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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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Spielarten sind dauerhafter, andere sind weichlicher und hier-nach zur Verpflanzung in rauhere Klimate mehr oder wenigergeeignet; während z. B. der Garten-Strauchkohl (kras-«ie« olevave» krutivosa kioi-tensis L/e/LF.) ganz gut die nichtzu strengen Winter in Deutschland aushält, ist der Blumen-kohl (Lvassio» olsraoe» lioti-^tis Lrn.) weit empfindlicher ge-gen die Kälte als alle andern Spielarten des Gemüsekohls, undkann daher in rauhcrn Klimate» nicht im Freien gezogen werden.Der erstere ist eine von dem an der Westküste Frankreichs, Eng-lands und Schottlands wildwachsenden Gemüse kohl nur we-nig abweichende und durch die Verpflanzung in die Gärten seinesVaterlandes nur unbedeutend veränderte Form; der Blumen-kohl dagegen ist eine unter einem wärmern Klima erzeugte Spiel-art oder vielmehr Mißbildung, welche sich eben darum zum An-bau in weniger warmen Gegenden nicht wohl eignet. Durchsolche Veränderungen, welche viele der angebauten Pflanzen unterverschiedenen klimatischen Verhältnissen erleiden, ist jedoch nochkeineswegs der Beweis gegeben, daß dieselben da, wv diese Ver-änderungen entstehen oder kultivirt werden können, auch nothwen-dig akklimatisirt seyen. Ware dieses der Fall, so müßten sie, sichselbst überlassen, allen Temperaturveränderungen zu trotzen undsich auch ohne besondere Pflege durch die natürliche Aussaat zuvermehren im Stande seyn, was aber bei keiner Spielart desGemüsckohls, so wenig als bei den Getreidearten und vielen an-dern bei uns angebauten Pflanzen ausländischen Ursprungs derFall ist. Aber auch selbst bei denjenigen Pflanzen, welche außer-halb ihres Vaterlandes angebaut, sich zugleich durch natürlicheAussaat bleibend angesiedelt haben, wie bei uns der Leindot-ter, die Esparsette (Onadi-^oli^s sativa), die Kirschen u.a. m., kann man vielleicht nicht von einer Akklimatisirung spre-chen, da sie wahrscheinlich seit ihrer ersten Einführung bei unsein ihnen zusagendes Klima fanden, und darum leicht verwildernund sich einbürgern konnten.

Wenn mehrere Arten einer Pflanzcngattung nahe beisammenoder untereinander angebaut werden, wie dieses namentlich inbotanischen Gärten gewöhnlich geschieht, so kann leicht eine ge-genseitige Befruchtung zwischen zwei verschiedenen Arten vor sichgehen, indem besonders durch das während der Blüthezeit immer