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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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absichtliche Zerstörung die Ausdehnung der Derbreitnngsbezirke vie-ler Pflanzen vermindert, strebt er auf der andern Seit-e in nochgrvßerm Maße die Grenzen für andere Gewächse zu erweitern.Durch Kriege, Völkerwanderungen, Krcuzzüge, durch den Handel,durch Land- und Seereisen sind eine Menge ausländischer Pflan-zen nach Europa gekommen, so wie viele der europäischen inandere Wcltthcile verbreitet worden. Die Bohnen und Erb-sen, den Wein stock, die Roßkastanie, den Buchweizen,die Hirse und die meisten übrigen Getreidearten habenwir aus Asien erhalten; den Taback, den Mays und dieKartoffel hat uns Amerika gespendet; die Citrone und Po-meranze, der Granatapfel, die Feige, der Oelbaumund vielleicht selbst die Kirsche, so wie überhaupt die meistender veredelten Obst- und Gemüses orten scheinen nicht ur-sprünglich in Europa einheimisch zu seyn; wenigstens in Deutsch-land und den nördlicher gelegenen Ländern waren sie be»m An-fange der christlichen Zeitrechnung noch unbekannt, und sind spä-ter erst über das südliche Europa, hauptsächlich aber über Italiendahin gelangt. Die meisten Zierpflanzen unserer Gärten stammenaus andern Ländern, zum Theil aus sehr entfernten Welttheilcn,so wie selbst eine nicht geringe Zahl gegenwärtig bei uns wild-wachsender Arten für sich oder mit den nutzbaren Gewachsen ein-geschleppt wurden, oder aus den Gärten ins Freie gelangt sindund sich von da aus weiter verbreitet haben. Außer den schon(II, S. 476) erwähnten, werden noch als solche Einwanderer ge-nannt: der Stechapfel (Ostui-n 8tr»mun!um), der aus Ostin-dien durch die Zigeuner nach Europa gebracht und, weil diesedie Samen als Brech- und Purgirmittel überall mit sichführten, so weit verbreitet wurde; die blaue Kornblume(Lentnure« s^cmus), die Kornraden (l-^vlinis kUtimAo), derKlatschmohn ksioons), von welchen man glaubt,

daß sie mit den Gctrcidearten aus Mittelasien eingebracht seyen,weil sie nnr auf Getreidefeldern wachsen; der gemeine Lein-dotter (ksmelina sativ») , der wenigstens in Deutschland nurin solchen Gegenden, wo er kultivirt wurde, gefunden wird, unddarum bei uns wohl nur als verwildert anzusehen ist. So gibtes noch viele Pflanze» ausländischen Ursprungs, welche sich inkleinern Bezirken mehr oder weniger bleibend angesiedelt haben.