4
Amerikanisches Staatensystem.
reichen Indiens zurückbleibt. — Der Reichthum der Natur der westlichenWelt, in allen ihren Abtheilungen, ist auffallend, und spricht sehr zuGunsten Amerika's; dort, wo nicht wie im hohen Norden oder an derSüdspitze die Strenge des Klima's der Vegetation feindlich entgegentritt,wo erst zusammenhängende Wälder oder ausgedehnte Savannen undPrairies beginnen, von dort aus vermehrt sich die Ueppigkeit des Bo-dens in demselben Verhältniß, als man dem Tropenlande sich nähert.Die gigantische Vegetation jener Gegenden hat der Humus in ungeheue-ren Schichten anfgetyürmt; ganze Wälder sind dort, wie z. B. im aus-gedehnten Mississippithale, im Laufe von Jahrhunderten zusammenge-stürzt und gefault, und haben eine Dammerde gebildet, die dem Anbauer«inen unerschöpflichen Schatz von Pflanzennahrung darbietet. Der rie-senhafte Pflanzenwuchs, den man durch die ganze westliche Welt findet,der Reichthum und Ueberfluß von Thieren, welcher dort die Wälder,Prairies, Flüsse und Seen belebt, beweisen es deutlich, daß die Naturder neuen Welt der alten Welt nicht nachsteht, wie viele neuere Schriftstellerbehauptet haben, und daß auch der Mensch in Amerika nicht ausgeartetist, und der eingewandert« Europäer dort in seiner Nachkommenschaftnicht geistig versinkt, haben die Bewohner des Westens mehr als zudeutlich dargethan; selbst die politischen Verirrungen Süd-Amerika's undMexiko's sind mehr Folgen der früher vernachlässigten Erziehung, alsMangel an physischer und moralischer Kraft; der anglo-germanische Nach-komme ist in Amerika nicht hinter seinen Stammverwandten in Eüropageblieben, das spanische Blut hat in den Tropenländern der westlichenHemisphäre sich nicht verschlechtert, und der freie Neger Ha'i'tys ist nichtweniger kräftig, als sein Bruder in Afrika, ja diesem in geistiger Hin-sicht noch voraus.
Obwohl Amerika alle Klimate der nördlichen und südlichen Halbku-gel durchzieht, ist es doch, im Ganzen genommen, ungleich kühler alsdie korrespondirenden Länder der alten Welt, wozu die Gestaltung desLandes nicht wenig beiträgt. Nord-Amerika ist im Ganzen weit kälterals Eüropa, die Jahreszeiten und deren Wechsel weniger regelmäßig,und Hitze und Kälte gehen mehr in Extreme über. Süd-Amerika» anund für sich schon höher gelegen als die nördliche Hälfte der neuen Welt,und der hochgelegene mittlere Theil Amerika's, der die beiden Halbinselnmit einander verbindet, haben im Allgemeinen eine gemäßigte Tempera-tur, und nur in den Thälern oder auf den Niederungen der Küste em-pfindet man die drückende, ungesunde Hitze der tropischen Sonne. DerLemperaturwechsel ist in keinem Erdtheil so auffallend als hier, undkeiner bietet einen solchen Ueberfluß von Frische und Feüchtigkeit, undin Folge dieser eine so üppige, so säst- und laubreiche Vegetation, alsAmerika, dessen Küstenstriche, aus eben dieser Ursache, in der wärmerenZone verhältnißmaßig nur wenige gesunde Punkte, sondern meistens an-geschwemmte, eine todtende Sumpfluft entwickelnde Niederungen bietet,welche die verheerendsten Fieber erzeügt und die Ansiedelung derselbenverzögert. Der steigenden Kultur und dem Anbaue des Bodens werdenübrigens auch jene Länderstrecken klimatische Aenderungen verdanken, undwird die Kultur des Landes einst dort solche Fortschritte gemacht haben,als in Deutschland, dann wird auch dort das Klima beständiger werdenund mit der Lichtung der Wälder, mit Austrocknnng der Seen und Ent-sumpfung der Niederungen, mit der Anlage von Straßen und der Beseiti-gung der jetzt nutzlos liegenden Prairien und Savannen ein gleichmäßigerer