Buch 
2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
Seite
205
JPEG-Download
 

205

wie der wohlriechende Gänsefuß (kkenopostium »mkro-«ioistes), der in Mexiko und Westindien einheimisch ist, jezt aberam Ufer der Murg, namentlich bei Rastadt, in so großer Mengeverwildert vorkommt, daß man ihn als völlig eingebürgert be-trachten muß. Ein Beispiel solcher Ansicdlung in der neuer»Zeit gibt noch der Marschall'sehe' Wanzensame (6orls-jwrmum Alarsoimllii Kkeven.), eine in Taurien, an den Uferndes Dnjepcrs einheimische Pflanze, welche nach dem Befreiungs-kriege (im I. 1814) in großer Anzahl auf den sandigen Feldernbei Schwctzingcn erschienen ist, wohin der Same wahrscheinlichdurch russische Truppen gebracht wurde, die in jener Gegend län-gere Zeit ein Lager bezogen hatten. Wie Europa von den andernWelttheilcn, eben so haben auch diese, namentlich aber Nordame-rika, das Kap und Ncuholland, von Europa aus durch den Han-del und die Kolonisation viele Pflanzen erhalten, die ihnen frü-her fremd waren.

§. 295.

Besonders wichtig und von großem Einflüsse auf die gesell-schaftlichen Verhältnisse der Menschen ist die künstliche Verpflan-zung nutzbarer Gewächse in andere Länder, wobei man jedoch im-mer auf die klimatischen Verhältnisse und auf die Natur derGewächse Rücksicht nehmen muß, wenn man eines glücklichenErfolges bei solchen Verpflanzungen gewiß seyn will. Es istnämlich durch keine bestimmte Erfahrung erwiesen, daß sich einePflanze durch die Kultur an ein Klima gewohnt habe, welchesursprünglich ihrem Gedeihen entgegen war, und die sogenannteAkklimatisirung der Gewächse bleibt, ungeachtet mancher scheinbarfür dieselbe sprechenden Thatsachen, noch höchst zweifelhaft, weilwan die Fähigkeit vieler Pflanzen, in einer von ihrer Heimathentfernten Zone ebenfalls zu gedeihen, meist übersah, und daherdie in ihrer Natur schon begründete Möglichkeit ihres Fortkom-mens unter verschiedenen Himmelsstrichen für eine allmälige Ge-wöhnung an ein anderes Klima hielt. Man muß daher bei derVerpflanzung von Gewächsen in andere Länder, Behufs der Kul-tur im freien Lande, die klimatischen Verhältnisse wohl beachten;bei ausdauernden Pflanzen darf nämlich der Winter nicht bedeutend