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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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Amerikanisches Staatensystem.

nunqen in der Verwaltung, der Geiz der Beamten, die skandalösen Er-pressungen derselben und ihre Bestechlichkeit, das zügellose Leben derGeistlichen, die sich leider nicht den edlen Las Casaö zum Muster nah-men. und die grausame Unterdrückung der Indianer mußten den tiefstenEinfluß auf den Volkscharakter gewinnen und eine durch alle Dvlks-klasseu herrschende allgemeine Verdorbenheit hervorbringen. Jene Miß-brauche sind übrigens auch jetzt noch vorhanden und äußern ihren Ein-fluß noch beständig, der auch fortdauern wird, so lange bis ein anderesGeschlecht vorhanden ist, gebildet durch bessere Grundsätze und Ange-wöhnungen mittelst der Erziehung. — Man schmeichle sich nicht damit,daß die Worte Freiheit und Unabhängigkeit solche Zanberwirknn-gen haben, all' jene Gebrechen mit einem Male verschwinden zu machen,oder die Gesellschaft selbst gänzlich umzugestalten. Nur die Zeit undein schrittweise fortgehendes Negierungssystem, nicht ein solches, wieSanta Anna in Mexiko zu schaffen sucht, kann solche tiefe Wunden imVolke heilen. Im Charakter desselben ist noch keine Veränderung vor-gegangen und wird keine erfolgen, bis das ganze aus der alten spani-schen Herrschaft abstammende Geschlecht, das die Revolution gesehen undmit durchgemacht, weggestorben ist. Übrigens haben alle diese Völkerein verständiges, gelehriges und munteres Wesen, aber es gebricht ihnenaller Unterricht, und deßhalb bleiben sie in niedrigen Verhältnissen, dieSklaven einzelner Schlanköpfe, und wegen Mangel an Vorbildern kannkeinerlei Racheiferung bei ihnen sich entwickeln.

Trotz der errungenen und anerkannten Freiheit ruht da» Grund-eigenthum noch in den Händen Weniger, so daß die große Mehrzahlder Einwohner das Land nur im Dienste der andern, der Eigenthümer,baut, in Frobn oder in Pacht. Wie fruchtbar nun auch der Boden, wiegesund das Klima, wie vortheilhaft die ganze Lage des Landes sein mag,der Landbau liegt darnieder und wird niederliegen, weil ihm das wich'tigste Reizmittel fehlt, wodurch die Arbeit allein zur Freude wird, dasBewußtsein nämlich des eigenen Besitzes oder des Eigenthums. — Nochtiefer steht der Gewerbfleiß und die städtische Industrie. Was dieneüen Staaten davon besitzen, ist das Werk der Fremden, die man deß-halb beneidet und haßt. Nur die Peruaner verfertigen noch gegenwär-tig schönes Pferdegeschirr, Sättel, Zaüme, Meintet, Teppiche, Strohhnteund sehr künstliches Geflechte; sie bearbeiten Kupfer und Zinn blos mirdem Hammer und führen schönes Geräthe darin» aus, und auch in derTöpferei und Holzschnitzkunst haben sie es sehr weit gebracht; sonst abersind nirgends gewerbliche Anstalten und die Industrie liegt fast gatzänieder. — Auch der Handel und die Schifffabrt befinden sich noch ganz r»den Händen der Ausländer. Die 15 Häfen Mexiko's, unter denen Vera-Cruz. Tampico und Matamoras an der atlantischen Seite, und Acapulco,Sän Blas und Mazatlan im Westen die wichtigsten Ein- und Ausfnh^Häfen sind, beschäftigen zusammen nur gegen 40» Schiffe, von denen40 Procent den Anglv-Amerikanern, 20 den Engländern, 20 den Deut-schen. >5 den Franzosen und die letzten 5 Procent nach andern Länderndes spanischen Amerika gehören. Der Verkehr, den die Staaten desspanischen Amerika unter sich haben, ist womöglich noch geringer, »nmehr als betrübt, daß Länder, deren Knstenlinie nach Tausenden voSeemeilen zählt, in ihren äußeren Handelsbeziehungen ganz unter deHerrschaft fremder Flaggen stehen. — Der Binnenhandel liegt ebennoch so in der Kindheit: Mexiko ausgenommen, sind in keinem Lanoe