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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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weise ordnende und erhaltende Macht, welche im Anfange dasganze Weltall entstehen ließ.

Zweiter Abschnitt.

Von der Vegetation der Ieztwelt oder nach derS ü n d f l n t h.

§. 292 .

Nach der lezten großen Katastrophe, welche der Oberflächeder Erde ihre jetzige Gestalt gab, muß abermals eine neue vegc-^tabilische Schöpfung stattgefunden haben, da die gegenwärtigePeriode wieder ihre eigene, nicht nur^von jener des zunächst vor-hergehenden Zeitraumes verschiedene, sondern auch an Mannich-faltigkcit der Formen die Floren aller vorausgegangenen Bildungs-pcrioden übertreffende Vegetation bcsizt. Wie lange bereits dieseVegetation bestehe, ist nicht auszumittcln, da wir aller geschichtlichenAngaben über die wahre Zeit ihres Anfanges ermangeln.

Seit jedoch die Erdoberfläche ihre jetzige Gestalt besizt, schei-nen sich die auf ihr lebenden Pflanzen, wo sie sich selbst über-lasten blieben, nicht verändert zu haben. Wenigstens gibt es keineBeweise dafür, daß seit der geschichtlichen Zeit neue Pflanzcn-gattungen oder Arten ohne Samen entstanden sind; denn un-ter den einfachsten Gewächsen, die man jezt noch als ursprünglichsich erzeugende betrachtet, sieht man immer nur eine Wiederho-lung bereits vorhander Formen. Wenn aber auch einmal einenoch nie gesehene Form dieser Gewächse auftritt, so ist damitnoch keineswegs erwiesen, daß dieselbe vorher nicht da gewesen sey;sondern sie kann eben so wohl seit dem Beginne der jetzigen Bil-dungspcriodc vorhanden, aber unsern Beobachtungen bis jezt ent-zogen gewesen seyn. Ucbcrhaupt läßt sich von den meisten der inunsern Zeiten entdeckten, sogenannten neuen Pflanzen annehmen,daß sie nicht ncnentstandcne, sondern nur bis dahin überschcneoder verkannte Arten seyen. Es ist allerdings nicht zu läugncn,daß man nicht selten auf Pflanzenformcn trifft, welche offenbarim Verlauf unserer geschichtlich nach weisbaren Zeit erzeugt wurden;cs sind dieselben aber nicht aus einer ursprünglichen Erzeugung,sondern aus einer unter verschiedenen äußeren, besonders klimatischen

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