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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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100
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Bildung betrachtet, unter keine der schon bestehenden Gattungeneinreihen, und der von Fries gegebene Name bleibt wohl derpassendste. Die Entwicklung des Mutterkorns geht stets von demGrunde des Eicrstocks (dem Sitze des Keims) nach' der Spitzezu vor sich; sie scheint von dem Keime selbst auszugehen, derhier nicht, wie bei dem Flug - und Schmicrbrande, unterdrücktwird, sondern zu einer übermäßigen Ausbildung gelangt, und denverkümmerten Eiwcißkörper, sammt den anfgeplazten und zusam-mengeschrumpften Frucht- und Samcnhäuten, nach der Spitzedrängt, wo die leztcrn meist noch längere Zeit, in Form eineshellbräunlichen Mützchens, wahrzunehmen sind"), während dernach außen und oben gedrängte Eiwcißkörper dem ausgebildetenMutterkorn das bestäubte Ansehen ertheilt"").

Das Mutterkorn befällt unter den Getreidearten vorzugs-weise den Roggen, der dagegen sehr selten vvm Brande ergriffenwird, so daß hier der leztcre durch diese Krankheit crsezt zu wer-den scheint. Daher lassen sich auch so ziemlich die gleichen Ver-hältnisse wie dort als Entstchungsursachcn nachweisen, nämlichalle, die eine Ueberladung mit unvollkommen assimilirten Säftenherbeiführen können. Es wird diese Krankheit ebenfalls besondershäufig in regnerischen Jahrgängen beobachtet; aber auch in trock-nen Jahren und auf dürrem, steinigem oder sandigem Bodenwird sie nicht vermißt. Da das Mutterkorn giftige Eigenschaf-ten besizt, so kann dasselbe, wenn es in größerer Menge demMehle beigemischt ist, dieses zu einem ungesunden Nahrungsmit-tel machen, und man will sogar dem häufigen Genusse des durchMutterkorn verunreinigten Brodes die Erzeugung des in Miß-jahren in manchen Gegenden häufig vorkommenden, unter demNamen Kriebelkrankheit bekannten Ncrvenübels zuschreiben ""*).

*) Dieses von den abgestreiften und vertrockneten Häuten des Eier-stocks herrührende Mützchcn wurde von Manchen für den eigent-lichen Pilz gehalten, der, aus einem schleimigen Wesen in dernoch unentwickelten Blüthe entstehen, das krankhafte Auswachsendes Eicrstocks bewirken und von dem leztern in die Höhe gehobenwerden tollte in dlem. 6e la «oc. I,ion. cke ksri» V, p.

566—579,

"») Vergl. unger, die Exanth. d. Pfl. S. 568.

Hier wäre dann auch noch der Rausch des Getreides zu erwäh-nen, der besonders in feuchten Jahren neben dem Schmierbrande