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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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O st e r r e t ch i fch e M o u a r ch I e.

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Kirchen und I Kapelle, ein Manns- und ein Ursuliner-Nvnuenkloster,das einzige Fraueukloster in Siebenbürgen,' 4 lutherische Kirchen, einerefvrmirte, eine unirt-griechische und zwei disunirt-griechische Kirchen. AnUnterrichtsanstalten bestehen hier I kathol. Gymnasium und I Normal-Hauptschule; 1 lutherisches Gymnasium, das mit den Lyceen auf einerStufe des Unterrichts steht, indem dasselbe das Studium der philoso-phischen Wissenschaften, der Theologie und des siebcnbürgisch-sächsischenMunicipalrechts umfaßt; 1 lutherische Bürgerschule. Mit dem lutherischenGymnas. ist eine Biblivth. und Münzensammlung verbunden, auch besitztdie Stadt in der Bruckenthalschen Bibliothek und den damit in Verbin-dung stehenden literar-artistischen Sammlungen einen seltenen Schatz.Hermannstadt hat 18,337 I., die ziemlich gewerbfleißig sind in Tuch-und wollene Decken weberci, in der Hut- und Filzstvfffabrikation, so wiein der Fabrikation von Talglichtern, mit denen ein bebrütender Verkehrbis nach Ungern und in die Walachei betrieben wird. Im nahen Heltau,Nagy Disnod, mal. Cstsznedie, einem schonen, großen D. mit 2832 Z.,ist die Manufaktur des groben grauen Landtuchs sehr stark im Schwünge;jährlich werden im Durchschnitt 12,000 Stück verfertigt und fast sämmt-lich nach Ungern und dem Banat abgesetzt.

Bistriz, oder Nösen, Besztercze, k. Frei- und Hauptstadt desBistrizcr Distrikts, am Flusse gl. Namens, einst einer der bedeutendstenHandelsorte Siebenbürgens und Stapelplatz des polnischen Handels, derunmittelbar mit Danzig im Verkehr stand, jetzt verödet, und auf den ge-ringen Verkehr mit der Moldau beschränkt. 5000 Z.; 1 evangelischesund 1 kathol. Piaristen-Gymnastum. Feldwirthschaft ud der gewöhnlicheHandwerksbetrieb sind die hauptsächlichsten Nahrungsquellen.

Kronstadt, Brasso, k. Frcistadt im Distrikt gl. Namens, die volk-reichste Stadt im ganzen Großfürstenthum, mit 22,476 I., und zugleichder Haupthandclsplatz des Landes. Unter den öffentl. Gebaüden dieser,mit ihren drei Vorstädten, der deutschen, ungrischen und walachischen, sehrgroßen Stadt, zeichnet sich die große evangelische Stadtpfarrkirche ganzbesonders aus, sie ist das schönste Denkmal gothischer Baukunst in Sie-benbürgen; sodann die kathol. Pfarrkirche, die Gebäude der katholischenNormalschule und des evangel. Gymnasiums, das Rathhaus, das Kauf-haus. Die Katholiken haben außer der Pfarrkirche noch eine Klosterkirche,die Lutheraner besitzen im Ganzen 6 Kirchen, die Reformirten eine, unddie nichtunirt griechischen Walachen eine; die unirteu Griechen haben einBethaus. Außer den schon genannten Unterrichtsaustaltcn giebt es nocheine griechische und eine walachische Schule. Der Gewerbfleiß Kronstadt'sist sehr umfangreich, ganz besonders blüht die Tuchmanufaktur, und derVerkehr mit den türkischen Provinzen erhebt döse Stadt zu einemwahren Handels-Emporium der südöstlichsten Staaten der ÖsterreichischenMonarchie.

Med iosch, Medgycs, k. Frei- und Hauptstadt des gleichnamigenStuhls, an der großen Kvkcl. Evangel. Gymnasium, kathol. Haupt-schule. 5000 I., die sich von der Landwirthschaft ernähren, namentlichvvm Weinbau, der hier, nach Qualität und Quantität, ein ausgezeichnetesGewächs liefert.