924
Europäisches Staatensystem.
fleiß, wie sich wohl von einer so großen Volkszahl erwarte» saßt, alleBeachtung verdient, und immer mehr steigt. Der Kvmmissions- undSpc-ditionshandcl ist von Wichtigkeit, steht aber dem Verkehre nach, der das großegalizische Handels-Emporium Brody zu einer cwigdaucrndcn Messe macht.Die vormaligen Wälle der innern Stadt sind in schone Spaziergänge ver-wandelt worden. Für das bildende Vergnügen der Lcmberger sorgt dasständische Theater. — Südöstlich von der Stadt liegt das D. Winniki,woselbst sich die k. k. Tabacksfabrik befindet, die Galizien mit Rauch- undSchnupftabak versorgt; Winniki ist von deütschen Kolonisten bewohnt,und eine Kolonie deütschcr Mennoniten hat sich an einem Orte niederge-lassen, den sie Einsiedet genannt haben. Im Lcmberger Kreise liegen diegroßen Staatshcrrschaften Grudck, Ganow und Szczcrzek, so wie die Pri-vatherrschaften Jarudze und Nawaria.
Die merkwürdigsten Orte Galizien s.
Andrychow, kl. St. im Wadowiccr Kreise, mit Schloß und ssistcr-zicnser-Abtei, 1100 I. Starke Leinweberei; 30,000 Stück Leinwand,Damast und Tischzeüg jährlich; treffliche Bleichen. Hier wurde die WahlStephan Batvry's zum Könige 1576 bestätigt. In der Nähe das wich-tige Schweselbergwerk Swvszvwice, welches jährlich 10,000 Centnerliefert.
Bochnia, St. zwischen niedrigen Bergen, V- Meile vom Rabasinßentfernt, ziemlich gut gebaut, aber mit sehr kvthigcn Straßen, mehrerenschönen Kirchen, Sitz des Kreisamtes, einer Bergverwaltung, Salinen-Administralivn, und einer Bcrggerichts-Substitution. Die Bevölkerungbelaüft sich auf 5542 I. Gymnasium, Haupt- und Mädchenschule. Diegrößte Merkwürdigkeit dieses Ortes ist das seit dem Jahre 1251 beste-hende Salzbergwerk, das von Westen nach Osten 100 Klafter lang, undvon Norden nach Süden 75 Kl. breit, und bereits bis auf 720 F. Tiefeausgebrütet ist. 300 Arbeiter sind hier täglich beschäftigt, und der jähr-liche Ertrag ist während der letzten Zeit 229,150 Ctr. gewesen.
Brody, St. im Iloczower Kreise, am Sucha-Wilka-Bache, in einerwaldumgränzten Ebene, mit drei Hauptpfarrkirchen, einer römisch-katholi-schen und zwei griechischen, drei großen Synagogen; unter den weltliche»Gebäuden sind: das gräfl. Potvckische Schloß, die k. k. Kammer, dasHauptzollamts- und das Magistratsgebäude bcmerkenswcrth; kathol.Hauptschule, israelitische Realschule mit physikal. Kabinet. Brody ist,der Bevölkerung nach, die zweite Stadt Galiziens, denn sie zählt 21,670I., wovon sechs Siebentheile Juden sind; der Handelsihätigkeit nachaber die erste Stadt des Königreichs, und in dieser Beziehung einer derwichtigsten Plätze der ganzen Kaiscrmonarchie, denn hier in Brody ist dergroße Tauschhof zwischen den österreichischen Staaten und dem russischenReiche, ja man kann sagen, zwischen dem Occident und dem Orient, min-destens im mittleren Eürvpa. Vierzig Großhandlungen und 200 kleinereKaufleüte führen hier die großartigsten Geschäfte, die meistens in denHänden der Juden sind.
Brzeza n, Kreishauptstadt am Lipa-Gnita, 6899 I. Schloß, Gpm»nasium, Kreishauptschule, Gärbereien, Webereien, Flintensteinfabrik.