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Mohammedanisches Staatensystem.
Beherrscherin zweier Meere, zweier Welttheile bestimmt ist. Aber sobaldman durch eine der Pforten getreten ist, folgt dem ersten Eindruck desStaunens und der Bewunderung ein zweiter, der der Überraschung undEnttäuschung. Konstantinopoliö, Jstambul des gemeinen, Konstantiniedes gebildeten Türken, Zaregrad, d. h. Königsstadt im Munde der Bul-garen und Machen, ist schlecht gebaut, nur ein Haufen türkischer Hüt-ten ; längs der engen, schlecht gepflasterten Straßen stehen unregelmäßige,unscheinbare, winzige Haüser, bald von Lehm, bald von Holz aufgeführt.Eine Feüersbrunst gehört zu den täglichen Erscheinungen, und die Pestbricht fast jedes Jahr aus, trotz der abwehrenden Anstalten, die dieneüere Zeit hervorgebracht hat. Auch der moralische Eindruck, den manin Konstantinopel empfängt, ist eben nicht angenehm. Man ärgert sichüber den stolzen Blick und hochmüthigen Gang des Muselmanns, demunterthänigen, furchtsamen und niedrigen Benehmen gegenüber, welchesder Jude, der Armenier und selbst der Grieche zeigt; dieser Gegensatz istso auffallend, daß der Fremde an der Haltung des Menschen erräth, ober Muselmann oder Raja sei, ohne noch den Unterschied in der Kopfbe-deckung und Fußbekleidung zu kennen. Das unter dem Namen Fanarbekannte Stadtviertel wird von dem traurigen Überrest byzantinischerFamilien bewohnt, die, indem sie unter der Schärfe des muselmännischenSchwertes erzittern, sich den Titel von Fürsten beilegen, um die zeitlicheSouverainetät der Wallachei und Moldau feilschen, sich durch jedesMittel bereichern, vor jedem Machthaber kriechen und das treüe Bilddes Niedern-Neiches darstellen. Das Serail oder der Palast des Groß-herrn hat von der Gartenseite, die nach dem Bosporus hinausgeht, einromantisches Ansehen. Es ist «in ordnungsloses Gemisch von Pavillons,Gefängnissen, Kasernen und Gärten; eine Stadt für sich, eine Stadtasiatischer Wollust und afrikanischer Sklaverei, eine Stadt, die Ehre,Vernunft und Mitleiden nie in ihren Mauern gekannt hat. Ein ehr-würdiges Denkmal des Alterthums, die im sechsten Jahrhundert vonKaiser Justinian der göttlichen Weisheit geweihete Kirche, die unter demNamen der heiligen Sophia bekannt ist, ist glücklicher Weise erhaltenworden. Aber sie hat ihre Erhaltung nur dem Umstand« zu verdanken,daß sie in einen mohammedanischen Tempel, in eine Moschee verwandeltwurde. Obschon ihre Architektur dem Baustyle weit nachsteht, welcherdie große, klassische Periode charakteristrt, dennoch ist ihr Anblick im-posant. Der alte Hippodrom ist heüt zu Tage eine öffentliche Prome-nade. Nur eitle schwache Citadelle ist das berühmte Schloß der siebenThürme, das alte Cyclobion, wo die Gesandten der fremden Mächte ein-gesperrt werden, wenn zwischen diesen und der Pforte ein Krieg a»S-bricht. Die Moscheen, unter denen sich die des Sultans Achmed, d«eSolimanni- und die der Sultanin Walida auszeichnen, stellen ein bewun-derungswürdiges Bild in einer Landschaft, oder bei einer Erleüchtungdar; allein sobald ein in dem reinen Geschmack gebildetes Auge sie.u»kher untersucht, zeigen diese Gebaüde, die nichts Majestätisches, niwtsAnmuthiges besitzen, einen gewissen Charakter der Nacktheit undbrechlichkeit, der an das Hirtenleben der türkischen Völker erinnert. Ma"schätzt die Bevölkerung von Konstantinopel auf 6««,«»« Seelen;
600 Moscheen sollen vorbanden sein, 130 öffentliche Bäder, SISdressen oder höhere Unterrichts-Anstalten und 35 KuttubschanS oder öf-fentliche Bibliotheken. Was für Bedeutung Konstantinopel fürund Gewerbe besitze, haben wir bereits früher zu erwähne» Gelegene