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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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Mohammedanisch«- Etaatensystem.

Unterricht-kreise jener Kollegien ist. außer der scholastischen Theologie,jedweder andere Zweig der Gelehrsamkeit verbannt, und alle Studienwerden verachtet, die außerhalb deö Koran- und seiner Kommentarienliegen. Der Aberglaube ist allgemein; die Vorschriften in Beziehungauf den Gottesdienst werden mit einer Strenge geübt, wie nirgends an-derswo in den mohammedanischen Landern; Jeder muß sich zur Zeitdeö Gebets in der Moschee einstellen, oder wird mit Peitschenhieben hin-eingejagt. DaS Studium der Medicin bleibt auf seinem alten Stand-punkte stehen und wird mit dem der Chemie verbunden; die Astronomie,die einst in Samarkand in so hoher Blüthe stand, ist der AstrologieUnterthan geworden; der König hält einen Astrologen und befragt, wiejeder seiner Unterthanen, die Zukunft mit Würfeln. Bon Geographieund Geschichte hat man keinen Begriff mehr. Trotz der vielen Medres-sen, kann der größere Theil deö Volks weder lesen noch schreiben. DieTadschikö schicke» ihre Söbue in die Schulen; die Kinder der angesehe-nen Leine lernen nichts als lesen und schreibe» und den Koran auswen-dig hersagen. Die Söhne des Königs haben eigene Lehrer, der Königselbst erklärt ihnen den Koran in Vortragen, an denen auch die Hofbe-amten und zuweilen über 3VU Zuhörer Theil nehmen. Aber ungeachtetder Fesseln, in welche die bigotte Auslegung deö Korans den Geist derBucharen geschlagen hat, ist der Sinn, die Liebe und Achtung für Wis-senschaft und Literatur nicht erloschen, und sie bedürfen nur eines An-stoßes von Außen, um wieder zu erwachen. Die Buchare» sind, wiedie Perser, höflich und kriechend; ihre Nahrung ist einfach, die Kleidungnach den Ständen verschieden; man macht wenig Aufwand, außer jürPferde und Kleidung. Die Frauen sind schön, verunstalten sich aberdurch den Ring zwischen den Nasenlöchern und durch Schminke. Buh-lerinnen sind nicht geduldet; Ehebruch wird mit dem Tode bestraft.Sklaverei herrscht in Buchara. Die Usbeken, alö gute Sunniten, ma-chen sich kein Gewisse» daraus, die von ihnen verachtete» Schiiten zuSklaven zu machen. Persien liefert die meiste» Sklaven, die von denenauf Menschenfang ausgehenden Turkmauuen in ihre» Wohnsitzen auf-gesucht werden. Auch russische und chinesische Unterthanen werden, jedochselten, auf den Sklavenmarkt von Buchara gebracht. Das Schicksalderselben ist schrecklich, ein reicher Usbeke hat gewöhnlich ungefähr vier-zig. von denen er das Land bauen läßt. Zuweilen jedoch gewinnendiese Sklaven, wenn sie Günstlinge ihre- Herrn werden, großen Einfluß,der sich sogar auf die Regierung erstreckt.

6. Verfassung und Ucrwaltung.

Der König von Buchara regiert, wie in den übrigen Staaten dermohammedanischen Welt, als souverainer Despot; nichtsdestowenigeraber steht auch bei ihm die Regierungö-Gewalt unter der Controls derPriesterschaft und wird überdem durch das Nomadenleben eines großenTheils der Bevölkerung gemildert. Er führt den Titel eines Emir-al-Mumenin, oder unumschränkte» Beherrschers der Rechtglaübigen, undnur selten bedient man sich in den amtlichen Schriften deö Titels König-Der König von Buchara sieht sich alö einer der Oberhaüpter der mo-hammedanischen Religion an, obwohl er den Sultan von Konftantiuo-pel, oder den Kalifen von Rom, wie er in Buchara genannt wird, übersich stehend anerkennt, und er stolz darauf ist, sich den Bogenspan»^deö Kalifen nennen zu dürfen. Die allgemeine Verwaltung erfolgt durcy

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