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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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Reben nie die köstlichen Trauben bringen, wie an unsern svnni-gen Bergen; eben so sind noch manche andere spätreifende Obst-sorten, die hier einen bedeutenden Kulturzwcig abgeben und ohnegroße Sorgfalt im Uebcrflusse gedeihen, dort gar nicht oder dochnur durch mühsame, künstliche Pflege zur Reife zu bringen. Dieim Nordwesten von Frankreich gelegene Insel Guernsey bcsizt einso ausnehmend mildes Klima, daß die Fuchsie, der Theestrauch,die Ma g n oli en, C a m el l i e n, H vrten si en, nebst einer Mengeanderer in wärmcrn Ländern einheimischer Pflanzen, daselbst imFreien wachsen, und die aus Mexiko stammenden Georginensogar als Unkraut verbreitet sind; aber der Weinstock gedeihtnicht und es bleibt sehr zweifelhaft, ob ein Gedeihen und eineAbhärtung desselben bei einer Zucht aus Samen zu hoffen sey,wie Mac Culloch*) meint, da die zur Reife der Beeren nö-thige Svmmerwärme daselbst zu fehlen scheint, und wenn es auchvielleicht gelingen sollte, einige frühreifende Traubensorten zu er-ziehen, so würde sich dort dennoch, so wenig als in England, eineigentlicher Weinbau, wie am Rhein, einführen lassen.

Durch die Verpflanzung und den Anbau der Gewächse inverschiedenen Län!crn oder auch nur in einem andern Boden, ineiner andern Lage, so wie überhaupt durch eine veränderte Ein-wirkung der äußern Potenzen, hat man eine Menge von Abän-derungen theils in der Form, theils in der Zeit der Blüthe undFruchtrcife erhalten, welche dann zum Anbau oft mehr geeignetsind als die wilde Art; namentlich gilt dieses von den früheroder später als die Stamm-Art zur Blüthe und Fruchtrcife ge-langenden Spielarten, welche in Gegenden kultivirt werden kön-nen, wo die ursprüngliche Art nicht mehr gedeihen oder doch keineFrüchte mehr bringen würde. Die frührcifenden Formen desWeinstocks liefern noch in solchen Gegenden Trauben, wo dieübrigen Spielarten, wegen der geringen Sonncnwärme oder derfrüh eintretenden Herbstfrvste, keinen Ertrag mehr geben; umge-kehrt werden sich von Pflanzen, welche sonst sehr zeitig im Früh-'ling blühen, wie von dem Wallnuß bäum die spätblühcndenSpielarten für solche Gegenden eignen, wo die Spätfröste imFrühling gewöhnlich sind. Manche durch die Kultur hervorgerufenen

Ousrterl^ Journal ok Loienre dt. XIII, p. 200 etc.