Buch 
2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
Seite
149
JPEG-Download
 

hauptsächlich nach der mittleren Temperatur der verschiedenen Jahres.Seiten richten, so werden sich die klimatischen Verhältnisse nochgenauer beurtheilen lassen, wenn wir diejenigen Orte vergleichen,welche eine gleiche mittlere Sommer- oder Wintertemperatur be-sitzen. Man kann solche Orte ebenfalls durch Linien unterein.ander verbinden, und nennt dann diejenigen Linien, welche einegleiche mittlere Sommerwärme bezeichnen, Jsotheren (Liniengleicher Hitze), und diejenigen, welche über die Orte von gleichermittlerer Wintertempcratur hinziehen, Jsvchymenen (Liniengleicher Kälte). Auch diese beiderlei Linien gehen nicht mit dengeographischen Breitekreisen parallel. Die Jsochymenen senken sichvon Westen aus im Innern der Kontinente noch bedeutender nachSüden, als die Isothermen, während die Jsotheren einen entge-gengesezten Lauf verfolgen, und von der Westküste aus sich be-deutend nach Norden biegen").

Es wird auch angegeben, daß auf der südlichen Halbkugelder Erde die Temperatur unter den gleichnamigen Breitegradenniedriger sey, als auf der nördlichen Halbkugel. Indessen scheintnach dem, was wir von der Vegetation in jener Hemisphäre wis-sen, der Unterschied nicht so groß zu seyn, als man nach man-chen Angaben vermuthen sollte. An der Magellansstraße, beiPort Famine ( 53 " 44 ^ südl. Br.) und auf dem Fcuerlande, inder St. Franciscus-Bai (55° 54^ südl. Br.) wachsen noch Bäume,zu Schiffsbauhvlz tauglich, im Ueberfluß; beim Kap Horn(in der nämlichen Breite) und auf der Insel Staatenland ander südlichsten Spitze Amerika's besteht (nach Webster) die Ve-getation fast ganz aus immergrünen Pflanzen, unter welchen nochverschiedene Bäume und Sträucher sind; selbst auf Neu-Süd-Shetland (zwischen 61° und 63° südl. Br.) fand Weddell

*) Zu bemerken ist noch, daß die mittlere Temperatur der Erde nichtüberall mit der Luft übereinstimmt, indem die erstere in denhoher» Breiten weit schneller abnimmt. Man unterscheidet dahernoch die Linien, welche Orte von gleicher Mitteltemperatur derobern Erdschichten verbinden, als Jsogevthermen. Eine Karteüber die Isothermen und Jsogevthermen der nördlichen Halbkugelhat Kämtz'(Lehrbuch der Meteorologie, Bd. 2 ) und hiernach Beil-schmied (in Wikström's Jahresbericht über die Fortschritteder Botanik im Jahre 1832) mitgetheilt.