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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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Welcher großen Kälte viele Samen widerstehen können, ohne ihreKeimkraft zu verlieren, ist bereits (II, S. 484) angegeben wor-den, und daraus wird auch das Vorkommen von Pflanzen injenen den größten Theil deS Jahres über von EiS starrendenGegenden wohl erklärbar.

Wir haben indessen (II, S. 485) auch erfahren, daß vieleSamen ebenso eine fchr bedeutende Wärme auszuhalten vermögen,bevor ihre Keimfähigkeit verloren geht, und daß manche Pflanzen ineiner Temperatur von ss- 40 ° bis 60° R. gedeihen können; ja man hat,wie (II, S.500) erwähnt worden, auf JSland Charen in einer heißenQuelle wachsend gefunden, worin in wenigen Minuten ein Ei hart gesot-ten wurde. Daraus ergibt sich, daß die absoluten Wärmegrenzen fürdas Pflanzcnlebcn im Allgemeinen sehr weit gezogen sind. Dem-ungeachtet gibt es für die Mehrzahl der Pflanzen eine mehr be-schränkte niedrigste und höchste Warmcgrcnze, über welche hinaussie sich nicht verbreiten können. So geht der Getreidebau imNorden von Europa zwar bis in jene Gegenden, wo die jährlichemittlere Temperatur unter dem Gefrierpunkte steht, aber in denGegenden der Kordilleren kommt (nach Voussingault'SBeobachtungen) der Weizen innerhalb einer Zone, deren mittlereWärme zwischen -si 20° und -j- 15°,5 N. fällt, nicht mehrfort; wogegen der MayS in einer viel höher» Temperatur nochgedeiht, aber in Gegenden, deren mittlere Temperatur nur wenigeGrade über dem Gefrierpunkte steht, nicht mehr angebaut wer-den kann. Bei einer nähern Dcrgleichnng zeigt es sich jedoch,daß das Gedeihen der Getreidearten auch mehr von der mittlerenWärme des Sommers, als von jener des ganzen JahrcS abhän-gig ist; daher der Getreidebau in der Schweiz schon bei -si 5 °,2und auf den südamcrikanischen Gebirgen schon bei -j- 8° mittle-rer Wärme aufhört.

§. 270.

Nach der mittleren Temperatur eines OrtcS richten sich auchdie verschiedenen Epochen der jährlichen Vegetationsperiode, das'lnSschlagcn dcp Blätter, die Blüthezeit, Fruchtreife u. s. w.Tue mittlere Temperatur ist zwar im Allgemeinen in den demÄquator näher gelegenen Gegenden höher, und nimmt allmälig