Amerika.
171
Leben zu bilden, weßhalb auch die Unterrichtsgegenstände, die in dendortigen Schulen am besten gelehrt werden, in Arithmetik, Geographie,Grammatik, Lesen und Deklamiren und Sprechen bestehen. Der Ge-schmack für Mathematik ist so allgemein, daß selbst in MädchenschulenGeometrie und Algebra gelehrt wird, weniger aber ihrer Nutzbarkeit we-gen, als um den Geist und die Urthrilökrast der Schülerinnen zu schärfenund zu üben. Physik, Astronomie und Chemie werden beiden Geschlech-tern vorgetragen, und ebene und sphärische Trigonometrie gehört selbstin vielen Mädchen-Instituten zu den vorgeschriebenen Gegenständen desUnterrichts; zwei Gegenstände des Elementar-Unterrichts werden aberdurchaus besser knltivirt, als selbst in Deutschland, dessen Erziehungs-wesen in den letzten zehn Jahren die Aufmerksamkeit der Amerikaner aufsich gezogen hat. — Lesen und Sprechen. Die Amerikaner bemühensich mehr, ihren Kindern eine gute Aussprache zu lehren, als die Eng-länder. und vernachlässigen die Eleganz des Ausdrucks nicht, dem inDeütschland leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird; die Lehrerbegnügen sich nicht, wenn ihre Schüler nur verstehen, was sie lesen, oderwenn sie nur fähig sind, das mit dem Auge aufzufassen, was sie unfä-hig sind mit Klarheit und Bestimmtheit auszudrücken, sondern vernach-lässigen über den Gehalt der Gedanken die Form derselben durchaus nicht.Diese Fähigkeit der Amerikaner, alles was sie einmal verstanden haben,schnell und mit Bestimmtheit auszudrücken, entspringt eben so sehr ausihrem System der Erziehung, als aus dem praktischen Genie der Na-tion, und ist mit unglaublichen Bortheilen in den Geschäften des bür-gerlichen Lebens verbunden. Der gebildete Deutsche ist vielseitigerals der Amerikaner, letzterer aber weiß das, was er gelernt hat, anden Fingern herzuzählen und im Leben anzuwenden, und so reicht eineKleinigkeit aus diese Weise weit, und die Masse von nützlichen Kennt-»isieii und ihre Anwendung, welche dadurch jeden Winkel der VereinigtenStaaten durchdringt, ist wunderbar, wenn man sie mit den verhältniß-mäßig geringen Mitteln vergleicht, durch welche sie in'ö Leben gerufenwerden.' Hierin liegt der größte Unterschied zwischen den Deutschen undden Amerikanern germano-britischer Abstammung: wir Deutschen sindzwar unstreitig das erste Bolk in der Welk, um Materialien zu sam-meln, aber die Amerikaner verstehen sie zu benutzen. Unser Schulsystembefördert die Ausbildung des Geistes auf Kosten aller Anwendung im ge-meinen Leben, das Amerikanische hingegen zielt iinmer auf praktischenNutzen und Geschicklichkeit, und bestimmt den Menschen zum Handeln.—Dem Elementarunterricht wird in den Vereinigten Staaten große Auf-merksamkeit gewidmet, der religiöse Unterricht der Kinder ist aber gänz-lich ausgeschlossen und bleibt beinahe ganz den Eltern überlassen: einVerfahren, was durch die vielen kirchlichen Sekten bedingt zu sein scheint,öie sich oft in einer und derselben Schule vereinigt finden ; nichts destoweniger herrscht in Amerika eben so viel theoretische und praktische Re-ligion, als in irgend einem Lande Eüropa's. — Auch an höheren Bil-buiigSanstalten (llniversitieg aucl sind die Vereinigten Staaten
jucht arm, und die Grundlage einer gelehrten Erziehung ist in allenStaaten der Union anzutreffen. Die Zahl der Studirenden (1835 : 6,185;^ 1842 : 16,233) verhielt sich 1835 zur ganzen Bevölkerung wie I : 2,678(1812 sogar wie I : 1,706), während sie zu derselben Zeit im westlichenEuropa (wo sie auf 69,634 sich belief) sich wie I : 2,285 verhielt.