und fast eben sothätig ist die Lcinweberei, die vorzüglich feine Waare liefert; auch wirdsehr viel Eisen aus den Olkuszcr Bergwerken (in Polen) verarbeitet.Zywiec, auf deütsch Seipusck, St. an der Sola, 3371 Z., die sichebenfalls mit Lein- und Tuchweberei beschäftigen. Außerdem enthaltendie Hcrzogthümer noch die Städtchen Slonica, Zakrzow, Bärwald undLodigowo.

Die Hauptstadt des Königreichs Galizien:

Lemberg, in polnischer Sprache: Lwow, lateinisch Leopolis, fastgenau in der Mitte des Landes gelegen, in Lat. 49° 51' 49" N., Long.21° 42' 3 V" O Paris, 197'/- Postmeilen von Wien entfernt. Lembergbesteht aus der Stadt und vier Vorstädten, die sämmtlich gut gebaut sind,mit regelmäßigen Straßen, die meisten Haüser in neuerm Baustyl, zweiund drei Stockwerk hoch, mchrcnthcils aber nur mit Schindeln gedeckt.Unter den öffentlichen Gebaüden zeichnen sich aus, zunächst unter den14 kathvl., 1 armenisch., 1 griechischen, I evangelischen Kirchen: die statt-liche Domkirche, die Dominikancrkirchc mit einem Denkmale von Thor-waldsons Meisterhand; sodann das vormal. Zesuitengebaüde, die Residenzdes armenischen Bischofs, der Palast des Gouverneurs, das allgemeineKrankenhaus, die große Kaserne in der Vorstadt Zolkicw. Lemberg istder Sitz des Landesguberniums, des galizischen Landtages, des galizischenAppellations- und Kriminal-Obergerichts, des Militair-General-Cvmman-do's, dreier Erzbischöfe, einer evangcl. Superintendentur, des Oberland-rabbiners, so wie des Kreisamtes vom Kreise Lemberg, u. s. w. AnUnterrichts- und Bildungsanstalten bestehen: die Universität mit ihrenHülfsinstituten, darunter die öffentliche Bibliothek; eine ständische Akademie,zwei geistliche Seminare, 2 Gymnasien, eine Real-, eine Normalhaupt-schule, ein Militair-Knaben-Erzichungshaus und militairische Sckwimm-schule. Lemberg hat, ohne Fremde, und ohne die Garnison, 54,965 In-wohner, davon zwei Fünftheile Juden sind, und ist in Absicht auf Be-völkerung die 7te Stadt der Österreichischen Monarchie, kann sich aber inder industriellen Thätigkeit noch nicht mit den großen Städten der deüt-schen, italiänischen und ungrischen Erbstaalen messen, obwohl der Gewerb-