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Amerikanisches Staatensystcm.
Lage der alten Welt gegenüberliegt, es dieser auch hinsichtlichlich derStaatswirksamkeit und politischen Verfassung gleichsam schroff gegenüber-steht, da hier, in Amerika nämlich, das demokratische oder repu-blikanische Princip eben so überwiegend vorherrscht, als in Eüropa,von unumschränkter Gewalt bis zur Charte herab, das monarchische;und so wie in Europa unter so vielen Staate», außer Sau Marin», denHansestädten und Krakau, nur eine einzige, aus 22 Kantonen vereinigteRepublik, die Schweiz, besteht, alle übrigen Staaten hingegen Monar-chien sind, so wird in Amerika nur eine einzige Monarchie gefunden,Brasilien; alle übrigen Staaten sind Republiken! — Erwägt man dieZeit und die Art der Entstehung dieser Staaten, so erklärt sich dieseallerdings im ersten Augenblick befremdende Erscheinung indeß sehr bald,denn die Begründung des ersten dieser Staaten, der nord-amerikanischenUnion, fiel in jene Tage des vorigen Jahrhunderts, in welchen durchfranzösische Publicisten, denen wiederum die englischen vorgearbeitet hat-ten, das Sraatsrecht eine gänzliche Umwandlung erlitt, und das mo-narchische Princip theils sehr beschränkt, theils ganz zurückgestellt wurde.Staaten, welche in diesem Augenblick sich gründeten, mußten nothwendigdie Färbung der Zeit annehmen, und daß auch bei den ehemaligen spa-nischen Kolouieen diese Hinneigung zum Zeitqlauben entschiedene Rich-tung wurde, findet man, wenn man die Entstehung dieser Staatenbetrachtet und berücksichtigt, von wem sie sich trennten. — Eine Trennungvon bisher monarchischen Staaten gab ihnen ihr Dasein, und dieseTrennung mußte nothwendiaerweise und schon psychologisch auch in derVerfassung eine Trennung sein, denn, welches Volk könnte, wenn esihm unter dem monarchischen Principe unglücklich ging, bei einer völli-gen Losreißung noch weiter ein Vertrauen zu ihm haben. Kam hierzunoch, wie sväter bei den früher spanischen Kolouieen, ein glückliches Bei-spiel und Vorbild, wie es die Vereinigten Staaten von Nord-Amerikagaben, dann hätte es nur befremden können, wenn die, welche sich zuÄhnlichem versucht fühlten, nicht dieselbe Bahn eingeschlagen hätten. —So entwickelt« sich nach und nach in dem kurzen Zeiträume von sieben-zig Jahren (von 1776 an) das Am erika n i sch e S ta a t e n-Syst em:Die vielzweigige, kurzstämmige Pflanze der Demokratie entfalteteund verbreitete ihre schattigen Blätter und Ranken über das weite Land,dessen Besitz und Reichthümer zu erlangen, die Conquistatoren MillionenMenschen hatten verbluten lassen, dessen südliche Hälfte ein Pabst durcheine Bulle theilte, und in dessen nördlicher, schon im zweiten Jahrhun-derte der Entdeckung, die Verfolgten und Unglücklichen Eüropa'ö einAsyl, einen neüen Wirkungskreis für ihre Thätigkeit fanden. — Nir-gends gedieh auf diesem Boden der perennirende, hochstämmige Baumder absoluten Monarchie; nirgends erbliche Macht und Herrschaft, son-dern kurzdauernde Repräsentation der National-Gewalt in Präsidenten,gesetzgebenden Kammern und Senaten; nirgends Vereinigung der ver-schiedenen Zweige der öffentlichen Gewalt in ein und derselben Hand,sondern überall strenge Trennung und Theilung der gesetzgebenden vonder vollziehenden, und beider von der richterlichen Macht; nirgends umLohn und Sold (denn die Gehalte der höchsten Beamteu sind von keinerlockenden Größe), sondern um Ehre und öffentliches Vertrauen der Mit-bürger, dem gemeinen Wesen geleistete Dienste; nirgends von Oben,aus einer eigenen Kaste bestellte, fremde, sondern aus dem Volk undseines Gleichen genommene Richter; nirgends stehende, auf Krieg und