Die hinterindischen Reiche.
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Rationalstolz besitzen, daß sie den allerniedrigften unter ihnen für einenDienschen halten, der den größten Mann jeder andern Nation weit über-trifft; dabei aber sind sie friedfertig, mäßig und dem Gesetz Unterthan.
Buddha's Glaubenssystem ist in allen diesen Ländern die herrschendeReligion, die daselbst in Gaudma oder Gautama das höchste, das ver-ebrnngöwürdigste Princip erkennt, sei es, daß dies eine andere Benen-hung 'für Buddha, oder der Name eines seiner vorzüglichsten Schülersei. Der Bau von Tempeln und die Anfertigung von Bildern Gaud-wa's bilden den großen Gegenstand, auf welchen der Kunstfleiß all' die-ser Nationen gerichtet ist, und mäßig und indolent, wie sie in allenübrigen Dingen sind, sparen sie weder Mühe noch Kosten, um jene Bau-ten und Standbilder würdig auszustatten: Alles wird nur auf dieseneinzigen Gegenstand verwendet, und daher kommt es, daß an ander»öffentlichen Bauwerken, als Brücken, Landstraßen, Brunnen u. d. m.ein großer, wenn nicht ein absoluter Mangel ist. Bei den Tempelnherrscht eine architektonische Verschwendung, die mehr auf Malerei undVergoldung, als auf geschmackvolle und erhabene Formen gerichtet ist.Dennoch zeigen die hinterindischen Völker gerade in diesen Tempclbauten,baß ihnen der Sinn für Kunst nicht fremd ist, was auch von der Musik»nd zwar im Besondern vom Gesang gesagt werden muß. In der bür-gerlichen Baukunst, in der Errichtung von Wvhnhaüsern, sind sie aüßerstMäßig; kein Privatgebaüde zeigt Pracht, aber alle sind, dem Klima an-gemessen, geräumig und bequem eingerichtet. Die Literatur ist in densndo-chinesiscben Ländern weder unbekannt noch vernachlässigt. Ganzbesonders zeichnet sich die birmanische Literatur aus, die sich an die hin-buische und chinesische anlehnt, während die annamische vorzugsweise aufdie chinesische gestützt, und die flämische minder ausgebildet ist, als jenebeiden, obwohl auch sie Gesänge, Romanzan und eine metrische Chronikhes Landes besitzt, und die so lang ist, daß zu deren Necitirung sechsWochen erforderlich sind.
Die landwirthschaftliche Kultur ist in den westlichen Gegenden der'udo-chinesischen Reiche indisch, in den östlichen chinesisch, ohne jedoch dieVollkommenheit erlangt zu haben, welche die Kultur dieser beiden LänderAuszeichnet. Zucker und Pfeffer werden in Siam vorzugsweise von chi-nesischen Kolonisten angebaut. Hauskhiere sind beim Ackerbau wenig inGebrauch, und das brahminische Princip, welches sich nach Birma fort-gepflanzt, verbietet daselbst den Genuß des Nindfleiscbes. Der Elephantwird in allen diesen Ländern, vornehmlich aber in Siam gezähmt, aberchst nur des Pomps halber gehalten. Die Mannfaktur-Industrie stehtHinterindien auf einer sehr niedrigen Stufe: man findet nichts vonhsn schönen und glänzenden Fabrikaten, wodurch sich die Industrie derHindus und Chinesen auszeichnet, und sämmtliche indo-chincsische Völker>u>d in dieser Beziehung von ihren westlichen und östlichen Nachbarn ab-bängjg; namentlich ist es Indien, welches Birma sowohl als Siam mitWaiiufakturwaaren versorgt, während Annam seinen Bedarf aus China
beziehen pflegt. Dennoch ist der Handel sehr beschränkt, und dieVersuche, welche England gemacht hat, den Erzeügnissen seiner Manufak-U'^en Eingang zu verschaffen, sind bisher noch von keinem glänzendenGefolge gewesen. Nangun, am östlichen Mündungsarm des Jrawaddi,A >n Birma; Bankok, die Hauptstadt, am Me Nam, ist in Siam, undAirvn, Hun und Saijon sind in Annam die Haupthandelshäfen. Fischereiin dem zuletzt genannten Reiche ein Hauptnahrungszweig der Küsten»